Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Metaphysik der Musik, 28. April 2006
Im Gegensatz zu Walter und Klemperer wird Furtwängler weniger mit Mahler in Verbindung gebracht. Die vorliegende Aufnahme aus dem Jahr 1955 (Lieder eines fahrenden Gesellen von G. Mahler) lässt deswegen in vielerlei Hinsicht aufhorchen:
Der junge Fischer-Dieskau führt in diesen vier Liedern zusammen mit Furtwängler und dem Philharmonia Orchestra Liedgesang und Liedgestaltung auf allerhöchstem Niveau vor. Von Fischer-Dieskau ist man ja nichts anderes gewohnt. Eindringliche, bewegende Gefühlsdarbietung und Liedporträts unter künstlerisch gerechtfertigter und abgewogener Kontrolle, sowie Ökonomie der musikalischen sängerischen Mittel zum Zwecke reinen und natürlichen musikalischen Effektes. In Furtwängler und dem Philharmonia Orchestra hat er für diese vier Lieder absolut kongeniale Partner gefunden. Die Musik der Mahlerlieder fließt so ruhig wie selbstverständllich und so dramatisch erregt wie himmlisch tröstend dahin. Jede Nuance in der musikalischen Schattierung scheint abgesprochen und perfekt plaziert, kommt aber völlig unverkrampft und natürlich aus dem Fluss der Musik zu Stande, dass einem fast Hören und Sehen vergeht. Es ist schier unglaublich. Man hat den Eindruck, Mahler habe die Lieder gar nie auf Papier festgehalten, und Sänger, Dirigent und Orchester haben sich lediglich getroffen, um genialisch zu improvisieren, und EMI durfte bei dieser Sternstunde dabei sein... ;o) Das Philharmonia Orchestra bringt so schmelzend 'wiäanarische' Klänge hervor, dass einem auch in diesen kammermusikalisch-kulinarischen Momenten des Hörgenusses Hören und Sehen vergehen könnte... Wenn man nicht von weiteren 5 Mahlerliedern auf der CD (die Kindertotenlieder nach Rückert-Texten) aus der geborgenen, trostreichen, watteweichen Furtwängler-Philahrmonia-Sphäre fast unmerklich, aber doch hörbar, in eine leicht kühlere Atmosphäre geleitet und gelangen würde. Die Singstimme ist dabei die gleiche geblieben (der junge Fischer-Dieskau), die Orchsterklänge jedoch sind etwas kühler, klarer, silbriger, und haben ein wenig vom samtig matten, ruhig dahinfließenden verschwommen Sternenglanz verloren. Kempe und die Berliner Philharmoniker bleiben dennoch exzellente Partner Fischer-Dieskaus, immer auf gleicher (auch künstlerisch-musikalischer) Augenhöhe mit ihm. Zusammen schwingen sie sich dann bis zum vierten Lied, das ebensolchen Schmelz hat wie vorher bei Furtwängler, wieder in den Musikerhimmel hinauf, aus dem Furtwängler und Philharmonia zuvor gemeinsam auf so warmgoldene Weise Musik erströmen ließen.
Über die Interpretation der je fünf weiteren Wunderhorn und fünf Rückertlieder (Fischer-Dieskau, diesmal mit Klavierbegleitung von Barenboim, 1980) kann man geteilter Meinung sein. Ich finde es jedoch sehr bemerkenswert, dass Barenboim in dieser Zusammenstellung mit diesen zwei einzigartigen Aufnahmen aus den 1950er Jahren die musikalische Spannung bei der künstlerisch ausgesprochen und singulären Höhe und Qualität der Lieddarbietung Kempes und Furtwänglers halten kann, ohne wie diese ein Orchester zur Verfügung gehabt zu haben. Eine alles in allem bemerkenswerte, einfach einzigartige CD!
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Furtwängler als Mahler-Dirigent, 16. März 2006
Es ist kein Geheimnis, daß Wilhelm Furtwängler für Mahlers Klangwelten keine große Begeisterung aufbringen konnte, und so überrascht es auch nicht, daß es von ihm so gut wie keine Mahler-Aufnahmen gibt.
Umso kostbarer ist die vorliegende CD. Der junge Dietrich Fischer-Dieskau hatte Furtwängler bei den Salzburger Festspielen 1951 überreden können, ihm beim Vortrag der Lieder eines fahrenden Gesellen als Orchesterleiter zu assistieren. Widerwillig hat Furtwängler die Aufgabe übernommen, aber schließlich ließ er sich vom jugendlichen Feuer des Sängers anstecken und erklärte sich schließlich sogar bereit, im Frühjahr 1952 die Lieder mit ihm in London unter Walter Legges berühmter Regie einzuspielen. So ist ein Dokument seltenen Ranges entstanden, das nie aus den Katalogen verschwunden ist. Die Koppelung mit den Kindertotenliedern, die Fischer-Dieskau 1955 unter Rudolf Kempe in Berlin aufgenommen hat, ist sinnvoll und beschert uns eine weitere großartige Interpretation. Da die CD eine wesentlich größere Speicherkapazität als eine LP aufweist, hat man noch einige Lieder aus "Des Knaben Wunderhorn" und 5 Rückertlieder, am Klavier schön begleitet von Daniel Barenboim, angefügt.
Eine CD, die allen beteiligten Künstlern zum Ruhm gereicht und für jeden Mahler-Freund Pflicht sein sollte.
Die EMI hat eine ganz hervorragende Textbeilage in mehreren Sprachen beigefügt, und auf dem Titelblatt prangt das Original-Cover der englischen LP-Ausgabe. So stellt man sich eine repräsentative Wiederveröffentlichung vor.
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