Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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25 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Grandiose Wiederentdeckung, 16. Mai 2002
Der kubanische Pianist Jorge Bolet hat für die Plattenfirma Decca in fortgeschrittenem Alter mehrere CDs mit Klaviermusik von Liszt aufgenommen; wenngleich diese wegen ihres in jeder Hinsicht beherrschten und nie willkürlichen oder exaltiert-virtuosen Stils zu Recht bewundert werden, werden sie Bolet nicht in jeder Hinsicht gerecht. Da er erst in fortgeschrittenem Alter zu Ruhm gelangte, ist die oft explosive und temperamentvolle Live-Spielweise seiner Frühzeit nur sehr spärlich dokumentiert, so etwa im Rahmen der Reihe "Greatest Pianists of the 20th Century". Der hier vorliegende, durch einen (glücklichen) Zufall im Archiv der RCA entdeckte Mitschnitt offenbart denn auch eine andere, glühendere Seite von Bolet. Im Vergleich zu den Decca-Aufnahmen wirkt sein Spiel gelöster, spontaner und weniger zurückhaltend, was gerade bei Liszt dessen oft sehr extrovertiertem Kompositionsstil entgegenkommt. Das bedeutet freilich nicht, Bolet verfalle nun in virtuose Ausbrüche wie etwa Martha Argerich in den Funérailles oder Evgeny Kissin in der Campanella-Etüde. Gleichwohl hat sein Liszt-Spiel eine in sich ruhende Größe, die von einer herausragenden musikalischen Intuition geleitet wird, die in dieser Ausformung unnachahmlich bleibt. Schon das erste Stück, der so oft als Zugabe-Schmachtfetzen gespielte Liebestraum Nr. 3, wirkt weder kitschig noch banal; die Melodieführung in der Konzertetüde "Un sospiro" gewinnt durch minimale, aber unglaublich effektive Rubati eine geradezu magische Präsenz. Die manchmal etwas sperrigen "Funérailles" werden unter Auslotung der gesamten dynamischen Bandbreite des Konzertflügels dargestellt, ohne daß Bolet den Anschlag ins Harsche abgleiten ließe. Auch der technisch höchst anspruchsvolle Paganini-Etüde oder dem Grand Galop chromatique entlockt er mit seinem unmanirierten Spiel neue Seiten; wer es extrovertierter, brillanter mag, sollte hier zu Kissin bzw. Cziffra greifen. Höhepunkt der Aufnahme ist das letzte Stück, die Transkription der Tannhäuser-Ouvertüre: In diesem quasi als Zugabe gespielten Werk läßt sich der Pianist zu einem sonst nur in Live-Konzerten erlebten Ausbruch hinreißen, der das fantastische Potential dieses Künstlers beispielhaft widerspiegelt; als Vergleichseinspielung kann da nur Katsaris (Sony) mithalten.Die Tonqualität ist - gemessen am Alter von 30 Jahren - gut, das Booklet ausreichend informativ. Insgesamt eine höchst empfehlenswerte Aufnahme und die mit Abstand überzeugendste Liszt-Einspielung der letzten Zeit.
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9 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Jorge Bolet rediscovered, 13. März 2002
Ich bin glücklich, daß diese Aufnahmen gefunden wurden und nun veröffentlicht worden sind. Jedes Stück ist ein Kleinod. Die Tannhäuserfantasie ist zwar ein riesiger Schinken aber absolut einmalig gespielt. Auch wohl eine Rartität, denn das Stück scheint fast unspielbar zu sein. Schon die physische Leistung ist beachtlich. Ich kenne nur noch eine Einspielung dieses Stückes, auch durch Bolet (Bolet at Carnegy), einer nach wie vor sehr empfehlenswerten Konzertaufnahme. Bolets Anschlagtechnik erzeugt einen schönen melodischen Ton, der seinesgleichen sucht. Man hört alle Pianostellen durchklingen, als seien sie gestrichen, und wenn die Fortissimo den Flügel hinten hochgehen lassen, erklingt ein ganzes Orchester. Trotzdem kommt nie ein harter oder blechener Ton dabei heraus. Drei weitere Aufnahmen möchte ich unbedingt empfehlen, weil sie so einmalig sind: 1. Don Juan Fantasie von Listz 2. Chaconne von Bach, von Busoni auf das Klavier übertragen 3. Die Schubertsonaten Bei Bolet erlebt man keine Mätzchen und Effekthaschereien, keine leere Brillianz. Jeder Lauf lebt, ist dramatisch oder gar unheimlich. Es ist alles Musik, die erregt und betroffen macht in ihrer Schönheit.Manfred Söllinger
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