Jazz thing (06/01)
Konzepte sind gut, doch wollen sie nicht aufgesetzt, sondern verinnerlicht sein. Zunächst fällt der mit divergenten Welten spielende Titel auf, der Ungutes ahnen lässt. Dieses Gefühl setzt sich beim Hören der Musik fort. Man wird an keiner Stelle den Eindruck los, dass der Musiker nicht recht weiß, was er tut. Das Ziel mag klar sein, aber der Weg ist mehr als holperig. Poetische Verklärtheit wird mit krudem Zeitgeist versetzt, auf dass Brüche entstehen, an denen sich der Hörer eher die Knochen bricht als eine kreative Erfahrung zu machen. Vom DJ bis zum Orchester fährt Lan Doky alles auf, doch scheint es ihm mehr um den Einsatz dieser gestalterischen Mittel an sich zu gehen als darum, für die Umsetzung seiner Klangvorstellungen nach probaten Wegen zu suchen - so dass er sich stets in Fahrwasser begibt, in denen er sich offensichtlich nicht auskennt. Der Anspruch auf Omnipotenz tat noch keinem Künstler gut. Seinen Chansons fehlt es an Esprit, seinen Dance Grooves an Stringenz, und seine Pianospielereien sind einfach zu vorhersehbar. Dröger als auf "Haitek Haiku" kann jazzverwandte Musik kaum dargeboten werden.
© Jazz thing - Wolf Kampmann