Aus der Amazon.de-Redaktion
Schade, dass man eine CD nicht "gucken" kann: das neue Bühnenkonzept der Jazzkantine beinhaltet eine multimediale Performance aus Musik, Lichtspielen und modernem Ballett, einen Tanzabend vor rappender Jazzfunk-Kulisse oder eine in Bewegung versetzte Reihe musikalischer Geschichten; Choreografie (Pierre Wyss) und Musik verschmelzen zu einer phantasievollen Collage, 12 Tänzer, 12 Musiker, nur vom Feinsten.
Das alles kann man natürlich auf der CD nicht sehen -- dennoch: schon die Musik, die eigens für dieses Projekt neu arrangiert wurde, lässt den Vorgänger In Formation weit hinter sich. Tanzzkantine ist voller Inspiration und Esprit. Man spürt den frischen Wind, die außergewöhnliche Motivation, mit dem großangelegten Vorhaben etwas Besonderes zu schaffen. Nicht nur die Texte (interpretiert wie gewohnt vom Rapperterzett Cappuccino, Aleksey und Tachiles) sind rundum intelligent und voll überschäumendem Sprachwitz. Die groovigen und im Vergleich viel abwechslungsreicheren Stücke sind raffiniert gemacht und dabei (schicksalhafte Fügung oder kühle Berechnung?) für jedes Ohr geeignet.
Die zum großen Teil verkappten Jazzmusiker werfen ihre farbenfrohen Klangfacetten zusammen und sparen keineswegs an unterhaltsamen Soloeinlagen und ungewöhnlichen stilistischen Verquickungen: Rock- und Soulanteile mischen sich in origineller Anordnung zu mutierten Standards wie "Billie's Bounce" oder Kassenhauer "Take Five". Experimentelle Soundcollagen des DJ Air-Knee münden in erdigen Soulgroove, darüber setzt Gunther Hampel dann ein swingbeseeltes Vibrafon, oder Tom Bennecke lässt die Softrockgitarre singen. Wie immer äußerst professionell geben sie sich, die Rap-Tänzer und Ton-Regler. Wie immer ist alles hervorragend produziert. Nur diesmal ist eben alles noch eine Runde besser -- was will man mehr? --Katharina Lohmann
Jazz thing (02/01)
Auf der Bühne, ja, da tanzt es wirklich bei der Tanzzkantine. Ein Tonträger kann da nur erahnen lassen, wie sich zuckende Ballett-Körper live zu der Musik der Jazzkantine bewegen. Immerhin unterstreicht die erfolgreiche großformatige Jazz-HipHop-Formation auf den zwölf Titeln dieses Albums, dass sie es glänzend versteht, Jazz und Funk mit Soul und HipHop zusammenzuführen. Die Rapper Cappuccino, Tachiles und Suli feuern ihre witzigen und pfiffigen Reime zu funkiger WahWah-Gitarre, fettem Funk-Bass, flinken Vibrafon-Soli oder einem souligem Saxofon ab. Remixte Jazzkantine-Klassiker wie "55555", eine funkig-groovige Bearbeitung von Paul Desmonds "Take Five" (mit Scratches von DJ Air-Knee), eine innovative Version von Van Morrisons "Moondance", aber auch Drum&Bass-Lastiges und sphärische Klänge hält die Jazzkantine unter dem Namen Tanzzkantine in ihrer Auslage bereit. Das Resultat ist intelligenter und vielseitiger Jazz-Hop, der Spaß macht. Auch an der heimischen Stereoanlage und ohne Tänzer für die Augen!
© Jazz thing - Christoph Giese