Aus der Amazon.de-Redaktion
Die amerikanische Zeitschrift Jazz Times feierte John Scofield als den Jazzmusiker, dem es im Jahr 2000 gelang, ein neues, junges Publikum zu gewinnen. Mit dieser CD versucht er sich schon wieder auf anderem Terrain. Nach zwei groove- und jamband-betonten-Aufnahmen hier nun mit einem Dreamteam des akustischen Jazz. Mit Altsaxofonist Kenny Garrett, Billy Higgins, Schlagzeug, und dem neuen Superstar des Jazzpianos, Brad Mehldau, spielt der einstige Miles Davis Gitarrist John Scofield in ungewohnt traditionsbewusster Manier. Doch im Unterschied zu den Groß-Imitatoren der amerikanischen Jazzszene sonnt sich Scofield hier nicht in den Werken der Erfinder, sondern stellt ausschließlich Eigenkompositionen vor, die respektvoll die Geschichte dieser Musik zitieren, ohne sie zu kopieren.
Auch der achtundzwanzigjährige Bassist Christian McBride ist bei dieser Session dabei, dessen eigene CD Sci-Fi selbst eine der spannendsten, wenn auch am wenigsten beachteten CDs des Jazzjahrgangs 2000 war. Von 1982 an war Scofield für drei Jahre Gitarrist bei Miles Davis gewesen, und diese Zeit begründete nicht nur seinen Ruhm, sondern prägte wohl auch seine Offenheit gegenüber anderen musikalischen Genres. Insofern dokumentiert diese CD auch nicht unbedingt eine Neuorientierung des Gitarristen, sondern eher einen Ausflug in den so genannten Straight Ahead Jazz. Den Zusammenhang zwischen seinem Groove-Album A Go Go mit Medeski, Martin & Wood und dieser CD stellt Scofield selbst her: er beschäftige immer die jeweils besten Musiker. Stimmt. --Christian Broecking
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"Das sind meine Versionen von Rock'n'Roll", postulierte John Scofield nach dem Erscheinen seiner zweiten CD Bump im Umfeld junger New Yorker Underground-Avantgardisten, die es auf erdige Grooves, ungeschliffenes Bluesambiente und bizarre Soundeffekte angelegt hatten und dem Jazz-Modernisten ein perfektes Spielfeld für verschroben skurrile Blues- und Funk-Rock Variationen boten.
Nach diesen exotischen Querschlägern betätigt sich Scofield mit seinem neuesten Werk nun wieder einmal im gewohnten Jazzterrain: mithilfe seines unorthodoxen Stils schafft er eine lückenlose Harmonie von Alt und Neu: eher traditionell, zumindest traditionsverbunden sind seine Stücke, stets modern klingen Phrasierung und Improvisation des hochgelobten Eigenbrötlers. Typisch für Scofield ist, dass er für jedes Projekt erneut auf Musikersuche geht. Das inspiriert den Geist und sorgt für Bewegung: keine CD klingt wie die vorangegangene, und so wenig man über Scofields Gitarrenkünste diskutieren muss, so viel Gutes gibt es zumeist über die Mitspieler zu sagen.
Works For Me ist ein Schatzkästchen der populären Mainstream-Spezialisten geworden: Kenny Garrett verweilt, wenn auch nicht in Höchstform, so doch in straight-moderner Saxofonästhetik, der junge und zwischenzeitlich etablierte Christian McBride tanzt auf dem Kontrabass und Jazzikone Billy Higgins trommelt den Swing. Brad Mehldau, spiritueller Wandler zwischen Romantik und Bebop, gibt sich kraftvoll und schlicht, und mittendrin, etwas unglücklich in den Vordergrund gemixt, der Bandleader selbst, flexibel und verspielt, dabei souverän wie ein Fels in der Brandung -- das ist Scofield: von Natur aus originell und zeitlos, unantastbar in einer authentischen Mischung aus Intelligenz und Emotionalität. --Katharina Lohmann
Jazz thing (02/01)
Man nehme einen begnadeten Altisten (Kenny Garrett), einen aktuellen Pianostar (Brad Mehldau), eine Bassgröße (Christian McBride) und einen alten Hasen am Schlagzeug (Billy Higgins) - und fertig ist ein Studio-Quintett der Extraklasse für lupenreinen Straight-Ahead-Jazz. Gitarrist Scofield liefert mit "Works For Me" eine Kehrtwendung vom funkrockigen Groove-Jazz hin zu akustisch orientiertem, swingendem Post-Bop. Die Ecken und Kanten in Scos Spiel lassen sich nicht verleugnen; dennoch klang der Gitarrist wohl selten so griffig und geradlinig wie hier. Mit Kenny Garretts Altsax erklingt die E-Gitarre in spannendem Unisono, um sich dann solistisch auszutoben. Die Rhythmusgruppe swingt fantastisch elegant und unterstreicht die Melodiosität der elf Originals. Brad Mehldau strickt neben seiner genialen Begleitung für die beiden melodieführenden Stimmen auch eigene Nuancen ins Songmaterial. Erfrischend mitreißend, das alles zusammen.
© Jazz thing - Christoph Giese