Aus der Amazon.de-Redaktion
Francis Poulenc (1899-1963) gehörte zur "Groupe des Six" (neben Arthur Honegger, Georges Auric, Darius Milhaud, Germaine Tailleferre sowie Louis Durey) und wurde häufig als deren Spaßmacher tituliert. Denn der Komponist aus Frankreich hatte ein ausgeprägtes Faible für schalkhafte Musikstücke. So ist etwa seine Oper
Les mamelles de Tirésias ein erotischer Spaß nach Apollinaire. Doch man täte dem Koechlin-Schüler Unrecht, würde man ihn auf die Rolle des Klassik-Humoristen reduzieren. Schließlich hat er ab den Dreißigerjahren eine stilprägende Verinnerlichung erfahren. Poulenc wandte sich verstärkt dem Katholizismus zu und erschuf in der Folge viele religiös konzipierte Stücke. Ein Zentralwerk dieser Spezies ist seine Zweieinhalb-Stunden-Oper
Dialogues des Carmélites.
In dem zwischen 1953 und 1955 entstandenen Musiktheater, seinerzeit im Auftrag des Mailänder Teatro alla Scala nach dem Bühnenstück Die begnadete Angst von Georges Bernanos verfasst, erzählt Francis Poulenc die Geschichte der Blanche, die seit dem Tod der eigenen Mutter unter einer krankhaften Todesangst leidet und sich vom Eintritt in den Orden der Karmeliterinnen eine Befreiung erhofft. Doch auch im Kloster verlässt sie die Angst nicht. Erst als in den Wirren der Französischen Revolution ihre Ordensschwestern den Märtyrertod auf sich nehmen, überwindet sie ihr Leid und findet zu einem unerschütterlichen Gottesglauben.
Aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Poulenc wurde seine einzige abendfüllende Oper in Straßburg produziert. An der Opéra du Rhin hat man Die Gespräche der Karmeliterinnen sehr eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. In der wunderbaren Aufführung interpretierte das Orchestre Philharmonique de Strasbourg unter dem Dirigat von Jan Latham-Koenig die neo-klassizistische, nie die Tonalität verlassende Partitur überaus sensibel und poetisch. Sopranistin Anne-Sophie Schmidt in der Rolle der Blanche bot eine fabelhafte Sangesleistung. Und Theater- und Filmschauspielerin Marthe Keller, die hier ausnahmsweise mal Regie führte, verstand es hervorragend, die spirituelle Aussage in unvergesslichen Bildern zu veranschaulichen.
Die DVD-Edition enthält die Oper in der französischen Originalsprache, auf Wunsch können Untertitel in Deutsch eingeblendet werden. Der Stereoton der Silberscheibe ist über jeden Zweifel erhaben. --Harald Kepler
Video Jakob Kurzinhalt
Oper in drei Akten und zwölf Szenen Liberetto by Georges Bernanos inspired by a screenplay by Philippe Agostini and Reverend-Pere Bruckberger Choers de l'Opera national du Rhin Orchestre Philharmoniqe de Strasbourg