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Der aus Österreich stammende Violinist Thomas Zehetmair leitet und dirigiert das Schweizer Kammerorchester Camerata Bern bei dieser überragenden ECM-Aufnahme. Sie interpretieren drei Werke für Streicher -- Schoenbergs
Verklärte Nacht, Bartóks
Divertimento und
Four Transylvanian Dances von Sandor Veress. Das Thema "Tod im Exil" verbindet diese Werke.
Der Ungar Veress (1907-1992) machte Bern zu seiner Heimat und lehrte dort am Konservatorium. Camerata Bern spielt seine kurzen Tänze mit großem Einfühlungsvermögen in dem urwüchsigen Überschwang der osteuropäischen, bäuerlichen Kultur. "Lassu" hat einen langsamen, sehnsüchtigen Tonfall, "Ugros" kommt hüpfend wie ein frohgemuter Frühlingsmorgen daher, "Lejtos" flüstert auf dem Hintergrund der sägenden Geräusche der Bässe, und "Dobbantos" stampft, hämmert und treibt an, bis die Anspannung unwiderstehlich wird.
Bela Bartók, der in den USA verstarb, war der Lehrer von Veress. Er komponierte 1940 Divertimento, ein modernes Concerto Grosso für den Schweizer Dirigenten Paul Sacher. Das Allegro hüpft über brummende Bässe hinweg und lächelt uns mit seinem zweiten Thema an. Das Adagio wickelt eine regungslose, erstarrte Melodie mit einer unheilvollen Andeutung der Macht des Schicksals ab, das Rondo-Finale hingegen wirft alle Sorgen von sich und geht über in fröhlich ausgelassene Stimmung, mit der auch die Platte insgesamt endet.
Schoenbergs Verklärte Nacht eröffnet sie. Er ist ebenfalls in den Vereinigten Staaten gestorben, aber dies ist eines seiner frühen Werke, das in einer Zeit entstand, bevor Sorgen und Kontroversen sein Leben überschatteten. Die Mitglieder des Ensembles Camerata Bern machen aus den Bezeichnungen piano und pianissimo weniger als sie eigentlich könnten. Übertriebene Pianissimi mögen zwar bei Plattenaufnahmen häufig verloren gehen, aber ihre Vorsicht schwächt die Wirkung von aufeinander folgenden Höhepunkten ab. Dennoch wird die elementare Kraft dieses Werks vermittelt und vollendet eine ganz besonders wertvolle CD. --Rick Jones