Aus der Amazon.de-Redaktion
Thomas Beecham sagte einmal, dass er "freudig alle
Brandenburgischen Konzerte gegen
Manon Lescaut eintauschen würde". Er hätte auch noch einige Sinfonien von Beethoven und auch noch Opern aus dem Spätwerk von Mozart in diesen Tauschhandel einbeziehen können, wenn er gehört hätte, was Angela Gheorghiu aus dieser Titelrolle macht. Sie ist einfach umwerfend.
Wenn Sie sich eine Manon wünschen, die von der ersten Note an eingängig und bezaubernd ist, deren unberechenbare Charakterzüge mit Respekt und Einfühlungsvermögen präsentiert werden, deren Selbstvorwürfe herzzerreißend sind, dann ist Angela Gheorghiu genau ihre Künstlerin. Und wenn dann das dramatische Persönlichkeits-Porträt auf einer vollkommenen Technik basiert -- die höchsten Noten im Pianissimo, die exquisite Phrasierung, die kraftvollen tieferen Register, der prächtige, volle und runde Klang -- dann ist es unmöglich, nicht in diese wunderbare Interpretation hineingezogen zu werden.
Ihr Mann Roberto Alagna erreicht zwar nicht den Glanz ihrer Klangqualität, ist aber ein ausgezeichneter Partner und vermittelt eine anschauliche Darstellung, wie die unreife Jugendlichkeit Grieuxs durch die Phasen des Leidens sich in menschliche Reife entwickelt. Pappano entlockt eine üppige Spielweise aus diesem Orchester und vermeidet es, die Anlehnungen an das 18. Jahrhundert als frivole Idylle darzustellen. Die Heiterkeit der komischen Szenen verleiten einen am Anfang dazu zu glauben, dass alles auf ein Happy End hinausläuft, so naiv ist seine Darstellung -- das schreckliche Ende wird dadurch nur noch umso entsetzlicher. --Robert Levine