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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gesellschaftskritik, 20. Juni 2001
Von Ein Kunde
Gesellschaftskritik verpackt in RapmusikSetzt man sich mit der LP „ The Marshal Mathers LP „ auseinander, darf man nicht an der Fassade hängen bleiben. Musikalisch unumstritten, ist der charismatische Rapper aus Detroit, teils berechtigt- teils unberechtigt, in Rekordschnelle zum internen Staatsfeind Nr.1 für alle amerikanischen Moralisten, Republikaner und Puritaner. Mit der neuen LP beeindruckt der wortgewaltige Rapper die Kritiker die nicht an seinem selbstauferlegten Image des „ bad white motherfuckers" hängen bleiben, sondern sich mit der Musik auseinandersetzen. Mit der " Marshall Mathers LP " ist ihm ein Geniestreich gelungen der seinesgleichen sucht. Gleich der erste Track macht dem Hörer klar was Ihn erwartet: Fette Beats, virtuose Wortakrobatik und Texte die, egal ob sie einem nun abstoßen oder ansprechen, einem doch auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben. Mehr als nur ein simpler Nr. 1 Hit ist der folgende Track " Stan " . Eingeleitet von der melodisch traurigen Hookline gesungen von Dido, spielt Eminem zwei Rollen. Die ersten drei Strophen ist er ein verzweifelter, von Realitätsverlust gepeinigter schizophrener Fan seiner Selbst.. Schmerzhaft authentisch schreit er in der dritten Strophe Stans inneren Schmerz aus. Wem dieses kalt lässt, den lässt wohl alles kalt. Erst in der letzten Strophe spielt Eminem sich selbst. Ein beeidruckender Song. Der nächste Song " Who knew " zeichnet dann wieder das bekannte Image von Eminem. Er spielt den zynischen bad guy und hält doch nur der Gesellschaft den Spiegel vor." I`m sorry there must be a mixup, you want me to change my lyrics while our president gets his dick sucked?" lassen dem der englischen Sprache mächtigen Hörer zugleich schmunzeln und staunen. Gesellschaftskritik verpackt in bösen Lyrics. Ein beeindruckendes Zeugnis seines musikalischen Genius legt Eminem im nächsten Song ab. Untermalt von einem düsteren, barockähnlichen geheimnissvollen Cembalomotiv und einer prägnanten, aber nicht dominaten Baseline bringt Eminem einen unglaublich stark akzentuierten Rap. Es beeindruckt dass er es nicht nur schafft in diesem selbstauferlegten, starren Raster eine persönliche Freiheit zu finden, sondern auch dass er weder das Tempo noch die Intensität seiner Betonung im Laufe des Liedes verliert. Partymässig und zum abrocken ist dann die zweite Singleauskopplung " The Real Slim Shady ". Der Beat, der ironisch sarkastische Rapgesang und das Pianosample machen es dem Hörer schwer sich nicht für dieses Lied zu begeistern. Könnte ein Hip-Hop Evergreen werden! Die nächsten zwei Tracks sind dann eher wieder dürftigerer Natur. Weder innovativ, noch künstlerisch wertvoll haben sie nicht die Klasse die das restliche Album auszeichnet. Dagegen ist der elfte Track " Marshall Mathers " wieder ein Klassestück.. Mathers nachdenklicher Gesang untermalt von einem einprägsamen Gitarrenmotiv leitet über zum Rappart des Songs. Er erzählt die Geschichte seines momentane Lebens und die Probleme die der schnelle Erfolg mit sich brachte ohne dabei in Selbstmitleid aufzugehen. Eminem beweißt dass er nicht nur rappen, sondern auch singen kann ohne dass sich ein Qualitätsverlust einstellt. Vielleicht sind die Lyrics dieses Lieds das Fenster durch das der Hörer in sein Innenleben schauen kann. Herausragend ist auch der nächste Song " Drug Ballad ". Ein abwärtsgerichteter Melodieverlauf und ein Rap der sich in der Intensität zwar ständig steigert aber sich stets neu aufbaut ohne in einem Höhepunkt zu gipfeln. Dieser Effekt wird durch ständig auftretene Tonsequenzierungen noch verstärkt. Hierauf folgt dann wieder ein Partysong " Amityville ", der Bizarre von D 12 featured, und zwar simpel, aber effektiv rüberkommt. Selbiges gilt für den nächsten Song B***** PLEASE 2, der in einer einzigartigen Kollaboration die Künstler Dr. Der, Snoop Doggy Dog, Xzibit und Nate Dog auf einem Track vereint. Chilliger Partysound! Der umstrittenste Track ist der darauf folgende: " Kim". Musikalisch innovativ aufregend stellt sich hier die Frage wieweit Kunst gehen kann und ob es erlaubt sein sollte, dass ein Künstler darüber spricht wie er seine Frau umbringt. Paranoid beängstigend aber auch anziehend kann ich hier nicht zu einem abschließenden Urteil finden. Viele Kritiker sagen Eminems Musik sei einfach gute Rapmusik. Das ist falsch. Sie ist nicht nur komplex und genial, sondern muss einfach polarisieren. Dazu bietet sie einfach eine zu große Angriffsfläche. Trotzdem muss man Marshall Mathers musikalischen Genius trotz aller berechtigten Einwände anerkennen. MEISTERWERK!
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