Aus der Amazon.de-Redaktion
Eine Sammlung mit fünf CDs, die alle Werke für Klavier von Erik Satie enthält, bietet auf jeden Fall schon genügend Anlass zum Feiern. Bei diesem Set, das mit einem ausgeglichenen Maß von Heiterkeit, Dramatik und Kargheit von Jean-Pierre Armengaud präsentiert wird, gibt es eine ganz besondere Zugabe. Auf den ersten Blick ist das einhundert Seiten umfassende Begleitbuch nichts Besonderes -- eine Zeitleiste, Anmerkungen in drei Sprachen etc. Aber bei näherem Hinsehen entdeckt man, dass diese Begleittexte fantastisch sind, mit ganz besonderen Raritäten wie Saties eigener Standortbestimmung als "Phonometrographer", ein Komponist, dessen "wissenschaftliches Denken" den kreativen Schaffensprozess dominiert. Ebenso sind die von Satie selbst verfassten Kommentare zu vielen der hier aufgenommenen Stücke zu finden, Fundgruben an Weisheit und Vorstellungskraft, die auf der visuellen und sensorischen Bildersprache beruhen, die diesen Komponisten nicht nur in eine Reihe mit den französischen Dichtern des späten 19. Jahrhunderts stellen, sondern auch zu den impressionistischen Malern und den Visionären des Surrealismus Beziehungen knüpfen.
Armengaud, der ein Buch über Satie geschrieben hat, bringt bei der ersten CD alles wunderbar zur Entfaltung ("Famous Pieces") und ebenso bei der letzten ("Works For Piano Duet" mit Dominique Merlet). Der zweiten Platte "Humorous Pieces" verleiht er eine komisch-melodramatische Tendenz; hierzu gehören Kostbarkeiten wie "Floppy Preludes -- For A Dog" und "Sketches And Irritations Of A Fat Figurine", die alle vor lockerer Freude taumeln und beben und dennoch keineswegs harmlos sind. Die anderen Platten sind "Mystical Pieces" und die Krönung des Ganzen sind die "Surrealistic And Childish Pieces".
Saties Fähigkeit, Bewegung und Raum zu veranschaulichen, ist bei dem letzten Teil seiner Werke unerreicht, mit Simulationen und Einschüben von geistvoller Verspieltheit, die sich mit bizarren, an Ballettmusik erinnernden Episoden abwechseln, die alle von Armengauds Interpretationen profitieren. Sie sind gleichermaßen gefühlvoll und durchdacht. Kann man Satie beim Wort nehmen, wenn er Anmerkungen und Beschreibungen seiner Werke von sich gibt? Vielleicht, vielleicht aber auch nicht, denn er ist gleichzeitig und gleichwertig ein Surrealist, ein verspieltes Kind, ein philosophierender Wissenschaftler und ein eigenwilliger Dramatiker. --Andrew Bartlett