Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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35 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Oscar für das Oskarchen war mehr als berechtigt, 9. September 2005
Dass sich Grass' "Blechtrommel" verfilmen ließe, hätte ich durchaus bezweifelt, bevor ich den Film sah -- die Romanhandlung ist dermaßen vielschichtig und perspektivisch gebrochen, dazu die unendlich vielen Nebenhandlungen und -motive... und dann noch die Schwierigkeit, den geeigneten Hauptdarsteller zu finden. Schlöndorff hat nun die Romanhandlung "auf Linie" gebracht; wie man hört, unter tatkräftiger Mitarbeit von Günter Grass. Das Ergebnis ist frappierend. Viele Nebenhandlungen werden nur angedeutet, und im Gegensatz zum Roman endet der Film mit der Flucht aus Danzig. Eine kluge Entscheidung, finde zumindest ich, denn nicht nur hat mich der Romanteil, der im Nachkriegsdeutschland spielte, weniger überzeugt -- durch die Beschränkung aufs Wesentliche wird der Film zu einem in sich ruhenden Ganzen.Es geht um die Geschichte des kleinen Oskar Mazerath (David Bennent), 1924 in Danzig geboren. -- Das heißt, die Geschichte selbst beginnt viel früher, mit seiner Großmutter Anna Bronski (Bertha Drews) und der Zeugung seiner Mutter Agnes (Angela Winkler) -- oder noch früher, wer weiß. Die Anfänge sind in archaischen Bildern festgehalten. Agnes wird sich zeit ihres Lebens nicht zwischen zwei Männern entscheiden können: ihrem bodenständigen, "vernünftigen" und etwas lächerlichen Ehemann Alfred Mazerath (Mario Adorf) und ihrem schönen, charmanten und sensiblen Vetter Jan Bronski (Daniel Olbrychski); schon die Vaterschaft des kleinen Oskar wird nie geklärt werden. An seinem dritten Geburtstag beschließt Oskar, nicht mehr zu wachsen, und tarnt diesen Entschluss durch einen Sturz von der Treppe; damit ist den logischen Bedürfnissen der Erwachsenen Genüge getan. An jenem Geburtstag bekommt er, wie bei seiner Geburt prophezeit, seine erste Blechtrommel, die ihn fortan begleiten wird. Außerdem stellt sich bald heraus, dass er über eine besondere Gabe verfügt: Er kann Glas zerschreien, und diese Fähigkeit wird er immer wieder als Waffe, aber auch gelegentlich zu Liebeserklärungen und zur Unterhaltung einsetzen. Oskar wächst also im Danzig der 1920er und 1930er Jahre auf, man erlebt mit ihm das Aufkommen des Nationalsozialismus im unabhängigen Stadtstaat, schließlich den allseits bejubelten "Anschluss" ans Deutsche Reich und den Kampf um die Polnische Post in Danzig, den Zweiten Weltkrieg, den Einmarsch der Roten Armee und die Flucht. Oskar nimmt an der Geschichte teil, mal verweigernd, mal kommentierend, aber auch aktiv, als Mitglied von "Bebras Fronttheater" zur Unterhaltung der Wehrmacht. In die Geschichte integriert ist die Familiengeschichte der Mazeraths und der Bronskis, das lächerliche "Deutschtum" von Vater Mazerath ebenso wie Jan Bronskis Option für Polen (die Bronskis sind Kaschuben, und die sind, wie am Ende die Großmutter bemerkt, "nicht richtig deitsch und nicht polnisch genug"). Und außerhalb der großen Geschichte bestimmt Oskar die Geschicke der Familienmitglieder -- er "trommelt seine arme Mama ins Grab", führt seinen Onkel und mutmaßlichen Vater Jan Bronski in den Tod, indem er ihn an dem Tag in die Polnische Post zerrt, als die Wehrmacht in Danzig einmarschiert, schwängert womöglich Maria (Katharina Thalbach), die 16jährige Geliebte seines Vaters (auch bei diesem Kind, Kurtchen, kann man den Vater nicht bestimmen), zwingt beim Einmarsch der Russen seinen Vater dazu, sein Parteiabzeichen zu verschlucken -- mit tödlichem Ausgang. Oskar, nun 21 Jahre alt und Waise, beschließt, wieder zu wachsen. Am Ende verlässt Maria mit Kurtchen und Oskar die Stadt, zurück bleibt die archaisch-unerschütterliche Großmutter. Der Film zeigt diese Geschichte(n) in mehr oder weniger locker verbundenen Szenen, die Kamera nimmt oft ungewöhnliche Perspektiven ein, verweilt immer wieder auf scheinbar Nebensächlichem, und führt so zu unvergesslichen Bildern: Etwa wenn Oskar bei einer Parteikundgebung den Badenweiler Marsch in den Donauwalzer umpolt, oder in der berühmten Szene mit den Aalen (empfindsamen Gemütern sei's gesagt: Im Buch ist das noch viel ekliger), bei der Verteidigung der Polnischen Post und Jan Bronskis letztem Skatspiel, und vielen weiteren. Der Film lebt von solchen Szenen, und dabei bleibt stets der Zusammenhang erhalten; die effektvollen Bilder sind niemals Selbstzweck. Und diese Einzelszenen wiederum leben von der Klasse der Schauspieler -- allen voran natürlich der selbst kleinwüchsige David Bennent, dessen Oskar weniger boshaft und dafür anrührender als die literarische Vorlage wirkt, aber auch die anderen: Angela Winklers Darstellung der Agnes überzeugt von der ersten Szene an und gipfelt darin, wie sie sich verzweifelt mit Fischen vollstopft. Ebenso phantastisch sind Daniel Olbrychski als unwiderstehlicher Jan Bronski oder Charles Aznavour als Spielzeughändler Sigismund Markus oder Katharina Thalbach als Maria -- und alle anderen auch. In der "Blechtrommel" sind selbst die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt. Aber was einem erst nach mehrmaligem Sehen auffällt: Die wahre Hauptperson, die alles zusammenhält auf allen Ebenen, ist die kaschubische Großmutter. Wann immer sie in Erscheinung tritt, beherrscht und bestimmt sie alles, ohne direkt eingreifen zu müssen. Es liegt an der unglaublichen Präsenz Bertha Drews', dass dieser Film das ist, was er ist: Ein Meisterwerk!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar, 3. Mai 2007
Dieser Satz, wird wohl vielen, die das Buch gelesen haben noch bekannt vorkommen, und vielleicht auch einigen die forsch dem Film gelauscht haben.
Ich selbst kann einigen Vorrednern widersprechen.
Es ist egal, ob vorher Film, oder vorher Buch.
Egal welches Medium man sich zuerst zu Gute geführt hat, sollte man auf das andere neutral zugehen.
Ich persönlich habe den Film zuerst gesehen, eine Meisterleistung von Grass und vorallem Schlöndorff der den Film besser ungesetzt hat, als es irgendjemand anders auf dieser Welt hätte machen können.
Die Darsteller überzeugen zu 100% und die Sprache ist sehr gut gewählt, so, dass es möglich nahe an das Buch herankommt.
Nun gut, zum Film wollte ich nicht viel sagen, da das Meiste ja schon von Vorrednern gesagt wurde.
Mir geht es hier mehr um das "was zuerst?".
Also wie gesagt ich war vom Film beeindruckt und entschied mich wenige Tage darauf das Buch zu lesen.
Ich las einige Kritiken auf Amazon, wieder vollkommen falsche und flache Einschätzungen der Reszententen. Einige fanden das Buch zu schwer, sprachlich zu anspruchsvoll !?
Ich denke jeder der 4 Jahre die Schule besucht hat, versteht das Buch und kann dem Inhalt folgen.
Also ich las so einige negative Rezenssionen und irgendwie verging mir auch schon der Appetit, nachdem mir der Film sogut gefallen hatte, dachte ich, es kann nach diesen Reviews nur enttäuschend sein. Ich versuchte trotzdem neutral an das Buch heranzugehen, jedoch muss ich zugegeben, ich hatte echte Angst, das Buch könnte mir nicht gefallen.
ABER -->
So ist es nicht, das Buch ist flott und interessant, machmal auch traurig komisch und überzeugt (fast noch mehr) als der Film. Soviele Details im Film über die man richtig lachen oder aber auch weinen kann, kommen erst nach dem Lesen des Buches zum Vorschein, ich habe den Film nun mindestens neun mal gesehen und immer wieder identifiziere ich einige Passagen des Films mit denen des Buches, stelle Vergleiche auf, einfach köstlich.
Also was ich damit sagen will, es ist egal, was man zuerst sieht, Buch oder Film.
Sieht man den Film zuerst und man findet gefallen, wird einem auch das Buch gefallen, jedenfalls muss man sich danch nocheinmal den Film anschauen, um wirklich alle Zusammenhänge richtig verstehen zu können.
Dem Trompeter oder dem Gemüseändler von nebenan, wird im Buch keine besondere Rolle zugeteilt, im Buch füllt das Leben dieser aber Seiten, Seiten, die man nicht missen möchte.
Nun aber zum anderen Fall, liest man das Buch und findet gefallen, wird auch der Film gefallen. Es ist genau, wie man es sich vorgestellt hat, die Schauplätze sehr detailgetreu nachgebaut (Persil) die Schauspieler authentisch, einfach alles passt.
Also abschliessend kann gesagt werden, gefällt das eine Medium, gefällt auch das andere, egal, welches man zuerst konsumiert.
Gefällt einem das eine nicht, oder ist es zu anspruchsvoll, wird es sich so auch andersrum verhalten.
Ich hoffe ihr habt mein Gedankenwirrwarr entschlüsseln können.
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23 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wer das Buch nicht kennt sollte nicht urteilen !!!!, 28. Februar 2006
Ich habe das Buch gelesen , BEVOR ich den Film gesehen habe und ich würde dies auch allen anderen empfehlen , bevor sie den Film kritsieren. Denn es geht völlig ins Leere , dem Film vorzuwerfen , das die Figur Oskar nervig und penetrant sei!! Gerade darum geht es nämlich im Buch und somit auch im Film : Um einen nervigen , neunmalklugen , Glas zersingenden und anarchischen Quälgeist !! Was die "Pornoszenen" betrifft : Auch die hat sich nicht der Filmemacher ausgedacht ! Die stehen alle im Buch, sogar mehr als im Film ! Der Film soll "krank und verrückt" sein ? JA ! Genauso wie das Buch ! Oder ist es normal , dass ein Kind absichtlich das Wachsen einstellt und Glas zersingen kann ? Wer das Buch liest , wird gleich aufgeklärt. Im ersten Kapitel ( Zeit 50'er-Jahre ) sitzt Oskar in der Nervenanstalt (Klapse). Für mich ist die Verfilmung der Blechtrommel sehr gelungen aber nur in Verbindung mit dem Buch wirklich sinnvoll. Dies gilt im übrigen für jeden halbwegs anspruchsvollen Film.
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