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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Die Cowboys, leider nicht nur auf Rassepferden, 16. Juni 2009
Ach ja, dieser "World Music"-Hype, der vor allem Farbenfrohem auf die Knie fällt, auf dem das politisch korrekte Etikett "World Music" prangt... und dann dieser musikalische Querschläger, der vor nichts Ehrfurcht hat, dem kein musikalisches Weltkulturerbe heilig ist, der jedes Klischee durch den Kakao aus garantiert nicht ökologisch-nachhaltigem Anbau zieht: Die Leningrad Cowboys, die "schlechteste Band der Welt" mit Surfbrett-Frisur, die in ihren besten Momenten den Kronschatz von Pop und Rock plündern, dass sich dagegen eine Wodka-befeuerte Kosakenhorde beim Überfall vorgekommen wäre wie ein nonnenbehüteter Pensionatsausflug. Und kommentierte ich die Leningrad Cowboys nicht, als ich sie zum ersten Mal im Radio hörte, mit einem "Klingt wie ein paar besoffene Finnen", ohne zu ahnen, wie nahe ich damit der Wahrheit kam? (Mitlesende Finnen: Bitte nicht persönlich nehmen!)
Diesmal sind die Cowboys auf musikalischem Raubzug als Schrecken der Kontinente; man darf sich also auf was gefasst machen. Ein Raubzug, quer durch Reggae, russische Seele, Westcoast-Rock, Chanson, Orient, Balkan, Mariachi, Irland...
Natürlich enttäuscht dieses Album nicht, natürlich lassen's die schrägen Finnen krachen, natürlich zeigen sie in ihren besten Momenten, dass sie das Parodieren draufhaben und dass man nicht immer gleich ehrfurchtsvoll erstarren muss, nur weil's die vorgebliche gute Erziehung gebieten will. Aber "Terzo Mondo" zeigt leider auch recht deutlich, wo die Leningrad Cowboys an ihre musikalischen Grenzen stoßen.
Unschlagbar sind sie natürlich immer, wenn Sakke Järvenpää seine Version des russisch-akzentuierten Englisch zelebriert. Damit hat er schon längst erfolgreich alles gefleddert, was der Popmusik heilig ist, und das hat immer hingehauen, mit und notfalls auch ohne Aleksandrow-Armeechor.
Auf "Terzo Mondo" beweist er, dass auch musikalische Genres vor seiner Hohen Schule der Selbstparodie nicht sicher sind: Reggae ("Happy Being Miserable"), Russendisko aus den Weiten der Tundra ("Lumberjack Lady"), Mariachi ("Nolo Tengo"), irischer Folk mit einer Fiddel auf Speed ("Emerald Blues"), Westcoast-Rock incl. eingebautem Yankee Doodle und Jimi-Hendrix-Zitat ("Bumpersticker Rock") -- da legt er los, und nicht nur Järvenpää allein, sondern die ganze Band. Die beste Band der Welt sind sie zwar nicht, aber die schlechteste gewiss auch nicht.
In den besten Stücken kommen noch fiese und witzige Texte hinzu, oder auch der schiere Nonsense: Ayayayay, Viva Mexico, Tequila! So bändigt der echte Macho die zeternde Gattin! Olé! Und deutet beim "Happy Being Miserable"-Reggae nicht schon der Titel an, dass hier der Reggae-Fan auf seinen Humor getestet wird? Oder "I Hate You" -- da weiß der kultivierte Chanson-Freund, was ihm gleich blühen wird. Und gibt's noch einen, der immer noch der Mär von der tiefen russischen Seele anhängt? -- Bei "Lumberjack Lady" dreht der Kosak auf und tanzt den Pogo mit der Olga von der Wolga, zwischen zwei "Timber!"-Warnrufen beim Baumfällen.
Allerdings sind nicht alle Titel gleich gut. Klar doch, "Peter und der Wolf" zitiert nach Cowboy-Art, kann schonmal einen eher mäßigen Titel retten ("Mardi Gras Ska"), und wie sich der Cowboy-Finne mit starkem Hang zur Selbstparodie halt so den basarprallen Orient vorstellt, das hat Witz und garantiert wiederholtes Abspielen ("Abu Dhabi"). Aber dazwischen tummelt sich zuviel Zweite Liga; nichts Schlechtes, aber halt Sachen, die andere besser können, nur machen die weniger Bohau drum herum. Hier merkt man es dann, spätestens beim dritten Hören: Parodieren können die Leningrad Cowboys, und das ist eine hohe Kunst. Aber Parodierbares machen, also eigenständige Musik mit Wiedererkennungswert -- das haben sie nicht so recht drauf.
Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Einige Tracks auf "Mondo Terzo" sind Paradepferde des musikalischen Parodierens. Aber dazwischen zotteln zuviele Kutschpferde herum, als dass man von einem musikalischen Rassegestüt reden könnte. Da hatten die Leningrad Cowboys schon rassigere Mustangs unterm Sattel.
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Nunja, doch 4 Sterne. Wegen der Paradepferde.
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