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35 von 36 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Mysteriöse Kombination aus Spät-Western und Road-Movie, 9. Dezember 2002
Noch im Vorspann heißt es: "It is preferable not to travel with a dead man", und sofort beschleicht einen ein vages Gefühl der Beklemmung. Die Unsicherheit steigert sich gleich in der ersten Szene, einer Zugfahrt, die vom Osten der Vereinigten Staaten in den Westen führt, von der vermeintlich behüteten Zivilisation Clevelands in eine düstere Grenzland-Wildnis namens "Machine", einem Ort ohne Gesetze oder gesellschaftliche Strukturen, eine reine Anarchie, in der das Recht des Stärkeren gilt und wo der Tod allgegenwärtig scheint (Nicht zufällig erinnert diese Bahnfahrt an die Bootsfahrt Captain Willards in "Apocalypse Now", beide erweisen sich letztlich als Odyssee in den Horror). Der Buchhalter William Blake, der diese Reise unternimmt und nichts mit dem gleichnamigen englischen Poeten und Maler gemeinsam hat, gehört mit seinem großkarierten Anzug nicht hier hin. Verloren wirkt er in dem düsteren Ort, der so gar nichts gemein hat mit den Frontier-Western eines John Wayne mitsamt seinen strahlenden Wüstenlandschaften und seinem Helden-Epos. Es bleibt ihm nichts anderes übrig, als wenigstens etwas von dem Glamour des gleichnamigen Dichters und Malers zu übernehmen, indem er sich vorstellt mit den Worten "I am William Blake. Do you know my Poetry?".Langsam beginnt der Film, und immer langsamer wird er. Er schleppt sich dahin wie der gleich nach seiner Ankunft angeschossene William Blake auf der Flucht vor seinen Verfolgern. Als Großstadtmensch ist Blake, welcher partout nicht sterben will, völlig hilflos in der Wildnis, weiß weder, wo er ist, noch wie er überleben oder sich die Kugel entfernen soll, die in gefährlicher Nähe zu seinem Herzen eingedrungen ist. Hilfe bekommt der waidwunde Blake von einem Indianer, der Nobody heißt, aber deutliche Züge des Jedermanns trägt. Dieser entspricht ganz und gar nicht dem Klischee, das man gewöhnlich von Indianern hat. Lebte er doch eine Zeitlang in Europa, wo er sich nicht nur ein enormes Kulturwissen angelesen hat und auch den Namensvetter des Buchhalters schätzen lernte, sondern auch zum Sprachenkenner wurde, der im Verlauf des Films Blackfoot, Cree, Makah und Englisch spricht. Sehr zur Atmosphäre des Films trägt die Musik Neil Youngs bei. Er spielt Orgel und ein verstimmtes Klavier, manchmal auch akustische Gitarre, meist aber eine brachial verzerrte E-Gitarre. So gut passen die beiden Medien zusammen, dass letztlich unklar ist, ob die Bilder von der Musik oder die Musik von den Bildern inspiriert worden sind. Damit nimmt der Soundtrack eine völlig eigenständige Rolle ein. Er ist von seltener Intensität, geht unverschnörkelt von schweren Melodien über Rückkopplungs-Staffetten in absolute Stille über. Selten hat sich ein derart kongeniale Einheit gebildet wie die von Jarmusch und Young (und zwei Jahre später in dem großartigen Musikfilm "Year of the Horse" ihre Fortsetzung fand).
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