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Die meisten Aufnahmen der monumentalen Totenmesse Verdis kranken an der schlechten Ausführung der Chorpartie, die einen traurigen Gegensatz zum sängerischen Vermögen der oft hervorragenden Solisten darzustellen pflegt. Dies ist, neben den stimmlichen Unausgewogenheiten von Joan Sutherland, beispielsweise der hauptsächliche Mangel an Sir Georg Soltis furioser Einspielung von 1968 mit Talvela und Pavarotti. Wer das Chorproblem in idealer Weise umgehen will, der greift zu John Eliot Gardiners Aufnahme, bei der man sich jedoch mit einem weniger spektakulären Solistenquartett abfinden muss. Toscaninis Rundfunkproduktion ist ein glücklicher Kompromiss zwischen diesen Extremen, denn mit dem "Robert Shaw Chorale" konnte der Dirigent über ein ausgesprochen fähiges Ensemble verfügen, das trotz der schrankenlosen Dramatik, die Toscanini von den Musikern fordert, stets seinen sauberem, kultivierten Chorklang behält. Das hohe Niveau des Chors zeigt sich übrigens besonders auch auf der zweiten CD mit Verdis "Te Deum" und dem "Requiem in c-moll" von Luigi Cherubini.
Nachdem also der chorische Introitus am Anfang von Verdis Requiem nicht bloß erduldet werden muss, sondern genossen werden kann, hängt alles Weitere vom Solistenquartett ab, das sich gleich am Beginn des Kyrie nacheinander mit ausladenden Kantilenen vorstellt. Hier wächst die Zufriedenheit mit der Aufnahme: Das junge Quartett aus Cesare Siepi, Giuseppe die Stefano, Fedora Barbieri und Herva Nelli, alle um 1920 geboren und somit im besten Sängeralter, kann sofort durch große stimmliche Potenz und Gestaltungskraft überzeugen -- ein Eindruck, der mit wenigen Abstrichen während des ganzen Stücks bestehen bleibt. Cesare Siepi führt die volle Gewalt seiner mächtigen Bassstimme im "Confutatis" ins Feld; einziges Manko ist, dass sein Piano immer mit einer starken Abdunkelung der Vokale einhergeht. Giuseppe di Stefano, der große Tenorpartner von Maria Callas, konnte 1951 noch über den vollen Reichtum seiner schönen Stimme verfügen und brilliert fast ungetrübt im heiklen "Ingemisco". Das hemmungslose Forcieren, mit dem er sich später ruinieren sollte, ist allerdings hier und da schon deutlich wahrnehmbar. Auch die beiden weiblichen Solisten vermögen die Erwartung, die sie im Kyrie geweckt haben, fast durchgehend einzulösen. Alles in allem also eine hochwertige Einspielung, die durch Toscaninis exakte Vorstellungskraft und sein feuriges Temperament vom ersten bis zum letzten Augenblick spannungsgeladen und aufregend ist. --Michael Wersin
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