INTRO
Das Problem vieler Künstler ist ihr offensichtlicher Bezug auf einen Prototyp im jeweiligen Genre, eine Art Leitfigur, was ja als Anfangsstimulus sinnvoll sein kann - langfristig muß allerdings ein Loslösungsprozeß einsetzen, da sonst keine eigene Identität erwachsen kann. Als Gipfel aller Bezüge fungiert die klassische Coverversion: Referenz und (oft) Lähmung in einem. Denn es gilt: je größer der/die zu covernde Musiker/Band, desto sicherer geht die Ambition in die Hose. Es sei denn, man agiert von vornherein mit einem durchdachten Konzept, so wie es Atom Heart im letzten Jahr mit seinem Projekt LB gezeigt hat. Damals bearbeitete er diverse Lieblingstracks gestandener Künstler auf der Basis einer von ihm selbst geschriebenen Software. Für die Bearbeitung des so called “kompletten” Kraftwerk-Opus’ (a.k.a. repräsentativer Querschnitt) wählte er unter dem Alias Senor Cocnut nicht einen technischen, sondern einen ethnologischen Zugang: Indem er sich den bekannten Tracks mit Latino-Elementen nähert (ein Einfluß, der ganz klar auf seinen derzeitigen Wohnsitz Chile zurückgeht), stellt er der kalten, technisierten Kraftwerk-Welt die traditionell hüftorientierte Wärme Südamerikas entgegen. Ein Schachzug, der zumindest kurzfristig aufgeht - auf Dauer erlahmt jedoch seine Ambition, diese Welt zu erneuern. Wo das Ausgangsmaterial durch seine konsequente Konzeptionalität im Gesamtwerk wuchs, stellen sich bei der Bearbeitung Abnutzungserscheinungen ein. Der gleiche Witz, denn ernst genommen werden will dieses Unterfangen im Sinne eines kulturellen Austauches sicherlich nicht, nutzt sich ab. Damit soll an dieser Stelle genug gesagt sein, mehr zu diesem Thema gibt es auf Seite 35 in diesem Heft von Martin Büsser zu lesen.
Thomas Venker / Intro - Musik & so
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