Aus der Amazon.de-Redaktion
Weil es wie Sodom & Gomorrha auf der Welt zugeht, klingt auch ihr neues Album so, meint Nina Hagen. Das deutsche Stimmwunder kreischt, brüllt, johlt und jodelt, faucht und flüstert zu mächtigen Heavy-Metal-Attacken, mal Windsbraut, mal Racheengel oder göttliche Furie. Gnadenlos enthüllt sie ihren privaten Erfahrungskosmos und kehrt zwischendrin den Kobold raus.
Nach dem letzten Rockalbum Freud euch und zwei indischen Soloplatten hat sie drei Jahre an der Eigenproduktion Return Of The Mother gearbeitet, neben ihren amerikanischen Musikern frühere deutsche Weggefährten wie Reinhold Heil, Keith Forsey und Ingo Krauss mit einbezogen. Die musikalischen Elemente wirbeln so durcheinander wie die Song-Themen -- Punk und Chanson, Cosmic-Rock und Rap, Rumskrach und Sphärisches. Schon im Titelsong klotzt sie statt einer sanften Mutter ein selbstbewusstes Punk-Funk-Metal-Brett hin, intoniert danach kraftvoll weiblich den Zarah-Leander-Klassiker "Der Wind hat mir ein Lied erzählt", während sie deren "Yes Sir" wie eine Lederbraut hinrotzt. Auf "Höllenzug" und "Handgrenade" wettert sie gegen die AIDS-Pharmazie und beim Weltuntergangsspektakel "Schachmatt" will sie uns das Fürchten lehren. Beim UFO-Angriff "Frequenzkontrolle" mit Hawkwind-Anleihen ist auch Anke Engelke mit im All, doch am schönsten ist "Poetenclub", das überirdische Rap-Duett mit Falco zum Thema Seelenwanderung und Nudelsuppe. Macht Spaß, auch wenn sie nach dem teuflischen Gebräu zum Schluss wieder indischen Dankesgesang für ihre "himmlischen Eltern" anstimmt. --Ingeborg Schober
INTRO
Es ist nun wirklich ein Wunder geschehen, sie ist wieder da - the return of the mother. Erwartet oder nicht, was spielt das noch für eine Rolle? Gewaltig, laut, prachtvoll und bombastisch erscheint sie, eine zusammenfassende Vokabel gibt unser Wortschatz nicht her. She's just as great as she used to be, that fits. Unverändert bleibt Frau Hagens Neigung zur Sprachvermischung, unverändert auch ihr "Scheißegal" auf Stiltreue und musikalische Konformität. Alles hat Platz, alles darf sein, solange es von ihr kommt. Sie zeigt mit spitzem Finger auf die dunklen Stellen des Menschseins und hebt denselben mitunter betont moralisierend empor. Nina darf das, als erfahrene Mutter und künstlerische Revolutionärin. Auch ihren Rückzug auf die Einheit von Geist und Seele behält sie nicht für sich, sie teilt alles (mit) und zelebriert angemessen mit "He Shiva Shankara". Als Co-Produzent tritt niemand anders als der Spliff-Genialissimo und Freund aus alten Berliner Tagen, Reinhold Heil, auf den Plan. Drei Jahre Studioarbeit vergingen, in denen das perfekt eingespielte Hagen-Team ein gelungenes Comeback organisierte. Das Ergebnis ist schon überwältigend, und selbst an den vorzeitig abgesprungenen Seelenverwandten Falco hat sie gedacht und ihm eine besondere Nummer gewidmet. Fazit: Nichts ausgelassen, nichts unterlassen. Thank you, Nina.
Friedemann Bald / Intro - Musik & so
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