Aus der Amazon.de-Redaktion
Besser bekannt ist Stepan Wolpe für die prickelnden, avantgardistischen Schöpfungen seiner späteren Karriere in Amerika. In seiner Jugendzeit war er in den surrealistischen Kabarettkreisen von Berlin und Weimar umtriebig. Er versuchte damals, wie jeder zumindest einmal in dieser Zeit, Musik à la Weill, Eisler oder Hollander zu komponieren. Die beiden langen Werke der Aufnahme sind ein Vaudeville-Stück, in dem der Gott Zeus auf dem Potsdamer Platz eine Hure flachzulegen versucht und eine sketchartige Werkreihe, in der das bourgeoise Denken über Begrifflichkeiten wie Erkenntnis, Liebe und Patriotismus als korrupt abgeurteilt wird. Die Stücke sind aufgrund ihrer Anlage eher dramatisch als musikalisch greifbar. Gesprochenes Wort ersetzt Gesang, die Instrumentalbegleitung ist eher typisch für Zeit und Ort als an sich denkwürdig. Einige feinsinnige Kompositionen sind der Wiederbelebung durchaus wert, bestimmend ist eine Antikriegsstimmung wie in "Stimmen aus dem Massengrab". Diese CD bewahrt schmerzgeplagte Proteststücke und trifft besonders mit zwei kleinen Genrestücken den Geist der Zeit prägnant und brillant.
--Roz Kaveney