Aus der Amazon.de-Redaktion
Es gab viel Kritik in den vergangenen Jahren. Enttäuschte Fans monierten, dass sich Al Jarreau, der sich in den Siebzigern als wichtigster Jazz-Sänger nach Jon Hendricks und Jimmy Scott in die Szene eingeführt hatte, immer mehr zum Weichei im Radioformat entwickeln würde. Die mit Studioallerlei überfrachteten Alben der Neunziger hatten nicht mehr den Charme von
Glow, den Funk von
Breakin' Away oder die Verve von
Jarreau. Fast schien es, als wolle sich der Stimmakrobat und Entertainer aus Milwaukee, Wisconsin, auf seinen Lorbeeren ausruhen und jüngeren Kollegen wie Bobby McFerrin das Feld überlassen.
Doch kurz vor seinem 60. Geburtstag im März dieses Jahres meldet sich Al Jarreau mit dem neuen Album Tomorrow Today in alter Form zurück. Mit routinierten Kollegen wie dem Schlagzeuger Steve Gadd, dem Trompeter Rick Braun und dem Perkussionisten Paulinho Da Costa in der Band knüpft er sowohl an die souligen Siebziger als auch an die fusiongeprägten Achtziger an und reduziert den früheren Schmelz schmachtender Studiostreicher und Keyboardflächen auf ein erträgliches Maß atmosphärischer Akzente. Der Schwerpunkt liegt wieder auf den vokalen Kapriolen und den vielschichtigen Arrangements, die der markanten Stimme das passende Klangbett verschaffen. Jarreau tändelt und schwadroniert, gurgelt und tiriliert, scattet und jubiliert wie in den glorreichen Zeiten, als er seine Alben noch in Popdimensionen verkaufte. So hat Tomorrow Today gute Chancen, dem nie ganz verschwundenen Vokalstar zu einem verdienten Comeback zu verhelfen. Und all die verstimmten Bewunderer wieder zu versöhnen. --Ralf Dombrowski