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"...yamaon..." deklamiert priesterlich-prophetisch eine energische Baß-Baritonstimme (R. Hermann). Martialisch hervorgestoßene Silben folgen. Forderungen in einer fantastischen Ursprache klingen im Raum, zunächst hektisch, dann immer stärker werdend, panisch, eine wilde Jagd rauscht peitschenknallend über Tempel und Paläste. Kultische Vision und tatsächliche Zerstörung gehen in einander über. Die in den 50er Jahren entstandene Komposition gehört zu den wildesten Werken des römischen Komponisten und Schriftstellers Giacinto Scelsi (1905-1988), der damals aufhörte, sich an der Zwölftontechnik und dem Werk Alexander Scriabins zu orientieren, und nach eingehender Beschäftigung mit fernöstlicher Philosophie sich weniger auf Rhythmus, vielmehr auf Klang und Ton spezialisierte.
Einer östlichen Liebesgöttin widmet Scelsi mit Anahit (1965) ein "Lyrisches Poem über den Namen der Venus". Formal könnte es ein Violinkonzert sein, aber es ist ganz anders: 18 Soloviolinen entfalten eine rätselhafte Schönheit.Flirrender Gesang von Vögeln, schwüldrückende Hitze, der lockende Zauber geflügelter Sirenen vom Felsen... Bilder dieser Art drängen sich den Zuhörenden unwillkürlich auf und hinterlassen eine Stimmung von sinnlicher Meditation.
Die dreisätzige Bläserkomposition I Presagi (Prophezeiungen) läßt mit Windmaschinen, Pauken und Trompeten wiederum eine Maya-Stadt untergehen: ein Jüngstes Gericht in neuarchaischem Gewande, so wie es Scelsi nach den Erfahrungen des Weltkrieges nicht mehr losließ. Mit Okanagon, dem "Herzschlag der Erde", einem Baß-Harfen-Tamtam-Trio, finden die rituelle Klänge der CD im Sinne eines japanischen Hofzeremoniells ihren rätselhaften Abschluß.
In edler Ausstattung mit Deutungsversuchen des Dirigenten Heinz Zender präsentiert sich die jüngste Zusammenstellung von KAIROS. Das Klangforum Wien, spezialisiert auf zeitgenössische Kompositionen hohen Ranges, zeigt auch in dieser Einspielung starke Ausdruckskraft neben exyperimenteller Freude bei hoher Präzision. Die Freunde archaisch-ritueller Gegenwartsmusik sollten sich diese Scelsi-Einspielung nicht entgehen lassen. --Mara Nottelmann-Feil