Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die CD dokumentiert die Kontinuität der Parsifal-Tradition, 8. September 2000
Die ersten Parsifal-Aufnahmen überhaupt, von Hertz mit den Berliner Philharmonikern 1913, demonstrieren Erstaunliches: breiteste Tempi und nahezu manirierte Phrasierung, dabei gute Klangqualität für akustische Aufnahmen. Überwältigend die Bayreuther und Berliner Aufnahmen von Karl Muck, dem Gralshüter vor Knappertsbusch: Tempi und Details scheinen sich von 1927 über 1951 bis hin zu Karajans Deutung von 1981 erhalten zu haben, de Stimmen klingen fast belkantistisch und unschwülstig. Ein besonderer Genuß ist der Karfreitagszauber, in Bayreuth mit Kipnis unter Siegfried Wagner aufgenommen. Klar und transparent ist diese Deutung, das Dirigat geht ganz natürlichem im eigenen Pathos der Partitur auf. Schade, daß von Siegfried Wagner insgesamt nur wenige Aufnahmen vorliegen - Gustav Mahlers damalige Hochschätzung erstaunt nicht, wenn man diese (vorzüglich aufbereiteten) Aufnahmen hört.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Beeindruckende, emotional geladene Interpretation, 19. Mai 2007
The Complete Karl Muck Parsifal Recordings (Naxos 2 CDs 8.110049-50, veröffentlicht 1999, Gesamtspielzeit 158 Minuten).
Da diese Doppel-CD sicher nicht nur Wagner-Fans, sondern auch Sammler seltener und besonders wertvoller Aufnahmen interessieren wird, möchte ich erst einmal genau aufzählen, was es hier zu hören gibt.
CD1: Tr. 1 bis 4: Orchester-Suite aus Parsifal (Vorspiel zum Ersten Akt, Verwandlungsmusik aus dem Ersten Akt, Verwandlungsmusik aus dem Dritten Akt, Karfreitagszauber). Berliner Philharmoniker, Ltg. Alfred Hertz. Aufgenommen im September 1913 in Berlin. (Grammophon 040792/9).
Tr. 5: Vorspiel zum Ersten Akt. Orchester der Berliner Staatsoper, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im Dezember 1927 in der Berliner Singakademie. (His Master's Voice HMV D 1400/01).
Tr. 7 bis 9: Die Gralsszene aus dem Ersten Akt, jedoch ohne Titurel oder Amfortas. Chor der Bayreuther Festspiele (Einstudierung: Hugo Rüdel), Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2007/10).
CD2: Tr. 1: Die Blumenmädchen-Szene aus dem Zweiten Akt, jedoch ohne Parsifal. Anny Helm, Ingeborg Holmgren, Maria Nezadal, Minnie Ruske-Leopold, Hilde Sinnek, Sopran; Charlotte Müller, Alt; Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2011).
Tr. 2 bis 9: Auszüge aus dem Dritten Akt, einschl. "Karfreitagszauber" und Verwandlungsmusik. Gotthelf Pistor, Tenor (Parsifal); Ludwig Hofmann, Bass (Gurnemanz); Cornelius Bronsgeest, Bariton (Amfortas); Chor der Berliner Staatsoper (Einstudierung: Hugo Rüdel); Orchester der Berliner Staatsoper, Ltg. Karl Muck. Aufgenommen im Oktober 1928 in der Singakademie Berlin. (His Master's Voice HMV D 1538/44).
Tr. 10: "So ward es uns verhiessen" (Karfreitagszauber) aus dem Dritten Akt. Fritz Wolff, Tenor (Parsifal); Alexander Kipnis, Bass (Gurnemanz). Orchester der Bayreuther Festspiele, Ltg. Siegfried Wagner. Aufgenommen m August 1927 im Festspielhaus Bayreuth. (Columbia L 2013/4).
Alle Aufnahmen wurden durch Mark Obert-Thorn von zeitgenössischen Schellack-Platten digital überspielt und mit dem Softwaremodul CEDAR-2 bearbeitet.
Das 16seitige Beiheft ist ausschließlich in englischer Sprache abgefasst und enthält: 1) eine ausführliche Trackliste mit genauen Aufnahmedaten und Matrix-Nummern; 2)einen Aufsatz von Alan Sanders, in dem die Umstände der hier wieder gegebenen Aufnahmen erörtert werden; 3) eine ausführliche Inhaltsangabe zu "Parsifal" von Keith Anderson; 4) biographische Angaben zu den wichtigsten hier zu hörenden Künstlern (Muck/Hertz/Pistor/Hofmann/Bronsgeest/Kipnis); 5) einen Aufsatz zur Aufnahmetechnik und zur technischen Aufbereitung von Mark Obert-Thorn.
Die ersten 37 Minuten der ersten CD enthalten eine Orchestersuite, die im Jahr 1913 mit dem akustischen Verfahren eingespielt wurde: rund 30 Mitglieder der Berliner Philharmoniker quetschten sich in ein Studio und spielten, dicht zusammengedrängt, um ein großes Horn, mit dem man hoffte, die Musik möglichst naturgetreu einzufangen. Das Ergebnis wurde - noch vor dem Ersten Weltkrieg! - auf Schellackplatten gepresst, deren Qualität jedoch einiges zu wünschen übrig ließ (Obert-Thorn weist darauf hin, dass die Platten beim Herstellungsverfahren Blasen warfen, die beim Abspielen verhältnismäßig laute Nebengeräusche verursachen, die auch nicht mit CEDAR-2 wegzubekommen waren). Insofern sind diese 1913er Aufnahmen hauptsächlich von historischem Interesse: Schließlich sind sie erst 31 Jahre nach der Uraufführung Parsifals entstanden und zeigen den interpretativen Stand der ersten Generation nach Wagner selbst. Alfred Hertz (1872 - 1942) leitete 1903 eine von der Wagner-Sippe nicht genehmigte Aufführung von Parsifal an der New Yorker Met und wurde danach zum Verfolgten: die Wagners bewirkten, dass er nicht mehr in Deutschland arbeiten konnte, doch konnte er Engagements in den USA finden, wo er sein Leben auch beendete. 1913 war das Urheberrecht auf Parsifal abgelaufen, und die Grammophon-Gesellschaft lud ihn ein, die Orchestersuite mit den Berliner Philharmonikern einzuspielen. Langsam und sehr gemessen fällt seine Interpretation aus; Details sind kaum hörbar, da sowohl das Aufnahmeverfahren wie auch die Qualität der Pressungen die Musik eher erahnen als wirklich genießen lassen - nur die Blasinstrumente kommen einigermaßen deutlich 'rüber.
Nach der Erfindung des elektrischen Aufnahmeverfahrens mit Mikrophonen entstand ein Konkurrenzkampf zwischen den beiden großen britischen Plattenfirmen His Master's Voice und Columbia. Wer würde als erster im berühmten Festspielhaus Bayreuth aufnehmen dürfen? Dort war Karl Muck schon seit 1902 tätig, hatte also schon ein Vierteljahrhundert mit Parsifal Erfahrungen gesammelt. Als die Wagners für viel Geld der Columbia das Recht einräumten, in Bayreuth aufzunehmen, wurde Muck gegen eine weitere horrende Gebühr engagiert - was dazu führte, dass die Columbia die Gralsszene und die Blumenmädchenszene ohne Solisten aufnahmen, weil sie sich angeblich die zusätzlichen Künstlergagen nicht mehr leisten konnte. Und beim Karfreitagszauber kam es zum Eklat: Muck weigerte sich, das Stück schellackgerecht in drei Stücke einzuteilen und wurde kurzerhand von Siegfried Wagner, dem Sohn des Komponisten, am Pult ersetzt. Mark Obert-Thorn weist darauf hin, dass diese Columbia-Aufnahmen auch schon damals nicht auf dem neuesten technischen Stand waren, doch gegenüber den Hertz-Aufnahmen von 1913 sind riesige Fortschritte sofort bemerkbar: Der Klang ist sehr viel fülliger, die Nebengeräusche schwinden auf ein Minimum. Wer allerdings über Kopfhörer hineinhört, wird sofort merken, dass die Chorszenen der Gralsszene mit vielen Verzerrungen behaftet sind. Am besten gelungen scheint tatsächlich der Karfreitagszauber unter Siegfried Wagner, wo Fritz Wolff und vor allem Alexander Kipnis glänzen.
His Master's Voice musste zurückschlagen, also wurde Karl Muck ebenfalls für Parsifal-Aufnahmen engagiert, diesmal allerdings in Berlin. Zunächst wurde das Vorspiel zum Ersten Akt aufgenommen, das unter Muck noch langsamer, noch getragener ausfällt als unter Hertz: ganze 15'50"! Diese HMV-Aufnahme ist vom Klang her deutlich besser als die wenige Monate zuvor eingespielten Columbia-Aufnahmen, und das hat wohl dazu geführt, dass man übereinkam, im folgenden Oktober fast den gesamten Dritten Akt aufzunehmen. Diesmal verweigerte Muck nicht die Zusammenarbeit beim Karfreitagszauber, und er brachte hervorragende Wagner-Solisten mit: Gotthelf Pistor, Ludwig Hofmann und den Niederländer Cornelius Bronsgeest. Diese HMV-Aufnahmen des Dritten Akts (insgesamt rund 65 Minuten) sind das Sahnehäubchen dieser CD-Box. Der Klang ist für damalige Verhältnisse (die man selbstverständlich nicht mit späteren vergleichen darf, es klingt immer noch wie Mittelwellenfunk!) wirklich gut, und das eingespielte Team liefert eine höchst beeindruckende, emotional geladene Interpretation ab, die den Teilnehmenden zur Ehre gereicht.
Sicher, Wagner ist Geschmackssache, und der Kult, der in Bayreuth getrieben wurde und wird, nicht jedermanns Ding. Aber diese Aufnahmen sind fantastische Zeugnisse des deutschen Kulturlebens in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und dürften sich daher von selbst empfehlen.
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