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5.0 von 5 Sternen
Rudolf Mauersbergers Meisterwerk, 9. März 2008
Rudolf Mauersberger (1889-1971) entstammt der traditionsreichen sächsischen Musiklandschaft. Nach der Ausbildung am Leipziger Konservatorium wirkte er als Kantor in Lyck, Aachen und Einsenach, dort zugleich als Landeskirchenmusikwart von Thüringen. Von 1930 bis zu seinem Tode war er Dresdner Kreuzkantor. Rudolf Mauersberger gilt als einer der wichtigsten deutschen Musiker im 20. Jahrhundert.
Mauersberger, der in jungen Jahren vorwiegend Instrumentalwerke geschrieben hatte und 1914 mit dem Nikischprice für Komposition ausgezeichnet worden war, komponierte seit 1919 ausschließlich Vokalmusik.
Die Zerstörung Dresdens in der Bombennacht des 13. Februar 1945 hatte in Rudolf Mauesberger starke schöpferische Impulse ausgelöst. Mit der Trauermotette "Wie liegt die Stadt so wüst", dem ersten Stück des "Chorzyklus' Dresden" (Uraufführung am 4. August 1945 in den Ruinen der Kreuzkirche) hat Mauersberger das Schicksal Dresdens immer wieder neu thematisiert und in einer Reihe von Werken bis weit in die 1950er Jahre hinein biblische und zeitgenössische Text ausgegriffen. Zur erstgenannten Gruppe gehört das "Dresner Requiem", für dessen Text der Komponist allerdings ursprünglich erwogen hatte, Dichtungen Reinhold Schneiders, Werner Bergengruens uns anderen Autoren heranzuziehen. Dieses Werk, 1947/1948 entstanden und mehrfach - letztmalig 1961 - modifiziert und ergänzt, ist in seiner liturgischen Anlage - nach Mauersberger - eine "evangelische Totenmesse, wie sie die protestantische Kirche noch nicht besitzt."
Das Requiem ist dreichörig und in seinem Kern a cappella konzipiert. Das großen besetzten Hauptchor auf der Chor-bzw. Orgelempore sind an exponierten Stellen Soloinstrumente (Blechbläzer, Schlagwerk, Kontrabässe, Celesta und Orgel) zugeordnet; die Knabensoli hat Mauersberger für den damaligen Knabenhalt Peter Schreier komponiert. Der zweite Chor, der Altarchor, für den Mauersberger Kurrendetracht in liturgischen Farben und begleitende Kerzenknaben vorsieht, symbolisiert Jesus Christus; dementsprechend sind im Dies irae dieser Chorgruppe die Evangelienworte zugeordnet. Der dritte, ferngestellte Chor verkörpert die Welt der Verstorbenen.
Die mit den Rollenspiel der drei Gruppen entstehende Mehrchörigkeit gewinnt im Verlauf des "Requiem" einer klangästhetischen Eigenwert, wie denn überhaupt durch den sparsamen Einsatz der Instrumente und den Wechsel einzelner Chorgruppen und Solostimmen erschütternde Wirkungen erzielt werden. Überhaupt läßt sich mit dem Begriff der Symbolvielfalt, die auch den Glockenklang einschließt, das "Dredner Requiem" vielleicht am besten charakterisieren, das aus tiefer Gottesehrfurcht im Gedanken an die Toten des Zweiten Weltkriegs und - nicht zuletzt auch - der Bombardierung Dresdens geschrieben wurde.
Rudolf Mauersbergers Requiem ist ein Meisterwerk des 20. Jahrhundert. Die Struktur des Requiems ist von einer persönlichen Intensität geprägt, universell in seiner folgerichtigen kriegsgegnerischen Botschaft. Das "Dredner Requiem" hat seinen Platz neben den "War Requiem" Op. 66 von Benjamin Britten (Zum Beispiel: Galina Wischniewskaja, Dietrich Fischer-Dieskau, Peter Pears, London Symphony Orchestra, Benjamin Britten, Dir. ; Decca Universal, 1999 - ASIN B0000041Q5) und den "Requiem" Op. 72 von Dmitrij Kabalewskij (Valentina Levko, Wladimir Valaitis, The Choir of the Artistic Education Institute, Moscow Symphony Orchestra, Dmitrij Kabalawskij, Dir. ; Olympia, 1992 - ASIN B000003W5L).
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