Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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48 von 50 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Nicht nur in der Karwoche zu hören:, 22. April 2001
Von Ein Kunde
„Tenebrae" bedeutet Dunkelheit - und auf dieser CD sind die Responsorien, die nächtlichen Stundengebete, der Karwoche versammelt. Während sie erklangen, wurden im nächtlichen Gottesdienst nach und nach alle Kerzen gelöscht, bis nur noch eine - die Osterkerze - brannte. Carlo Gesualdo, dessen prägende Lebensmomente Wolfgang Hildesheimer in seinem Roman „Tynset" Revue passieren läßt (er ist im Begleitheft zitiert), kannte die Gesten des Schmerzes, des Leidens, der Verzweiflung wie kein anderer; er tötete seine Frau, die er mit einem Liebhaber ertappt hatte, und ihr gemeinsames Kind, das gerade zwei Jahre alt war - und über diese Taten wurde er seines Lebens nicht mehr froh... Das Hilliard Ensemble interpretiert Gesualdo zweifelsohne auf höchstem Niveau (die CD erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik); einzig die gefühlsmäßige Zurücknahme dieser Musik, die den äußersten Schmerz verinnerlicht hat, könnte man ihnen zuweilen anlasten: sie musizieren wie immer: fehlerfrei, durchweg nobel, ohne Brüche. Aber auch in dieser bisweilen distanziert anmutenden Rückschau wird deutlich, was Gesualdo ausdrücken wollte - der grenzenlose, alles überwallende Schmerz, abwechselnd mit stiller Einkehr, Erinnerung, Verzeiflung. Das ausführliche Begleitheft gibt Denkansätze zum heutigen Verständnis mit auf den Weg. Um es - hoffnungsfroher - mit Loriot zu sagen: Dieses Werk sollte in keinem Tonträgerschrank fehlen. Es erleuchtet einen Punkt der Musikgeschichte, der zu Unrecht nach wie vor im Dunkel liegt, fernab von Karajan-Hitparadensound und dem Salm der drei hohen Sänger.
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ganz tief eingetaucht..., 5. Oktober 2006
... in die Gefühlswelt von Gesualdo ist hier das Hilliard Ensemble. Gesualdo war wie kein anderer Komponist seiner Zeit innerlich zerrissen und scheint oft am Rande des Wahnsinns balanciert zu sein - die Geschichte, er habe voller Eifersucht seine Frau und sein Kind getötet, dürfte bekannt sein. Wie wahr sie ist, sei dahingestellt, es würde aber viel von Gesualdos Musik erklären, die sich doch sehr von der anderer Komponisten seiner Zeit abhebt. Auf dieser CD sind die Responsorien, Stundengebete zur Karwoche, versammelt. Das Hilliard Ensemble interpretiert Gesualdos Stücke kongenial und bringt den stillen, enormen Schmerz, der hinter der Musik steht, wunderbar zur Geltung. Dabei sind die Responsorien eigentlich nicht "traurig" im engeren Sinne, aber die tiefe Emotitionalität und Traurigkeit des Komponisten leuchten durch. Man kann dieser sehr meditativen Musik wirklich stundenlang zuhören, ohne gelangweilt zu sein. Wer Gesualdo bislang nur aus den Madrigalen kennt - auch sehr hörenswert - sollte hier zugreifen. Er wird eine weitere interessante Facette eines großartigen Künstlers kennenlernen, die von einem ebenso großartigen Ensemble präsentiert wird.
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