INTRO
Das muß man mir bei Gelegenheit mal unbedingt erklären: Warum jeder dahergelaufene britische lad meint, den Stein der Songschreiber-Weisen gefunden zu haben. Warum er dann Bands gründet. Warum er nicht einfach im nachbarlichen Pub-Dunstkreis vor sich hin muckert. Jeder meint können zu wollen und müssen zu dürfen. Dabei sind OCEAN COLOUR SCENE doch wirklich schon lange genug dabei, um vielleicht mal den Blick aufs Machbare zu lenken und sich selbst aus der Distanz einzuschätzen. Jungs, ihr seid einfach ... nicht gut. Irgendwie okaye, kompetente Handwerker schon. Vielleicht sogar echt in Ordnung. Toll auch, daß ihr damals olle PAUL WELLER als Backingband gedient habt. Wenn ich mich recht erinnere, habt ihr euch in dem Zusammenhang sogar Oberlippenbärte wachsen lassen, aus lauter stylingtechnischer Solidarität zu WELLER, der damals bekannterweise herumlief, als würde er jeden Abend auf der Kreidler Florett ins Nachbardorf knattern, um mal die dortigen Hühner anzutesten. Den Prollorden am Bande dafür. Der hilft euch heute aber nicht mehr. Von mittelmäßiger, ambitionierter Rockmusik gibt es nun wirklich überreichlich - wenn dann in dreizehn Titeln zwar hie und da ein kleines bißchen Idee steckt, aber nie ein Song daraus wird, wenn außerdem so hemmungslos pathetisch herumgemediokert wird, daß man meint, HELMUT ZERLETT & BAND würden jetzt "was Eigenes" machen, dann ist mir völlig schnurz, welche Meriten mal verdient wurden. Alles natürlich schön feist produziert und natürlich hoch in den heimatlichen Charts. Zu Tode arrangiert habt ihr "Marchin' Already" auch noch, und immer an den ganz falschen Stellen geklaut. Ich mag hier etwas übertreiben (mit "All Up" ist schließlich ein simpler, mehr als brauchbarer Titel enthalten - der bezeichnenderweise ein Instrumental ist), aber ein Alb von Assoziationskette hat mir in der Tat das endgültige Grauen beschert, das in seiner Unglaublichkeit seinesgleichen sucht: BOWIE und BOLAN (so weit, so gut) werden abgelöst durch (bitte festhalten!) CHRIS DE BURGH, MOODY BLUES, WET WET WET, die WINGS und CAT STEVENS in der Rocky Horror Picture Show. Der Höhepunkt wird erreicht, wenn MEAT LOAF und SARAH BRIGHTMAN zum Duett anheben. Ich schwöre, genau so hört sich das an - dürfte allerdings aller Voraussicht nach als Britpop vermarktet werden. Knietief schamlos. Warum wird so was eigentlich vereinzelt "R&B" genannt? Zum Heulen. Zum Kotzen. Bitte weghören.
Rembert Stiewe / © Intro - Musik & so
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Die vier Briten aus der "Ozean-Szene" reiten ihre eigene Independent-Pop-Welle: Rockig-spröde brandet "Hundred Mile High City", soft gischtet "Besides Yourself", und das Duett "It's A Beautiful Thing" säuselt so sanft, daß es den Zuhörer unwillkürlich verzaubert. Die "Debris Road" kanalisierten die Jungs entschlossen in Richtung Sixties-Sound, und "Better Day" flutet das Herz so unbeschwert wie das Flower-Power-Stück "Spark And Cindy". Ein abwechslungsreiches Programm, das dennoch nicht gehetzt wirkt. ** Musik.: 03-04
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