Aus der Amazon.de-Redaktion
Wenn Wehmut im novembertrüben Berlin einen Klang hat, dann wabert er wie kalter, schwerer Rauch über den Liedern von "Element of Crime". Fein beobachtete Minidramen, in denen selten Dramatisches passiert, denn der Lyriker und Sänger Sven Regener ist stets nur so weit Gefühlsmensch, wie es sein Verstand gestattet. Zwischen pure Emotionen und seine verletzliche Seele stellt Regener immer wieder (Nach-)Erzählungen, in denen die Schmerzen zwar verheilt, die Wunden aber unauslöschbar sind: "Ein langes Haar und ein Abdruck im Kissen sind alles was blieb, um zu beweisen, daß es dich gibt..."
Getragen werden solche Zeilen von einer Band, die sich darauf versteht, Atmosphären zu verfremden, die sie im Augenblick zuvor erst kreiert hat, was den Liedern eine einzigartige Vielschichtigkeit verleiht. Gitarrist Jakob Friederichs legt einen silbergrauen Schleier auf angenehm grobe Chansons, die sich der stoischen Energie der Velvet Underground "Ich war nicht dabei" ebenso bedienen wie sie sich in Dreivierteltakten wiegen "Kavallerie". Während vorherige Alben die Grenzen klanglicher Opulenz getestet haben, wirkt Psycho angenehm entschlackt, ohne sich der Herzensschwere eines ganzen Lebens zu entledigen. --Björn Döring
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