Aus der Amazon.de-Redaktion
Diese Rocker aus Südkalifornien haben erkannt, was sie am besten können. Vorbei sind die Unruhe stiftenden Lärmgelage, die an einen etwas gepflegteren Rage Against the Machine und an Stooges in ihrer mittleren Schaffensphase erinnern. Diese weißen Flecken werden durch unbeschwerte Weisen wie "Even Though" und "Falls Apart" ausgefüllt, die den Schwung von Gitarrenmusik der Karibik ausstrahlen und Harmonien fast im Stil der Beatles vorweisen. Auf dem 1997 erschienenen
Floored war die unbekümmerte Spielweise bei "Fly" die Ausnahme; bei
14:59 ist sie die Regel. Sugar Ray haben sich gereinigt, keimfrei gemacht und sind zivilisiert geworden, was für die Zugänglichkeit und für Erfolg bei Radiosendern gar nicht so schlecht sein mag. Einige Fans werden jedoch die unerbittlichen Orgien der schreienden Menschenverächter von einst vermissen. Und selbst der Einsatz des old-school Rappers KRS-One bei "Live & Direct" ist kein Ersatz für Sugar Rays Verlust der Unschuld -- obwohl ihre glanzvolle Version von Steve Millers "Abracadabra" Sympathien verschafft. Man muß ihnen noch aus einem anderen Grund mildernde Umstände zugestehen: Sie haben noch nicht ihren Sinn für Humor verloren und synchronisierten das Album
14:59 als Huldigung an Andy Warhols 15 flüchtige Minuten des Ruhms. Es wäre jedoch ein Irrtum, daraus zu schließen, daß Sugar Rays Zeit abgelaufen ist.
--Jaan Uhelszki