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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Stück Musikgeschichte, 28. November 2007
"So here I am once more, in the playground of the broken hearts."
Der Beginn einer legendären Band im Bereich des Neo-Prog. Schon von den ersten Takten ist klar, dass diese Band etwas Besonderes ist. Von dem geflüsterten ersten Satz bis hin zum letzten Ton von FORGOTTEN SONS, beweisen MARILLION, dass sie tatsächlich die legitimen Nachfolger großer Bands aus dem Bereich der progressiven Musik sind, wie etwa GENESIS zu Zeiten von PETER GABRIEL. Aber Parallelen und musikalische Anknüpfungspunkte bedeuten nicht automatisch, dass es sich hier um dieselbe Art des Musikmachens geht. Vielmehr kann man MARILLION anmerken, dass die Art von GENESIS aber auch den anderen britischen Prog-Urgesteinen wie YES einen Eindruck darauf hatte, wie die Band selber Musik macht.
Getragen wird die Musik von den sphärisch-elegischen Keyboards von MARK KELLY, den lyrisch-verträumten Gitarren eines STEVE ROTHERY, dem akzentuierten, präzisen und stets melodischen Bass-Spiel von PETE TREWAVAS über den sehr zurückhaltenden Drums von MICK POINTER (heute ARENA). Darüber thront die Stimme von DEREK DICK alias FISH, der zu den ausdrucksstärksten und emotionalsten Sängern des Genres gehört. Auch von seiner sehr extrovertierten und farbenfrohen Art ähnelt er dem GENESIS-Ursänger PETER GABRIEL.
Und auch die Lyrics erinnern in ihrer phantasievollen Art an die frühen GENESIS. Die Texte erschließen sich häufig nicht offensichtlich, und bieten damit für jeden Hörer individuelle Möglichkeiten der Interpretation. Die Themen bedienen die gesamte Palette der menschlichen Emotionen - von Selbstzweifeln, Entfremdung, Herzschmerz aber auch den Folgen des Drogenmissbrauchs, die Probleme eines Soldaten (auf der einen Seite als Person als auf der anderen Seite auch des Befehlsempfängers) und eine augenzwinkernde Betrachtung des Standeswesens.
Die Musik ist nicht progressiv im Sinne von allzu komplexen Rhythmen und vertrackten Metren, auch die einzelnen Instrumentalisten legen in ihren Soli keinen Wert auf technische Kabinettstückchen, sondern sind immer songdienlich. Bei MARILLION steht stets der Song im Vordergrund, dem alles untergeordnet wird. Darüber geht aber nie die Spielfreude verloren, es ist in diesem Rahmen aber auch Platz für schöne, manchmal auch gedankenverlorene Soli und minutenlange rein instrumentale Passagen.
Produzent NICK TAUBER und Mixer SIMON HANHART verschafften MARILLION schon 1983 einen wunderbaren warmen und erdigen Sound, der hervorragend zu den instrumentalen Eigenschaften der Musiker passt und dem Ganzen dadurch zu einem wohlig-warmen Gefühl der Intimität beim Zuhören führt.
Den Namen borgten" sich MARILLION von Fantasy-Autor JRR TOLKIEN (Herr der Ringe) und dessen Buch THE SILMARILLION, das die Vorgeschichte zu THE LORD OF THE RINGS bildet. Auch hier könnte man was die Ideenvielfalt, lyrische Ausdruckskraft, Detail-Verliebtheit, epischer Breite, Humor und Freude Parallelen feststellen.
Auch im Artwork für das Album (von Mark Wilkinson) wird schon eine Konstante für die folgenden Alben gelegt: der traurige Narr (JESTER), den FISH live oft auch selbst darstellte mit Make-up und Verkleidung. Aber die Farben seines Kostüms verblassen bereits, so dass eher eine düstere Figur zurückbleibt, was auch eher zu der düsteren Stimmung vieler Songs passt.
Wer sich auf MARILLION einlassen will, sollte viel Zeit mitbringen, denn viel zu häufig wird die Band auf einen Song (KAYLEIGH von MISPLACED CHILDHOOD) reduziert, der zu DEN Pop-Songs der 80er-Jahre gehörte, aber nicht wirklich repräsentativ für das musikalische Schaffen der fünf Schotten ist. Vielmehr braucht man als Hörer Geduld, um die Musik der Band in all ihren Schichten zu erfassen. Aber Freunde von Bands wie PINK FLOYD und den bereits mehrfach erwähnten Ur-GENESIS oder aber eines PETER GABRIELS könnten hier noch mehr Futter für ihre Sinne finden - und SCRIPT FOR A JESTER'S TEAR ist der beste Einstiegspunkt.
Das Album wurde 1997 neu aufgelegt, zusammen mit einigen B-Seiten, raren Demo-Aufnahmen sowie der ersten Single der Band MARKET SQUARE HEROES (veröffentlicht 1982, Platz 60 in den britischen Charts), die überraschenderweise auf keinem regulären Album der Band zu finden war, aber dennoch in keiner Sammlung fehlen sollte, denn der Song ist einfach exzellent. Bei den weiteren Songs auf der zweiten CD wird zudem deutlicher als noch auf der ersten Seite, warum MARILLION lange als GENESIS-Klone verschrien waren. Insbesondere Stücke wie THREE BOATS DOWN FROM THE CANDY mit leichten Anklängen an die GENESIS-Alben FOXTROT oder aber auch an WIND AND WURTHERING oder aber das 19-minütige GRENDEL, das in etwa die MARILLION-Variante des GENESIS-Klassikers SUPPER'S READY ist. Aber spätestens mit dem Nachfolger-Album FUGAZI konnten MARILLION diese Kritiken ein Stück weit zerstreuen. Und spätestens ab MISPLACED CHILDHOOD waren die Vergleich obsolet, zumal sich GENESIS in der selben Phase eher von der Progressiven Musik verabschiedeten und sich selbst an Pop-Musik versuchten, was kommerziell erfolgreicher aber aus musikalischer Sicht desaströs war.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
eines der besten Debütalben aller Zeiten..., 25. September 2006
Script for a Jester's Tear
(1983 - Fish, Kelly, Pointer, Trewavas, Rothery)
Marillion waren zusammen mit "IQ" und teilweise auch "Pendragon" die Wegbereiter des Neo-Progs in den frühen 80er Jahren. Inspirationsquelle dieser Musik waren vor allem die frühen Genesis.
Als einzige Vertreter des Genres erreichten Marillion mit ihrer Musik dabei einen großen Bekanntheitsgrad und verkauften vor allem ihre letzten Alben mit Fish erfolgreich. Die in etwa zu gleicher Zeit beginnenden "IQ" hingegen, die für mich die um einiges bessere Musik spielen, sind außer in Progrockkreisen niemanden bekannt. In gewisser Weise genießen Marillion somit einen besonderen Status in der Neo-Prog Szene, da sie es sogar schafften, Singlehits in die Charts zu bringen. Das Debutalbum der Band bietet sehr lange, lyrische und stimmungsvolle Lieder. Der Gesang von Fish ist dabei sehr variantenreich, von gefühlvollen bis wütenden Stimmungen reicht hier seine Interpretation. Die Musik von Marillion wird dabei von Keyboards und Gitarre bestimmt - allerdings gibt es nicht ganz so lange Instrumentalpassagen wie bei anderen Gruppen des Genres, da hier die Musik mehr mit und von den Texten auch lebt.
Das Titelstück "Script for a Jester's Tear" beginnt mit den bedeutungsvollen Worten: "So here I am once more, in the playground of the broken hearts..." und bildet den beeindruckenden Anfang eines Albums, das - obwohl ein Debut - sehr ausgereift klingt. Als Vergleich sei hier das im selben Jahr erschienene "Tales from the lush attic" von "IQ" erwähnt, bei dem die Musik zwar mehr symphonischen Progrock bietet, dafür aber hier und da noch von der Produktion her unreif klingt (drei Tage dauerte diese nur, während Marillion mehrere Monate Zeit hatten im Studio).
Die anderen Lieder auf dem Album spielen fast alle auf dem gleichen hohen Niveau wie das Titelstück, wobei aber die Komplexität der Vorgänger aus den 70er Jahren nicht erreicht wird.
Herausragen tut für mich noch "The Web", das eine sehr dichte Stimmung erzeugt und wenn Fish zu Beginn die Enge eines kleinen Zimmers besingt, kann man die Beklemmung regelrecht spüren. "Garden Party" ist ein Liveklassiker der Band, es wird eine versnobte englische Gartenparty besungen und die gewiß bekannteste Zeile des Liedes ist "I'm rocking, I'm fucking..."
"Chelsea Monday" wartet im Mittelteil mit einem längeren Gitarrensolo von Steve Rothery auf, der zur einen Hälfte den Sound in den frühen Jahren von Marillion charakterisiert. Marillion leben in dieser Zeit sehr auch von Fishs Präsenz, so wie dereinst Peter Gabriel Genesis ein Profil verleihte, was die zweite Hälfte des Sounds von Marillion ausmacht.
Ich halte "Script for a Jester's Tear" für ein wirklich gutes Album. Als Meilenstein des Progrocks sehe ich es aber nicht. Marillion waren Vorreiter der Neo-Prog Bewegung und in diesem Kontext gesehen ist das vorliegende Album gewiß ein Eckpfeiler für anderen Bands gewesen.
Das Album sollte in keiner Sammlung fehlen, bietet es doch einige brilliante Songs.
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6 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Immer noch gut., 8. August 2001
Fast 20 Jahre alt, aber noch immer ist das Debüt-Album von Marillion zeitlos gut. So frisch und unverkrampft waren sie danach nie wieder. Ein 'fantastischer Mix aus Metal und Progressive Rock ohne die schlechten Eigenschaften der beiden Stile zu übernehmen. Vor allem die Remaster-Version ist lohnenswert, weil der Sound hörbar verbessert wurde und auf CD 2 einige besondere Perlen vorhanden sind (Grendel-Demo, Three Boats...ein Traum!)
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