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5.0 von 5 Sternen
Mit tiefer Empfindung, 19. Januar 2008
Es ist eigentlich nur natürlich, daß ältere Aufnahmen, selbst wenn sie musikalisch von hohem Wert sind, im Lauf der Jahre mehr und mehr ins Hintertreffen geraten. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen kommen immer wieder neue, auch unbestritten hochrangige Produktionen auf den Markt, und zweitens fallen auch Künstler, die zu ihren Lebzeiten unbestritten zur Weltspitze zählten, nach ihrem Tod früher oder später der Vergessenheit anheim.
So ist auch der russische Meistergeiger David Oistrach (1908-1974), der nach 1950 bis zu seinem Tod während einer Konzertreise in Amsterdam zu den ganz Großen seiner Zunft gezählt wurde, heute nur noch den älteren Klassikfreunden wirklich ein Begriff.
Zu seiner reichen diskografischen Hinterlassenschaft zählen auch die hier zusammengefaßten Violinkonzerte von Ludwig van Beethoven und Max Bruch. Obwohl es vor allem vom Beethoven-Konzert eine lange Liste hochkarätiger Einspielungen gibt, möchte ich die Version Oistrachs in meiner Sammlung nicht missen. Zusammen mit André Cluytens und dem Orchestre National, Paris, ist ihm 1958 im Salle Wagram eine Aufzeichnung gelungen, die durch künstlerische Ausgewogenheit, sinfonische Spannung, überlegene Virtuosität und eine ganz unpathetische Darstellung noch heute fasziniert. Ich stelle sie in eine Reihe mit den berühmten Aufnahmen von Francescatti/Walter (Sony), Szeryng/Schmidt-Isserstedt (Philips), Grumiaux/Davis (Philips) und Schneiderhan/Jochum (DGG), um nur einige der bekanntesten älteren Versionen zu nennen. Die legendäre Einspielung Heifetz/Munch (RCA) habe ich in diesem Zusammenhang absichtlich außen vor gelassen, weil sie einen ganz anderen Interpretationsansatz vertritt.
Die Koppelung mit Max Bruchs g-moll-Konzert ist ein wenig eigenwillig, da dieses Werk wertmäßig natürlich mit Beethovens Glanztat nicht ernsthaft auf eine Stufe gestellt werden. Wenn es aber so grundmusikalisch interpretiert wird wie hier von David Oistrach, der diesmal vom London Symphony Orchestra unter Lovro von Matacic begleitet wird, so wird es seinen Effekt nicht verfehlen.
Das Bruch-Konzert wurde bereits 1954, noch in Mono, aufgezeichnet, während Beethovens Werk, wie schon kurz gestreift, im November 1958 realisiert wurde, in frühem, aber ansprechendem Stereoton. Die digitale Aufbereitung ist beiden Stücken gut bekommen, und die EMI hat auch ein brauchbares, mehrsprachiges Textheft beigelegt. Leider ist die Ausgabe aus der "Studio"-Reihe offiziell schon seit mehreren Jahren aus dem Katalog gestrichen. Eine baldige Neuauflage wäre darum sehr wünschenswert.
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