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Fast will es scheinen, als müßte die "Musica Antiqua Köln" ihren geographischen Namenszusatz ändern: Nicht die Domstadt, sondern das hochfeudale Elbflorenz in seiner glanzvollsten, seiner "augusteischen" Epoche ist mittlerweile die musikalische Wahlheimat der Goebel-Truppe. Ihr bleibt sie - nach der sensationellen Wiederentdeckung des sächsischen Hofkapellmeisters Heinichen, nach der exzellenten Einspielung von Ouvertüren des Dresdner Florentiners Veracini - auch mit vorliegenden "Concerti per l'orchestra di Dresda" treu. Was das Ensemble und vor allem seinen Spiritus rector an der deutschen Musikmetropole des 18. Jahrhunderts fasziniert, klären schon die ersten Takte von Heinichens F-dur-Concerto (hier erstmals mit komplettem Suitenanhang): Die rhythmische Verve, die großartige Instrumentation, die Gratwanderung zwischen formaler Eleganz und manieristischer Extravaganz feiern nichts anderes als die konkrete Utopie eines klanggewordenen Hedonismus. Dresden als vulkanischer Schmelztiegel der Stile und Innovationen nahm eben frühklassischen Orchestersatz und galanten Geschmack schon vorweg, "als man andernorts noch grobgenagelten Barock praktizierte", schreibt Goebel im Booklet. Eine stimmige musikgeschichtliche These - hier wird sie Klangereignis. Interpretatorisch und klangtechnisch ist das von alerhöchstem Rang. Da bleibt keine Sequenzfloskel trocken, da pulsiert's vor Vitalität, da lotet nichts in trüber Ungestalt, da zeugt alles von einer musikalischen Potenz, die jener auf anderem Gebiet legendären des starken August zumindest ebenbürtig ist: superbe 70:30 lang.
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