Aus der Amazon.de-Redaktion
In den Fünfzigern siedelte sich ein Zirkel von Haschischim, Beats und Literaten in der Freihandelszone Tanger an. Zu ihnen gehörte auch Brion Gysin, der Maler, Raconteur und spätere PTV-Guru. Eines Tages hörte dieser eine Gruppe von einheimischen Musikern und war fasziniert. Er folgte ihrer Spur bis in ihre Heimat, das marokkanische Bergdorf Jajouka. Dort wurde einmal im Jahr von der ganzen Dorfgemeinde ein Fruchtbarkeitsritus zelebriert, den Gysin für eine degenerierte Form der römischen Lupercalia hielt, dem Ritus zu Ehren des großen Gottes Pan. 1970 kam Gysin mit dem Rolling-Stones-Gitarristen Brian Jones und dessen Tontechniker zurück ins Dorf und machte eindrucksvolle Aufnahmen. Bis zu hundert Leute tragen bei zu dieser intensiven, kraftvollen arabischen Ritualmusik. Endlos variierende Melodien dissonanter, oboenähnlicher Blasinstrumente fahren wie ein Sturm durch die Gehörgänge, über gewitternden Trommeln und heulenden Frauenstimmen. Eine elementare, rauhe Trancemusik, die den Hörer wie ein starker Wind in die dünne Luft hoch über Bergen aus Salzstein reißt.
--Björn Quiring