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Kabalewskijs Klaviersonate Nr. 2 mit Wladimir Horowitz, 24. März 2008
Dmitrij Kabalewskij wurde 1904 zu Petersburg in Verhältnissen geboren, die als intellektuell beschreiben werden können. Sein Vater, ein Mathematiker, half mit, beim jungen Dmitrij ein interesse für Literatur, Malerei, Geographie, Naturwissenschaften und Technologie zu entwickeln; seiner Mutter verdankte Kabalewskij ganz offensichtlich seine frühe Liebe für die Musik. 1918 zog die Familie nach Moskau, wonach Dmitrij begann, die Musikschule von Viktor Seliwanow zu besuchen (späteres Skrijabin-Musikinstitut). Nachdem er eine gute Klaviertechnik und ein Talent für das Komponieren entwickelt hatte, begann er im Herbst 1925 am Moskau Konservatorium und schrieb seine Drei Präludien Op. 1. Er studierte gleichzeitig in zwei Klassen: Klavier bei Aleksandr Goldenweiser (1875-1961) und Komposition bei Georgij Catoire (1861-1926). Nach Catoires Tod gingen viele seiner Schuler in Nikolaj Mjaskowskijs (1886-1950) Klasse über.
Mitte der 1920er und Anfang der 1930er Jahre stand die Auseinandersetzung zwischen dem ASM (Verband für neue Musik) und dem RAPM (Russischen Verband proletarischer Musiker) auf ihrem Höhepunkt. Der ASM wurde 1923 an der Staatlichen Akademie der Kunstwissenschaften gegründet und begann bald, die eigene Zeitschrift Sowremennja Muzyka (Zeitgenössische Musik) herauszugeben, für welche Dmitrij Kabalewskij und Wissarion Schebalin (1902-1963) Beiträge lieferten. Die Anhänger der "ersten" Muzik wurden als Bewahrer des bürgerlichen Geschmacks vom RAPM gehässig angegriffen, wobei Nikolaj Mjaskowskij und Sergej Prokofjew (1891-1953) "in absentia" Sonderangriffen ausgesetzt wurden, weil sie "für das Publikum des Kleinen Saales (des Moskauer Konservatoriums)" schrieben.
Kabalewskijs monumentale Klaviersonate Nr. 2 Op. 45 (1945) ist seine "Sinfonie für Soloklavier." In Bezug auf seine Zweite Sonate erklärte Kabalewskij einmal, ihre "herrliche Wiedergabe" durch den Pianisten Emil Gilels habe ihm eines der beglückendsten Erlebnisse seines musikalischen Lebens bereitet; er habe Gilels das Werk in Anerkennung seines großen Talents gewidmet, aber auch aus Dankbarkeit für seine stete Bereitschaft, ihm während der Komposition der Sonate mit weisem und einfühlsamen Rat zur Seite zu stehen. Obwohl sie ein gutes maß Humor enthält, kann niemand an ihrer Seriosität zweifeln. Sie beginnt mit einem Gefühl von Erhabenheit und feierlichen Atmosphäre; beim zweitem Thema wird die Stimmung durch die geringere Dichte des Satzes etwas leichter, und die Farbtupfer gelegentlicher Vorzeichen geben der Musik einen Schluß Humor bei. Am Ende der exposition, bereitet die sich dann entwickelnde, intensive und motorische Durchführung vor; dann das Zweite Thema beendet den Satz in Moll, mit Pessimismus und Verzweiflung. Der langsame Satz ist eine der schönsten Kompositionen von Kabalewskij; es ist die fesselnde Unvermeidlichkeit seines unerbittlichen Stromes, die ihm so eine kraftvoll russischer Atmosphäre verleiht. Das Finale ist orchestral angelegt. Es beginnt wie ein aufregendes Moto perpetuo mit kontrastvollen tonalen Zentren. Es folgt ein Nebenthema mit Achteln im Staccato, das ein wenig Humor in den Satz bringt. Zum Schluß bringt eine siegesbewußte Coda, die fast zur Gänze auf dem Mittelteil des Satzes baut, diese abwechslungsreiche und letztlich triumphale Sonate zu einem atemberaubenden Ende.
(Für Kabalewskijs Klaviersonate Nr. 3: Wladimir Horowitz, Klavier; Gold Seal, Sony BMG, 1990 - ASIN B0000261J8)
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