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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Englische Chortradition trifft amerikanische Komponisten, 21. September 2003
Wer sich gerne auch einmal hörend in abgelegeneres Repertoire begibt, wird an dieser CD große Freude haben. Bernsteins "Chichester Psalms" mögen noch eine gewissen Bekanntheit haben, aber doch eher in der Fassung mit Orchester als in der hier eingespielten Erstfassung für Knabensopran, Chor, Orgel, Harfe und Percussion. Die auf den ersten Blick eigentümlich anmutende Instrumentalbesetzung ermöglicht eine Menge ausgeklügelter Klang-und Kontrastmöglichkeiten, die vor allem im 2. Satz ausgenutzt werden. Matthew Best leitet seinen Chor, die Corydon Singers in einer Aufführung, der vielleicht der Überschwang von Bernsteins eigenen Aufnahmen (allerdings nur mit Orchester) etwas abgeht, die aber das Stück sehr gut trifft. Vor allem die weitgeschwungenen Linien im Schlusssatz profitieren von der eher nüchternen, kontemplativen Herangehensweise des Dirigenten. Auch der zweite Satz, der mit Knabensopran, Damenchor und Harfe anhebt, erscheint nie kitschig, sondern auf eine sympathische Art tief empfunden. Das folgende Stück - Barbers "Agnus Dei" für Chor a cappella - dürfte manchen Hörer erstaunt zum Beiheft greifen lassen: Und in der Tat, es handelt sich hier um eine Bearbeitung des ausgesprochen populären "Adagio for strings". Und in dieser Form kann man das Stück auch dann ganz neu hören, wenn man der Streicherfassung schon überflüssig ist.... Höhepunkt der CD - und alleine schon den Kauf der CD wert! - sind aber die hier eingespielten Chorwerke von Aaron Copland, einem Komponisten, den man landläufig eher mit seinen "folkloristischen" Balletten wie "Billy the Kid" oder "Appalachian Spring" in Verbindung bringt - weniger mit geistlicher Chormusik. Zu Studienzeiten bei Nadia Boulanger in Paris schrieb er Vier Motetten für Chor, von denen hier leider nur drei eingespielt sind (warum die vierte fehlt, bleibt unergründlich) - Stücke, in denen man zwar noch deutlich merkt, dass hier ein junger Komponist seinen eigenen Stil sucht (das "Sing ye praises" wirkt doch noch etwas hölzern), die aber durchaus von viel Talent zeugen - insbesondere das intensive "Have merci on us". Jahre später, 1947, schrieb Copland ein etwa viertelstündiges Chorstück über den Schöpfungsbericht des Buches Genesis - "In the beginning". Wirkt es auf den ersten Moment sperrig, ja ungewohnt unbequem, wenn man eben Coplands Ballette kennt, so erschliesst sich mit der Zeit diese wunderbare, konzise, am Text orientierte Musik immer mehr. Auf Mezzosopran und den unbegleiteten Chor werden die Worte des Schöpfungsbericht aufgeteilt, häufig arbeitet Copland mit rhythmischen "Patterns", die immer wiederkehren. Best und seinen Corydon Singers (mit Mezzosopranistin Catherine Denley) gelingt eine Aufführung, die dem Stück mit all seinen Schwierigkeiten zu aller Ehre gereicht. Es lohnt sich doch, bisweilen über den Tellerrand des Altbekannten zu schauen!
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