Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Unglaublich schön, 21. August 2005
Eigentlich möchte man meinen, man könne der Callas die Darstellung eines jungen unschuldigen Mädchens rein stimmlich nicht abnehmen, doch dies stimmt nur bedingt. Ihre Stimme ist nicht liebreizend und sanft genug, stimmt, es ist auch eine fern von vollkommene Stimme, doch der Ausdruck den sie damit hervorzaubert kommt immer intensiv und authentisch rüber. Karajan war zu jener Zeit Gott sei Dank noch weit entfernt von seinem späteren Wahn, alle Aufnahmen im Studio akustisch auf Hochglanz zu polieren. Die ganze Besetzung ist rundum grossartig und die Einspielung so ein Glanzstück dass man kleinere Unzulänglichkeiten in der alten Tontechnik gerne vergibt.
|
|
|
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eine unterschätzte Aufnahme, 7. August 2004
Die Butterfly wird im Allgeminen nicht zu den Glanzrollen der Callas gerechnet und auch ihre Gesamtaufnahme der Oper aus dem Jahr 1955 führt eher ein Randdasein. Dies wird der tatsächlichen Bedeutung dieser Aufnahme aber nicht gerecht. Das Jahr 1955 markierte in der Karriere der Callas einen Zeitpunkt als die Stimme noch und der Kunstverstand schon funktionierte. Konkret bedeutet dies, dass ihre Leistungen aus diesem Zeitraum bereits voll ausgereifte Rollenportraits darstellen, die ohne den ungestümen, beinahe gewaltsamen Stimmeinsatz der jungen Callas auskommen, aber auch weitgehend verschont sind von den Zeichen stimmlichen Verfalls, wie sie bereits wenige Jahre später auftraten. Diese Details sind wichtig für die Beurteilung der vorliegenden Aufnahme: Schon der Auftritt der Butterfly hinterlässt in der Interpretation der Callas einen bleibenden Eindruck: Mit unnachahmlicher Einfühlung stellt sie das Mädchen von 15 Jahren dar (ein etwas rauh angesetztes hohes Des stört da wenig). Im weiteren Verlauf stellt sie den Wandel vom Mädchen zur (leidenden) Frau durch eine schrittweise Einführung dunkler, schmerzlicher Klangfarben und expressiver Vokalfärbungen dar, bis sie im Schlussgesang mit der vollen Stimme ihres dramatischen Soprans singt. Dies hat nach meinem Wissen keine andere Sängerin so perfekt mit rein musikalischen Mitteln dargestellt, auch wenn andere mit mehr Schmelz singen. Auf diese Weise entsteht bei Callas ein in sich schlüssiges Portrait anstatt einer Ansammlung schöner Stellen. Die Schlüssigkeit der wunderbaren Aufnahme wird auch durch die hervorragende Besetzung der übrigen Rollen gewährleistet: Der junge Nicolai Gedda gestaltet den leichtfertigen Pinkerton überzeugend und mit erheblich größerem technischen Finish als die Tenöre späterer Aufnahmen. Wer hören möchte, zu welcher Stimmkultur ein Bariton italienischer Schulung fähig ist, sollte sich Mario Borriello (Sharpless) anhören. Er verfügt nicht über eine Riesenstimme, beherrscht aber ein perfektes Legato. Lucia Danieli als Suzuki zeigt eine ansprechende Leistung. Das Dirigat Karajans ist erheblich kammermusikalischer angelegt als in seinen späteren Aufnahmen. Leider ist die Klangqualität zwar noch gut aber natürlich nicht ganz auf dem hohen Niveau späterer Einspielungen, deshalb ein Punkt Abzug. Fazit: Die Aufnahme verdient größere Beachtung und kann sich aufgrund der hervorragenden Sängerleistungen mit allen neueren Aufnahmen messen.
|
|
|
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Callas als Butterfly - letzlich unübertroffen, 13. Oktober 2006
Von Puccinis Japan-Tragödie existieren unzählige Aufnahmen, darunter herausragende Interpretationen, die man unbedingt gehört haben muss (Tebaldi, Freni, Price etc.).
Aber wenn man mich fragt, wer die wahrhaftigste, dramatisch überzeugendste und eindringlichste ist, muss ich an erster Stelle einfach Maria Callas anführen, die, wenn man das Stimmliche und die Darstellung gemeinsam bewertet, absolut konkurrenzlos geblieben ist.
Freilich konnten z.B. Tebaldi und Price mit üppigeren, wärmeren Stimmen aufwarten und die Partie einfach himmlisch und auch wunderbar dramatisch singen - aber die psychologische Gestaltung der kleinen Geisha, die zur tragisch liebenden Mutter heranreift, hat niemand so verkörpert wie die Callas in dieser Aufnahme. (Einzig Renata Scottos Portrait ist ähnlich raffiniert - aber bei weitem nicht so schön gesungen). Einfach wunderbar, wie sie am Beginn das fünfzehnjährige Mädchen mit ihrer "Kleinmädchenstimme" spielt (ohne unecht oder künstlich zu wirken), wie sie in ihrer großen Arie zu wahrer Größe findet, und wie erschütternd schließlich die Szenen mit dem Kind gestaltet sind - Tragik ohne jedes falsche Pathos. Stimmlich befand sich La Divina zum Zeitpunkt der Aufnahme auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte, somit ist ihre Interpretation auch vom klanglichen her hervorragend.
Auch ihre Partner sind restlos überzeugend, weshalb die Aufnahme insgesamt wunderbar geschlossen und abgerundet ist.
Nicolai Gedda, noch blutjung, singt den treulosen Pinkerton unerwartet elegisch und sensibel, was vielleicht für manchen etwas ungewohnt ist, aber den Charakter wesentlich interessanter und vielschichtiger macht. Man versteht erstens, warum Butterfly diesen Mann liebt, und dass er sie nicht nur aus Bosheit verläßt, sondern weil er ihre Kultur einfach nicht verstanden hat.
Mario Borriellos Sharpless ist gediegen und gut gesungen, die Stimme hat Kern und ein schönes Timbre.
Lucia Danieli als Suzuki ist zwar nicht die am schönsten Gesungene auf Platte, aber auf hohem Niveau und in jeder Sekunde überzeugend.
Herbert von Karajan an der Spitze des Orchester der Mailänder Scala gestaltet schließlich eine wahre Puccini-Sternstunde, getragen, ausbalanciert, mit satten Klangfarben und echter Dramatik. Kein Vergleich zu den aufgeblähten, übertrieben pompösen und knalligen Puccini-Aufnahmen aus den Achtzigerjahren. Das hat Klasse (obwohl Mono)!
Fazit: eine wunderbare Aufnahme ohne Schwachpunkte, die man haben sollte.
|
|
|
|