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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verismo mit ungewohntem Belcantoeinschlag, 8. August 2004
Auf den ersten Blick kann man sich Maria Callas, die großartige Bellini- und Donizetti-Interpretin nicht als Verismo-Sängerin vorstellen (trotz ihrer Tosca). Ihr Talent und ihre Virtuosität scheinen an die groben Effekte des Verismo verschwendet. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick auf diese Aufnahmen. Die Einspielung der Cavalleria rusticana stammt aus dem Jahre 1953, also vor der Abmagerungskur der Callas, die Bajazzo-Aufnahme datiert aus dem Jahr 1954, also im Jahr der Diät. Das ist insofern von Bedeutung als sich in dieser Zeit ein klanglicher Wandel in der Stimme der Callas vollzog, der in diesen beiden Aufnahmen exemplarisch demonstriert wird. In der Rolle der Santuzza (1953) singt sie mit einer gewichtigen, dunkel gefärbten Stimme, die in der tiefen Lage Mezzosoprancharakteristik hat. Nach der Abmagerungskur klang die Stimme etwas heller, schlanker und insgesamt ausgeglichener. Diese Unterschiede passen sehr gut zur Charakteristik der dargestellten Frauengestalten. Das Rollenprofil der Santuzza ist sehr eindimensional. Folglich ist auch die musikalische Zeichnung eher grob. Die Callas bewältigt die Partie zwar viel besser als die meisten Kolleginnen (zumal die mit der Tessitura überforderte Agnes Baltsa), aber sie kann ihre Stärke der Nuancierung und feinen Charakterzeichnung auf dieser Grundlage nicht voll ausspielen. Es ist besonders zu betonen, das Callas auf außermusikalische Effekte (Schluchzen, Schreien), die so manche Verismo-Sänger auszeichnet, wohltuend verzichtet. Das weitaus interessantere Rollenportrait gelingt ihr als Nedda. Sie vermag den ambivalenten Charakter glaubhaft darzustellen und bleibt dabei sängerisch sauberer als nahezu alle Nachfolgerinnen. Glanzstück der Aufnahme ist ihre Szene "Qual fiamma avea nel guardo" mit der Ballatella "Stridono lassù". Das ist perfekt gesungen. Die sich steigernde Nervosität Neddas wird klangfarblich genau erfasst. Die hohen Töne sitzen optimal, besonders die Phrase "O che bel sole di mezz' agosto" ist hörenswert. Vor der Ballatella muss die Nedda-Sängerin Triller singen. Wo andere Sängerinnen nur Näherungswerte erreichen, ist die Belcantospezialistin Callas in ihrem Element. Man höre nur einmal Teresa Stratas in der Aufnahme unter Prêtre, um zu erkennen, was Callas hier leistet. Der Höhepunkt der Oper ist sicherlich die Commedia im zweiten Akt. Der Wechsel zwischen spielerischer Koketterie der Nedda/Colombina und blutigem Ernst wird absolut glaubwürdig präsentiert. Leider kann Giuseppe di Stefano dieses Niveau nicht halten, es fehlt ihm ein wenig an Kraft, um die Spinto-Partie des Canio durchzustehen. Sein früh auftretendes Problem einer zu offenen und damit nicht frei schwingenden Höhe macht sich (in beiden Opern) negativ bemerkbar. Immerhin: einige anrührende leise Passagen gelingen ihm. Tito Gobbi zeigt ein imposantes Rollenportrait des intriganten Tonio, allerdings auch Schwächen in der hohen Lage in der er infolge einer unzureichenden Technik der Tonbildung zu nebelhornartigen Klängen neigt. Durchweg gut singt Rolando Panerai (Silvio und Alfio). Das Dirigat von Tullio Serafin ist routiniert, könnte aber stellenweise feuriger sein. Die Aufnahmequalität ist gemessen am Alter der Aufnahmen gut. Fazit: Die Aufnahme von I Pagliacci besitzt durch die Callas und Gobbi durchaus Sammelwert. Von Cavalleria rusticana existieren mitreißendere Aufnahmen, die vor allem adäquate Tenorstimmen vorzuweisen haben (Serafin mit del Monaco, auch Karajan), aber nur selten eine bessere Santuzza als die der Callas.
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