Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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19 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein mit Schmerz behaftetes Album, 11. Januar 2005
Bevor das Album 1975 erschien, hatte es, als Nachfolgealbum zu HARVEST eingespielt, zwei Jahre auf Eis gelegen, da die Plattenfirma ein "Heart Of Gold" vermisste. Erst nachdem Neil Young klar gemacht hatte, dass ein zweites "Heart Of Gold" ewig auf sich warten lassen wird, ließ WARNER Gnade vor Recht ergehen und veröffentlichte TONIGHT'S THE NIGHT im Frühjahr 1975.Der Schmerz über den Verlust des Crazy-Horse-Mitglieds Danny Whitten und eines Roadies, der die Band über Jahre begleitet hatte, führte zu der legendären Session, die nach ausgiebigem Alkohol- und Drogenkonsum, im Studio live aufgezeichnet und ohne jegliche Nachbearbeitung, so roh und ungeschliffen auf Platte gebannt wurde. Entstanden war ein tieftrauriges, ein depressives, von Schmerz behaftetes Album, wie es in seiner Direktheit kaum ein zweites in der Rockgeschichte gibt - und diese Direktheit spiegelt sich genauso musikalisch wieder. Molltöne überwiegen, der Blues ist das Hauptthema, es wird improvisiert, machmal fehlt der Text - und vor allem fehlt Danny Whitten, dessen Position in der Band bewusst nicht neu besetzt wurde, was dem Sound der Band etwas verlorenes, beinahe klaustrophobisches verleiht. Ein düsteres Werk, das seine Energie aus der Emotionalität zieht, und dadurch fast wieder Positives bewirkt. Es lässt den Zuhörer nicht mit falschen Gefühlen alleine, auch wenn die Ratlosigkeit als beherrschendes Thema des Albums dem Zuhörer auf dem gemeinsamen Weg heraus aus der Krise, die der Verlust ausgelöst hat, eine Menge abverlangt.
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13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Irische Totenwache für die Rockmusik, 5. August 2007
Viele Wege führen zu Neil Young. Für den Großteil der Hörer ist das Album Harvest, mit Neils einzigem Nummer 1 Hit seiner über 40-jährigen Karriere
Heart of Gold, der Einstieg. Nicht wenigen reicht auch bereits dieses, fast schon so perfekt und glatt produziert wie ein Werk von Crosby, Stills, Nash und Young, eine Album.
Für Punk-Freunde ist Rust never sleeps eine Empfehlung, für Classic Rock Hörer Rockin` in the free world.
Hier ist ein Album für diejenigen, die sich in den Neunzigern mit den traurig-schönen Songs von Nirvana, Smashing Pumpkins und Radiohead am wohlsten gefühlt haben. Aber es braucht Zeit um sich in das Album mit seiner meist sperrigen, schräg gespielten und schief gesungenen Musik hineinzufinden. Im übrigen hilft es bereits Young-Fan zu sein, um sich für diese Platte zu begeistern. Tonight's the night, das Lieblingsalbum von Young selbst und laut deutschem Rolling Stone sein ehrlichstes Album, ist der Abschluss der Doom Trilogy, zu der ebenfalls Time fades away und On the beach gehören. Eine düstere Phase voller Selbstzweifel und Trauerarbeit nach dem turbulenten Jahr 1972, in dem Harvest veröffentlicht wurde und Neil den kommerziellen Höhepunkt bescherte. Aber es war auch das Jahr in dem sein langjähriger Wegbegleiter und Crazy Horse Gitarrist Danny Whitten starb. Bereits auf Harvest hatte Neil mit The needle and the damage auf seine Weise, nämlich mit einem Song, versucht Whitten von seiner fatalen Heroinsucht abzubringen.
Nun haben sich bereits viele Prominente als Moralapostel versucht und nach einem Leben voller Ausschweifungen und kostspieliger Entziehungskuren, wenig glaubwürdig, Abstinenz gepredigt. Das ist hier nicht der Fall. Auch wenn Young und seine Mitmusiker bei den Aufnahmen viel Tequila tranken (was besonders beim sturzbetrunken gesungenen Mellow my mind zu hören ist) und wie üblich, in Holland erlaubte, Zigaretten geraucht, trotzdem wird etwa in Borrowed Tune der Mythos vom Kreativitätsschub durch Drogen als Selbstbetrug entlarvt. Ein Junkie fühlt sich vielleicht während des Rauschs gut und kreativ, Danny Whitten aber war für die Band untraggbar geworden, er traf keinen richtigen Ton mehr und schlief während der Proben ein - keine Spur von Drogenverherrlichung. Wie sehr er auflebte und wie gut er sich fühlte, wenn er sich auf sein nächstes High freute zeigt Come on baby let's go downtown - irgendwie schon pervers, wie fröhlich der Song klingt, obwohl er davon handelt, daß ein Junkie in die Stadt fahren will, um sich Drogen zu kaufen.
Tired Eyes bringt Neils Selbstvorwürfe den Gitarristen Whitten und den Roadie Bruce Berry nicht gerettet haben zu können, auf den Punkt. He tried to do his best, but he could not.
Die entspannt-bekiffte Atmosphäre von Roll another number und Albuquerque kann man als Empfehlung verstehen, wenn man schon meint Drogen nehmen zu müssen, wenigstens bei Dingen zu bleiben, mit denen man umgehen kann. Und in Albuquerque ist das neben einer Tüte eben auch ein gutes Frühstück mit frischem Landschinken.
Obwohl Tonight's the night eines der am schlecht verkauftesten Young-Alben ist, so hat es doch die gleich Aufmerksamkeit wie Harvest verdient. Von seiner Aktualität hat es bis heute nichts verloren, Tonight's the night ist ein Song, den Young seit damals immer wieder live gespielt hat.
Das Konzept, ein Album mit zwei unterschiedlichen Versionen eines Songs zu beginnen und zu beenden, wurde später nochmal für Rust never sleeps und Freedom erfolgreich aufgegriffen.
Tonight's the night ist Neil Youngs Tochtenwache für die Opfer des Traums von Sex, Drugs and Rock and Roll - der Tod wird betrauert, das Weiterleben gefeiert.
Anspieltipps: World on a string, Albuquerque, Lookout Joe
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39 von 41 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
So stark wie sonst keiner ..., 19. September 2006
Seit fast 35 Jahren steht sie in meinem Regal - "Tonight's the night" von Neil Young. Immer mal wieder schleiche ich in meinem Plattenladen (ich weiß, die heißen heute nicht mehr so ...) um das Regal mit den CDs herum oder stoße beim Herumsurfen auf der Homepage von Amazon oder einem anderen CD-Anbieter auf sie, kann mich aber nicht entschließen, von der LP auf die CD umzusteigen. Denn das Geknister auf meiner LP gehört genauso dazu wie die nölige Stimme von Neil und die scheppernde Gitarre. Da hängen mittlerweile viele Erinnerungen dran, viele schöne Stunden mit dieser ganz besonderen Stimmung, die wirklich nur diese Platte hat und sonst keine.
Ich bin auch lange um die Idee herumgeschlichen, diese Platte zu rezensieren, denn ich war mir lange nicht ganz sicher, ob ich sie wirklich uneingeschränkt empfehlen kann. Denn so besonders leicht zugänglich ist sie nicht, und wer "Harvest", "Comes a time" oder "Harvest Moon" mag, tut sich möglicherweise schwer. Doch ich möchte den Versuch wagen, auch die hartnäckigsten "Heart of Gold"-Fans davon zu überzeugen, sich mit "Tonight's the night" eingehend zu beschäftigen, denn es lohnt sich wirklich.
Manch einer mag sie aus eigenem Erleben kennen - die Nick Hornby'schen "High-Fidelity-Diskussionen" über die ultimativen Platten des 20. Jahrhunderts, die endlosen Diskussionen mit anderen Musik-Verrückten, die nach 40 Jahren Rockmusik auf tausende von Platten zurückschauen und sich überlegen, was denn nun Bestand hat und was nicht. Und ich komme halt immer wieder zum selben Ergebnis: Klar ist "Blonde on Blonde" ein gewaltiges Album und "Exile on Mainstreet" sowieso und "Born to Run" und "Led Zeppelin IV" natürlich auch. Und trotzdem kommt "Tonight's the night" in meiner persönlichen Bestenliste immer wieder als erste durchs Ziel. Einfach weil sie die echteste ist, die roheste, die unbehauenste, die authentischste - die Platte, die mich so unmittelbar berührt wie keine andere. Und dabei ist es noch nicht einmal in erster Linie Neil Youngs Trauer über den Verlust seiner beiden Freunde Dan Whitten und Bruce Berry, der diese Platte so besonders macht, auch wenn dieser Verlust natürlich eine ganz wesentliche Rolle spielt. Was noch viel stärker durchkommt, ist die Verlorenheit eines jungen Mannes, der nicht weiß, wie er mit der neuen Rolle als Folkstar zurechtkommen soll, der mit großen Augen vor seinem Publikum steht, das ihn auffordert, doch noch ein weiteres Mal "Heart of Gold" zu spielen und "Old Man" und das ihn in eine Ecke packt mit John Denver, Gordon Lightfoot, Dan Fogelberg und Jim Croce. Doch da will er gar nicht hin, er will nicht dauernd sonnendurchglühte Kalifornien-Folklore absondern, wenigstens nicht immer und nicht so penetrant gut gelaunt wie die anderen. Es ist die Platte von einem, der Abstand braucht von Flower Power und Folk-Romantik, von einem, der auf der Suche ist nach dem, was er will im Leben, der Fragen stellt, die wir wohl alle kennen, Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Liebe, Freundschaft und Tod. Und dafür braucht er erst einmal Einsamkeit und Ruhe: "I've been starvin' to be alone, and independent from the scene that I've known" singt er auf "Albuquerque". In "Roll another number" wird er noch deutlicher: "I'm not goin' back to Woodstock for a while, though I long to hear that lonesome hippy smile. I'm a million miles away from that helicopter day, no I don't believe I'll be going back that way", und er ist wirklich eine Million Meilen weg von fröhlichen Hippys, die gemeinsam "Let the sunshine in" singen, um dem Regen zu trotzen. Das war schon ein mutiger Schritt damals, als "Harvest" noch in den Hitparaden stand und der Weg vorgezeichnet schien von einem Hit zum nächsten. Doch das war offenkundig nicht sein Ziel, und das verdient Respekt.
Damit steckt in dieser Platte bei aller Trauer über Whitten und Berrys Tod auch viel Nachdenklichkeit, wobei das aber keineswegs deprimierend wirkt - dazu sind die Melodien viel zu schön. Und die Schönheit der Melodien ist das bemerkenswerteste und dauerhafteste an dieser Platte, denn anders als auf den wirklich rockigen Platten wie "Mirror Ball" oder "Weld" ist "Tonight's the Night" trotz des unbearbeiteten Live-Sounds und der scheppernden Instrumente eher zurückgenommen und an manchen Stellen fast schon balladenhaft sanft.
Die schönen Melodien und die manchmal fast schon ersterbend-brüchige Stimme sind das eine, was die Platte so besonders macht. Dazu kommen aber auch die Texte, die man unbedingt - zumindest beim ersten Mal - mitlesen sollte. Denn Neil Young beschwört auf dieser Platte starke Bilder, erzählt Geschichten von Bruce Berry dem "working man", der immer den Bully beladen hat und nun tot ist ("Tonight's the night"), oder von den vier Typen, die bei einem Kokain Deal erschossen wurden ("Tired eyes"), aber auch von seiner Liebsten und der Hoffnung, die er hat "to carry me through" ("Speaking out") oder von seiner Sehnsucht, wieder ein kleiner Junge zu sein, wie in dem Lied "Mellow my mind", wenn er singt: "Make me feel like a schoolboy on good time, jugglin' nickels and dimes, satisfied with the fish on the line ..." Das ist sehr stimmungsvoll und echt, ein bisschen traurig vielleicht, aber nicht zu sehr - gerade die richtige Mischung.
Am besten hört man die Platte allein - abends, wenn man nichts vor hat, nichts im Fernsehen kommt und man sich vielleicht ein bisschen einsam fühlt. Ein Glas Rotwein, die Augen zu, und dann geht die Reise los. Lasst Euch nichts einreden, Leute - die Platte ist nicht so depressiv, wie man immer behauptet - im Gegenteil: wer genau hinhört, merkt, dass da bei aller Trauer über den Verlust von zwei Freunden und über den Verlust der Hippy-Unschuld auch viel Kraft drinsteckt: "I feel able to get under any load" singt er auf "Roll another number". Und darum geht's doch letztendlich: Dass man sich nicht unterkriegen lässt und bei allen Tragödien, die das Leben bereit hält, jede Last schultern kann. Oder nicht?
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