Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Erstklassiger Exot unter den Gentle Giant-Alben, 9. September 2000
Von Ein Kunde
"Octopus", Album Nummer Vier der britischen Rock-Exzentriker Gentle Giant, präsentiert sich in mancherlei hinsicht anders als seine Vorgänger. Die Truppe um die drei Shulman-Brüder gibt sich zwar nach wie vor dissonant und schwerverdaulich, was das Album jedoch herausragend unter den Giant-Werken macht, ist seine Vielfältigkeit. Eine Ballade wie "Think of me with Kindness" oder eine spassige, schlagzeugfreie Angelegenheit wie "Dog's Life" gab es von den Engändern zuvor nicht zu hören und stellen eine angenehme Variation des bisherigen Stils dar. Abgesehen davon sind alle Trademarks der Band vertreten, und die Fusion von Jazz, Progrock, Mitsing-Melodien (ja, auch die!) und Klassik- und Mittelalteranleihen ist nun endlich ganzheitlich und überzeugend gelungen, wobei diese Elemente in diesem unnachahmlichen, typischen Collagenstil, der die Band so prägte, aneinandergefügt werden. Für Gentle-Giant-Neulinge und solche, die sich etwas näher mit den Sternstunden des 70er-Artrock befassen wollen, ist "Octopus" unbedingt empfehlenswert.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sprachlos... Ideen-Overkill in 34 Minuten, 6. November 2007
Gentle Giant kannte ich bis vor kurzem nur vom Hörensagen, wurden sie von Insidern doch immer in einem Atemzug mit Van Der Graaf Generator oder Jethro Tull genannt. Das Album Octopus ist bisher das Einzige, das ich von Gentle Giant besitze, aber ich denke, es wird nicht mein letztes Album von der Band sein.
Ich war zunächst vom Ideen-Overkill völlig überfordert, obwohl ich selbigen ja durch Jethro Tull (zu "A Passion Play" Zeiten) oder Van Der Graaf Generator gewöhnt war. Nur was Gentle Giant hier fabrizieren... In kurzen Songs mehr Prog-Rock hineinstopfen, als andere Bands es in 20 Minuten Longtrack vermögen. Achterbahnfahrt der Instrumente. Mittelalterlicher Minnesang, Jazzgefrickel. Funkig angehauchter Rock Groove. Hammond Orgel, Geige, Cello, Blockflöte, Xylophon, mehrstimmiger Akappela Gesangsakrobatik, etwas Trompete, sich unabhängig voneinander umgarnende Melodien, sparsam eingesetzte E-Gitarre, pumpender Bass, sehr akzentuiertes Drum-Spiel im besten Bruford-Stil. Hier und da schimmern trotz aller Komplexität die Beatles durch mit Mitsingmelodien, die sich im Klangdschungel herauskristallisieren.
The Advent Of Panurge sei als herausstechender Song genannt, der eben alle oben genannte Elemente vereint. Eingeleitet von einer halsbrecherischen Gesangsakrobatik, der man kaum folgen kann. Sehr dezentes, jazziges Gitarrenspiel, ein veworrenes Rhythmus-Gerüst, Jazz trifft Mittelalterlichen Minnesang.
Auch "The Boys In The Band" ist ein halsbrecherisches Instrumental, welches beim ersten Hören den Hörer eher abschreckt, sich bei intensiven Hörkuren aber langsam steigert. Hier spielen scheinbar alle aneinander vorbei und doch alle zusammen. Ein Jam. Strawinsky-Dissonanz trifft Prog.
"Think Of Me With Kindness" ist das balladeske und melodische Gegengewicht zu so viel Exzentrismus. Ruhig, erhaben, angenehm, umschmeichelnd. Klavierdominiert.
"Knots"... Eine Achterbahnfahrt für die Ohren. Gentle Giant loten hier das aus, was Yes später mit ihrem Song "Soundchaser" (1975) oder Jethro Tull mit ihrem Semi-Musical-Prog "A Passion Play" (1973) fortführen würden. Kaum zu greifen, amorph und dennoch präsent. Hier spielen die Musiker miteinander offenbar Räuber und Gendarmen und ihre Instrumente verfolgen sich gegenseitig, umgarnen sich, drehen sich im Kreis oder beschreiben verworrene Kurven. Hat etwas von Van Der Graaf Generator, klingt aber weniger organisch, weil sich nicht so leicht nachvollziehen lässt, wer hier grade welches Instrument spielt.
Alles in Allem ist "Octopus" sicherlich ein einzigartiges Album, welches sich nur schwer in Worte fassen lässt und Lust auf Mehr macht. Meine Kaufempfehlung hat das Album der Schulman Brüder.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Höchst unterhaltsam, 25. März 2008
"Octopus" war nach "Three Friends" das vierte Album von Gentle Giant und erschien wie das Vorgängeralbum im Jahre 1972. Musikalisch knüpft "Octopus" aber an "Acquiring the Taste" an, der zweiten Veröffentlichung der Gruppe aus dem Jahre 1971.
Während "Three Friends" ein Konzeptalbum mit einer durchgängigen Thematik war, zeigt der achtarmige "Octopus" ein buntes Kaleidoskop von perfekten musikalischen Bravourstücken, ungemein unterhaltsam, abwechslungsreich und virtuos. Gentle Giant brillieren zwischen madrigaler Musik, Klassik, Jazz, Rock und Blues und zeigen, was sie auf unzähligen Instrumenten und in vielfältigen Kompositionstechniken können. Jedoch fehlt nach meinem persönlichen Geschmack im Vergleich zu "Three Friends" ein bißchen die Kohäsion zwischen den acht Tracks, so wie es auf den beiden Folgealben, "In a Glass House" (1973) und "The Power and the Glory" (1974), wieder gelang.
Für viele Fans ist "Octopus" jedoch das beste Album von Gentle Giant, und ganz sicher eignet es sich hervorragend als Einstieg in das ¼uvre dieser Band.
Alle acht Titel hätten eine eingehende Würdigung verdient, herausheben will ich jedoch folgende kleinen Kunstwerke:
- Im Opener "The Advent of Panurge" wechseln sich zarte mittelalterliche Klänge mit Passagen ab, in denen fetziger Gesang über einen hämmernden Klangteppich aus Perkussion sowie Klavier- und Hammondorgel-Tönen gelegt wird. Unirdisch fremd, aber geradezu atemberaubend klingt es, wenn sich durch einen Phaser behandelter Chorgesang mit dem wabernden Untergrund mischt. "The Advent of Panurge" war immer schon aufregend, hat aber vom Remastering noch einmal deutlich gewonnen. Man hört nun selbst auf einer mittelprächtigen Anlage deutlich die Anschläge auf den Tasten und den Drums.
- "The Boys in the Band" ist bei einer Truppe von überwiegend klassisch ausgebildeten Multiinstrumentalisten erstaunlicherweise einer der ganz wenigen reinen Instrumentalstücke geblieben - und hat es dafür aber in sich. Das lustig-verspielte und schön zwischen Synthesizer-Linien und E-Gitarre ausbalancierte "The Boys in the Band" ist abwechslungsreicher als komplette Alben anderer Gruppen. Im zweiten Teil überrascht ein hinreißendes Synthesizer-Solo von Kerry Minnear, in dem er eine Tin Whistle imitiert. (Damals brauchte man noch einen "Programmierer" für den Moog, wofür die Gruppe Mike Vickers engagierte.) "The Boys in the Band" weckt Erinnerungen an die HR-"Anti-Hitparade" von Volker Rebell, der viel dazu getan hat, Gentle Giant in Deutschland bekannt zu machen.
- "Think of Me with Kindness" ist ein Liebeslied, in dem Kerry Minnear mit zart-melacholischer Stimme das Ende einer Beziehung besingt. Balladenhafte Strophen wechseln sich ab mit orchestral-hymnischen sowie schmerzlich-quälenden Passagen und tun so in typischer Gentle-Giant-Manier ein übriges dazu, dass kein Kitsch, aber auch kein Charthit entsteht. Für mich schon damals eines der schönsten Liebeslieder.
Titel wie "Knots" sind vertrackt bis an die Grenze der Erträglichkeit und Aufnahmefähigkeit, obwohl die Kompositionen auf "Octopus" insgesamt griffiger und kompakter wirken als die vorherigen Veröffentlichungen.
Die remasterte Edition von Repertoire aus dem Jahr 2007 im schönen Digi Sleeve lässt keine Wünsche offen. Wie es sein soll, blieb das ursprüngliche Arrangement absolut unverändert und kommt nun in seiner ganzen Pracht zur Geltung. Im Unterschied zu "Three Friends", das damals vorher schien, aber in der remasterten Version ein Jahr später, erscheint mir die "Octopus"-Ausgabe durch die Repertoire-Tontechniker etwas mehr geglättet worden zu sein.
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