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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Gigantisches Programm, eindrucksvoll bewältigt, 2. Juli 2000
Bei dem Concerto für Solo-Klavier von Charles-Valentin Alkan handelt es sich um die Etüden Nr. 8-10 aus dem Zyklus op. 39, der mit seinen über 800 Seiten Notentext alle Dimensionen des herkömmlichen Etüden-Konzeptes sprengt und neben dem vorliegenden Konzert auch noch eine komplette Sinfonie und Ouvertüre für Solo-Klavier beinhaltet. Allein der erste Satz des Concertos nimmt fast eine halbe Stunde in Anspruch, und auch im folgenden ist der Interpret regelmäßig vor kaum überwindbare Schwierigkeiten sowohl in technischer als auch in mentaler Hinsicht gestellt. Technisch, weil Alkan - ein Zeitgenosse von Chopin und Liszt - in seinem Stück alle nur erdenklichen Schwierigkeiten integriert hat; mental, weil es trotz seiner Länge stringent durchkomponiert ist und so von dem Pianisten eine vollkommene Beherrschung des Grundmotivs und dessen Abwandlungen verlangt, um eine in sich geschlossene Interpretation zu erzielen. - Vom ersten Satz des Concertos existiert übrigens auch eine Fassung für Klavier und Orchester (Orchestrierung von Klindworth, Aufnahme bei Naxos). Marc-André Hamelin ist ohne Einschränkung der ideale Interpret für ein Werk von solch gigantischen Ausmaßen; dies hat er auch bei anderen Alkan-Aufnahmen unter Beweis gestellt (etwa die Sonate oder zwei Kammerkonzerte bei Hyperion). Er verfügt über die notwendige überragende Technik, die es ihm erlaubt, auch einen intellektuellen Zugriff zu dem Werk zu erlangen, ohne von den physischen Problemen zu sehr abgelenkt zu werden. Dies gelingt ihm hervorragend, und es ist eindrucksvoll zu beobachten, wie quasi ein komplettes Orchester plus Solist von einem einzelnen Instrument ersetzt werden. Dabei bleiben Stimmführung und motivische Verschachtelungen immer klar hörbar, selbst in den anspruchsvollsten Passagen. Was die technische Beherrschung des Stückes anbelangt, geht Hamelin nach meinem Ermessen noch über das hinaus, was Jack Gibbons in seiner beispielhaften Interpretation geboten hat (bei ASV). Die einzige Einschränkung des Hörvergnügens ist die Tonqualität: bei lauten Passagen scheppert es deutlich, scheinbar wurde das Mikrofon übersteuert - ein Fehler, der eigentlich nicht passieren dürfte. Ansonsten kann ich diese CD jedem empfehlen, der sich einmal näher mit der Klaviermusik des sträflich vernachlässigten Charles-Valentin Alkan beschäftigen will - ein höchst lohnendes Unterfangen.
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