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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Meilenstein im Wandel zur Supergroup, 27. November 2005
2005 und eine Kritik zu RATTLE AND HUM“? Das ist doch schon alles gesagt. Oder auch nicht. Denn eine Retrospektive ist eben erst viel später möglich.Als dieses Album 1988 erschien, war es für die einen Offenbarung und für die anderen Verrat an den Gewohnheiten. Fakt ist: RATTLE AND HUM ist der Wendepunkt von den New Wave geprägten Inselrockern, die mit „Sunday bloody Sunday“ Zeichen setzten, hin zu polyglotten Pop-Rockern. Die Öffnung in Richtung „Achtung Baby“ „Zooropa“ oder „Pop“ wäre ohne dieses Werk schlicht unmöglich gewesen. Insofern stellt RATTLE AND HUM das wohl wichtigste Album von U2 dar. Es ist der Grundstein für eine der erfolgreichsten Rockbands unserer Zeit. Andererseits ist fraglich, ob sich diese Beurteilung auch rational auf die Musik übertragen lässt. Bono hat damals zu seiner Reise in die USA und den Treffen mit Musikern wie Keith Richards und Bob Dylan gesagt, das es ihm den Unterschied von der Musik U2s', zur Musik dieser Leute gezeigt habe. Ein Lied von Keith Richards oder Bob Dylan könne man jederzeit und überall auf einer akustischen Gitarre spielen. Ein Song von U2 ließe sich nur im Gruppensound zusammen mit The Edge reproduzieren. Folglich hat Bono die neuen Einflüsse (was ja eigentlich alte sind) genutzt, um entsprechende Lieder zu schreiben und ein paar Coverversionen aufzunehmen. „Helter skelter“ von den Beatles und „All along the watchtower“ von Dylan wird nichts Neues hinzugefügt. Was machen Bono und seine Mitstreiter also sonst aus den hinzugewonnenen Eindrücken? Sie bedienen sich in teilweise unverschämter Weise am Original. So bei „Angel of Harlem“. Das Intro ist „Like a rolling stone“ von Bob Dylan doch sehr - sehr nahe. Daneben bietet der Song noch Memphis Soul Elemente als Reminiszenz an das Schwarze Amerika. „Desire“ lässt den Junglebeat von Bo Diddley auferstehen und „When love comes to town“ ist ein Bluesrock, den allein die Mitwirkung von B.B. King rechtfertigt. Wohlgemerkt: Schlecht ist das wirklich nicht, aber auch nicht originell! Erster Höhepunkt des Albums ist der neue Song „Van Diemen’s Land“, über die irischen Auswanderer, die im gelobten Land Arbeit und gerechte Bezahlung zu finden hofften. Eine herrliche, irische Volksweise aus neuer Feder. Zweiter und absoluter Höhepunkt ist die Live-Version von „I still haven’t found what I’m looking for“ mit Gospelchor. Hier zelebrieren U2 eine Stadionmesse und zeigen, dass sich doch mehr Tradition in ihren Kompositionen versteckt, als oft vermutet wird. Fazit: RATTLE AND HUM hat tolle, aufregende Musik zu bieten. Es ist das bis dato abwechslungsreichste U2 Album. Für U2 ein Meilenstein, ansonsten aber einfach klasse Musik.
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