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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Oper ohne Libretto, streng historische Aufführung, 2. Mai 2003
Diese CD ist die Wiederveröffentlichung einer ursprünglich auf LP erschienenen Aufnahme aus dem Jahre 1981. Ihr haftet, das muss man von vornherein sagen, ein Makel an, der einer Opernproduktion wirklich nicht gut ansteht: Das Libretto wird nicht mitgeliefert, man bekommt lediglich einen knappen englischsprachigen Begleittext und ein paar Anmerkungen zu den Akteuren. Schade, denn für diese beliebte Aufnahme, die der britischen Fernuniversität zu Unterrichtszwecken dient, spricht sonst einiges: Andrew Parrott versucht, den Bedingungen der Uraufführung an einem Londoner Mädchenpensionat nahe zu kommen. Er verwendet Originalinstrumente und lässt alle Rollen außer Aeneas von Frauen singen. Diese setzen Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis um und verzichten auf unnötiges Vibrato usw.Für mich am interessantesten waren die Hexen und insbesondere die Sorceress. Jantine Noorman und ihre Begleiterinnen fassen ihre Rolle durchaus wie in einem Grusical auf und verstellen bzw. verzerren ihre Stimmen so, dass einem davon ganz anders werden kann. Bedenkt man jedoch, dass zu Purcells Zeiten die Hexenverfolgungen und der Hexenwahn erst kürzlich beendet worden waren, dann passt das - auch wenn der ganze zweite Akt für den heutigen Hörer gerade deshalb Züge des Urkomischen annimmt. Ich war allerdings schon einmal bei einer nicht-szenischen Aufführung von "Dido und Aeneas" dabei, und da haben die Zuhörer durchweg positiv auf eine ähnliche Umsetzung reagiert. Als Dido glänzt Emma Kirkby mit ihrer klaren, reinen, unschuldigen Stimme. Allerdings muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich die Schlussarie "When I am laid in earth" noch überzeugender finde, wenn sie von einer kräftigeren, "erwachsener" klingenden Stimme (beispielsweise Anne Sofie von Otter oder Della Jones) gesungen wird. Die anderen Rollen werden hier ebenfalls zufrieden stellend gesungen, nur der "erste Matrose" klingt blutleer, aber hier war aufgrund des Konzepts ein Mitglied des verhältnismäßig kleinen Chores gefragt. Instrumental ist die Begleitung auf Instrumenten der Epoche köstlich. Parrott hat an zwei Stellen Gitarrenmusik eingesetzt, wo die heute überlieferten Handschriften Lücken aufweisen. Für Kenner, die eine zweite, der historischen Aufführungspraxis verbundenen Einspielung suchen, wäre diese CD eine gute Möglichkeit. Wer "Dido und Aeneas" noch nicht kennt, sollte vermutlich besser zu einer neueren Produktion (Hogwood, McGegan, Christie) greifen, die ein Libretto mitliefert.
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