Besprechung in der Juristenzeitung Nr.11, Seite 570 1999 von Professor Dr. Ilse Staff, Frankfurt/M
J.H.H. Weiler, Professor für Europarecht an der Harvard Universität in Cambridge, Mass., und am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz , hat einen Essay vorgelegt, der kein juristisches Werk ist und doch in die rechtswissenschaftliche Bibliothek gehört. Dies nicht, weil sich "Der Fall Steinmann" im Ambiente der juristischen Fakultät einer deutschen Universität abspielt (wobei die Namen von Universität und Professoren diskret chiffriert werden), sondern weil das Buch das Verhältnis von Juden und Nicht-Juden als Grundakkord behandelt, der das öffendliche und damit auch das universitäre Leben in Deutschland spätestens seit 1933 - ob bewußt oder unbewußt - begleitet hat und noch begleitet.
Kurzbeschreibung
Theodor Steinmann, angesehener und beliebter Professor des öffendlichen Rechts an einer unserer führenden juristischen Fakultäten, tritt vorzeitig in den Ruhestand. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von einem Skandal. Ein junger Kollege, sein früherer Assistent und Lieblingsschüler, kommt auf einer langen Reise, die ihn nach Bremen, Oxford und London führt, allmählich hinter das Geheimnis. Unter der Oberfläche des sich entfaltenden Geschehens findet eine andere Reise statt. Sie erkundet ruhig und einfühlsam einige der dunkleren Seiten unseres Universitätslebens, der Freundschaft und der Ehe, der Autorität und der moralischen Wahl. Auf all dies wirft jene Vergangenheit, die niemals vergeht, ihren Schatten.