Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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5.0 von 5 Sternen
Hervorragende Storykollektion, 26. April 2008
Geringer hingegen ist die Zahl der Texte, welche nicht dem Pfad des realistischen Horrors folgen - aber deswegen keineswegs an Qualität einbüßen. So liefert Gruber mit Duke Manór" eine Gespenstergeschichte nach klassischem Muster: ein altes Herrenhaus, in welchem der Protagonist immer tiefer in den Sog jenseitiger Mächte gezogen wird ...
Im August 2000 als neunter Band der Reihe Medusenblut" vom gleichnamigen Kleinverlag auf den Markt gebracht, belegte Der fünfte Erzengel" beim Deutschen Phantastik Preis 2001 den vierten Platz in der Kategorie Beste Anthologie bzw. Kollektion", die gleichnamige Titelgeschichte heimste des Weiteren den fünften Platz als Beste Kurzgeschichte" ein. Dass sich nun jene Fans, an denen diese exquisite Sammlung aufgrund ihrer kleinen Auflage vorbeigegangen ist, ein Bild machen können, verdanken sie dem Medusenblut-Mastermind Boris Koch, der zusammen mit dem Shayol-Verlag eine Neuauflage auf die Beine stellte. Diese Initiative nahm Andreas Gruber wahr, um einerseits seine Stories zu überarbeiten und Kinderkrankheiten auszumerzen, andererseits aber auch, um Koch in Form eines Vorwortes für die Möglichkeit der Wiederauflage seinen Dank kundzutun. Darüber hinaus beschreibt der Autor schmunzelnd seine ersten Gehversuche im Fandom, seine ersten unsicheren Veröffentlichungen in Fanzines und seiner Überraschung, als er von den Nominierungen von Der fünfte Erzengel" hörte.
Franz Rottensteiner bezeichnete Gruber im Quarber Merkur" einmal als Vollbluterzähler, der weiß, wie er eine Geschichte gestalten muss, damit sie den Leser fesselt" - und sagt damit schon das Wichtigste über die vorliegende Geschichtensammlung aus. Auch wenn die neun Stories stilistisch noch nicht so ausgefeilt sind wie spätere Kurzgeschichten und Novellen des Autors, so wissen sie doch die Fesseln der Spannung um den Leser zu legen und sie erst wieder zu lösen, wenn das Buch zugeklappt wird. Gerade hier liegt aber gleichzeitig der Hund begraben: Zu schnell hat man die gut 140 Seiten durch, allzu bald steht Der fünfte Erzengel" im Regal zwischen anderen Meistern des Horrors, hinter denen sich Grubers Werk wahrlich nicht zu verstecken braucht, und man muss sich auf die Suche nach neuem Lesestoff begeben. Doch bis es soweit ist, muss der Leser erst einmal eine wahre Achterbahn des Grauens überstehen, in welcher Gruber es brillant versteht, seine Protagonisten dem Leser näher zu bringen. Ja, er vermag es sogar, für Figuren wie etwa sein Hannibal-Lector-Äquivalent Verständnis und Mitgefühl aufzubringen. Die Motive des Schreckens, die Gruber hierbei heraufbeschwört, sind keineswegs neu, geschweige denn innovativ. Vielmehr versteht es der Autor, sie gekonnt in einem modernen Umfeld einzubetten und ihnen somit neue Perspektiven abzugewinnen.
Layout und Lektorat haben gute Arbeit geleistet, die geringe, an einer Hand abzählbare Zahl an Lektorats- und Layoutfehlern tut dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Der Preis von 12,90 Euro mag für 140 Seiten anfangs etwas hoch angesetzt wirken, rentiert sich aber für den Liebhaber düsterer Phantastik und blanken Entsetzens allemal.
Insgesamt darf Der fünfte Erzengel" als hervorragende Storykollektion gesehen werden, die subtilen Horror mit altbewährten Sujets, einer von Geschichte zu Geschichte variierenden Prise Seelenstriptease, einem wohl dosierten Schuss österreichischen Lokalkolorits und nahezu tausend Volt Spannung verbindet. Es darf ohne schlechtes Gewissen zugegriffen werden, aber es wird empfohlen, nicht alle Geschichten auf einmal zu konsumieren, denn wie beendet Andreas Gruber sein Vorwort: Und nun wünsche ich Ihnen viel Vergnügen mit den vorliegenden neun Geschichten. Mögen sie Ihnen den Schlaf rauben ..."
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wahn und Wahnsinn, 3. Februar 2005
Die Neuauflage der ersten Storysammlung des Österreichers Andreas Gruber ist eine Kooperation der Verlage Medusenblut und Shayol. In seinem amüsanten Vorwort berichtet Gruber von seinen ersten Gehversuchen im semiprofessionellen Literaturzirkus, danach lässt er seine oft atmosphärisch dichten und unheimlichen Geschichten für sich sprechen. Es sind seine ersten Gehversuche, darum wirken einige der Storys atmosphärisch und stilistisch fast schon überladen und manchmal möchte Andreas Gruber zu viel in eine kleine Geschichte pressen. Trotzdem ist die deutliche Motivation zu spüren, etwas klassisch zu erzählen und seine Leser zu begeistern. Je länger die einzelnen Texte sind, um so sicherer und unterhaltsamer fliesst der Stoff und um so vielfältiger erscheint die Geschichte. Mit der Novelle - hier nur bei drei Texten angedeutet - hat Gruber seine ideale Form in späteren Sammlungen gefunden. Seine Lehrmeister in den hier vorliegenden Geschichten sind weniger die bekannten Epigonen wie Poe oder Lovecraft, sondern die Phantastik der jungen und schnell sterbenden Weimarer Republik. Filmemacher wie Veidt, Lang und Autoren wie Ewers oder Frey haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen und geschickt verbindet Gruber diese Strömungen mit den Schrecken der Gegenwart. Eine interessante Geschichtensammlung, ein junger ambitionierter Autor, der in seinen weiteren Werken einige der Schwächen dieser Sammlung mit seiner erzählerischen Stärke ausgleichen konnte.
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