Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Gift der Illusionen, 3. Mai 2004
Es wirkt besonders, wenn Du wie Sylvie und Jerome dein Studium abgebrochen hast. Wenn du jung warst, voller Illusionen, ungeduldig. Wenn du nicht warten konntest, alles gleich haben wolltest. Wenn du deinen Träumen von Selbsterfüllung und unbegrenzter Freiheit nachgestürzt bist. Wenn du (wie fast dein ganzer Freundeskreis) in der Werbung gelandet bist, lifestylig, zeitgeistig, trendy, cool, verzweifelt. Wenn du konsequenterweise selbst dem Konsum verfallen bist, so sehr, dass er dir als Religionsersatz dient, dass er längst deine Werte und Maßstäbe prägt. Dieses Buch ist nicht „39,90", das auch von Werbung handelt und das auch ein Franzose geschrieben hat, Frederic Beigbeder. „Die Dinge" erzählt keine Geschichten über die Dekadenz der Branche, ist keine Nabelschau der Reklame. Es erzählt die Geschichte zweier junger Konsumenten, die sich gerne verführen lassen, die das Glück in den Dingen finden zu können glauben. „Die Dinge" wurde vor fast 40 Jahren geschrieben, 1965, aber es gilt immer noch alles. Natürlich ist die Gier heute nicht mehr so nackt. Heute hat fast jeder alles. Aber das macht es nur schwieriger. Konsum, auch über die eigenen Möglichkeiten hinaus, gilt schon als staatstragend: In seinem „konsumistischen Manifest" spricht der Zukunftsforscher Prof. Norbert Bolz davon, dass es deutlich unangenehmere Lebensentwürfe gebe als hemmungslosen Konsumismus, dass nach dem Rückzug von Religion einzig der Konsumismus imstande sei, demokratische Gesellschaften westlicher Prägung zu stabilisieren. Georges Perec hält dagegen: „Jene, die nur leben wollen, und den Sinn des Lebens allein in der größten Freiheit, der Jagd nach dem Glück, der ausschließlichen Befriedigung ihrer Wünsche und Triebe, der sofortigen Nutzung der unbegrenzten Reichtümer der Welt sehen, (...) werden immer unglücklich sein." Wir wollen ihm Recht geben, handeln aber selbst nicht danach. Wir werden so weiter machen. Der Professor hat wohl Recht. Stabilität bedeutet weder Glück noch Zufriedenheit. Nur Arrangement. Es ist eine Geschichte der Dinge, zugleich eine Geschichte der Wünsche, der Illusionen, dem Glauben an ein Paradies auf Erden, an ein materialistisches Paradies. Es ist eine Geschichte zweier Menschen, die feststellen müssen, dass es doch nicht die Dinge sind, die ein glückliches Leben ausmachen. Aber eine andere Antwort können sie nicht geben. Es endet in jenem Arrangement, auf das alle sich einlassen, wenn sie älter werden. „Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben." Das ist von Mark Twain und noch viel älter als Georges Perec. Gilt auch immer noch...
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8 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf der Höhe der Zeit: Georges Perecs "Die Dinge", 2. April 2002
Lange bevor die hochgelobten Erfinder der Elementarteilchen, die Ausweiter der Kampfzonen und die 39,90-Verkäufer ihren Weg antraten, hat Georges Perec in grandioser Weise, auf 140 äußerst dichten Seiten alles zum Thema Konsum und Desillusionierung gesagt. Dieser Roman, den Manholt in einer sehr guten überarbeiteten Übersetzung herausgebracht hat, ist heute in den Zeiten der Handy-Generation aktueller denn je. Ich empfehle, davor Flauberts "Lehrjahre des Gefühls" zu lesen. Perec schreibt gewissermaßen die Fortsetzung für die Mitte des 20. Jahrhunderts.
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