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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Interessant, aufschlussreich und schockierend, 14. September 2005
Der Begriff „Terrorismus" war in Deutschland noch nicht bekannt, als die RAF mit ihren ersten„Aktionen" begann. Einige Zeit später war dieses Wort in aller Munde. Keine terroristische Vereinigung hat Deutschland je so im Atem gehalten wie die Rote Armee Fraktion - fast dreißig Jahre lang verbreitete sie mit Entführungen, Morden, Anschlägen und Überfällen Angst und Schrecken. Fast jeder kennt das schwarz-weiße Bild, auf dem Hans Martin Schleyer zu sehen ist, über ihm das Logo der RAF, er mit einem Schild in der Hand, auf dem mit Filzstift geschrieben steht „Gefangener der RAF". Was Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof begannen, führten ihre „Kinder" und „Enkel" fort - bis zur Selbstauflösungserklärung 1998. Gerade diese drei sind, weil sie eben die führenden Köpfe und gleichzeitig die „Gründerväter" der RAF waren, die bekanntesten Mitglieder der Roten Armee Fraktion. Doch schon sehr bald übernahmen andere die Führung...Butz Peters liefert mit seinem Buch „Tödlicher Irrtum" einen überaus detaillierten und interessanten Einblick in die Geschichte der RAF. Vom Anfang bis zum Ende. 800 Seiten berichten über die RAF, gegliedert nach Generationen. Insgesamt drei Generationen gab es bei der RAF: die erste Generation, die Gründer, zu der Baader, Ensslin und Meinhof zählten, wollte eine Revolution in Deutschland auslösen. Die zweite Generation wollte mit Anschlägen und Morden die Häftlinge der ersten Generation freipressen. Die dritte Generation führte den Kampf für eine Revolution fort -bis zu ihrer Selbstauflösungserklärung 1998. Butz Peters hat sein Werk mit zahlreichen interessanten Bildern, Dokumenten und Schaubildern gespickt, die anschaulich die Geschichte der RAF unterstreichen. Gleichzeitig beleuchtet er die Hintergründe der einzelnen Terroristen, spricht über deren Kindheit und Jugend und kommt auch auf eher unbekannte Dinge zu sprechen. Die große Seitenzahl mag zwar abschrecken, ist aber notwendig, um alles, was um die RAF herum geschah, detailliert und genau zu erfassen. Teilweise schockierend, teilweise überraschend und sehr aufschlussreich wird hier ein erschreckendes Bild der RAF geliefert - und zeigt bereits bekannte Menschen in einem ganz anderen Licht, so die hohe Verantwortung, unter der Helmut Schmidt damals stand, aber vor allem Otto Schily, der den Terroristen um Baader als Verteidiger hilfreich zur Seite stand und einige ihrer Aktionen sogar befürwortete (!). Geschichtsinteressierte oder neugierige Leser, die ein wenig mehr über die RAF erfahren wollen oder nur die Begriffe Landshut-Entführung, und Schleyer-Entführung mit der RAF verbinden, liegen hier richtig. Das Buch ist wirklich empfehlenswert und liefert ein unheimlich interessantes Bild der größten deutschen terroristischen Organisation.
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20 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessante aber leider voreingenommene Geschichtsstunde, 22. Juli 2005
Nach Austs Buch DER BAADER-MEINHOFF-KOMPLEX nun ein weiterer Versuch, die Geschichte der Rote Armee Fraktion darzustellen. Butz Peters, ehemaliger XY-Moderator und Rechtsanwalt, hat dieses sehr umfassende und detaillierte Werk verfasst. Dabei stützte er sich im wesentlichen auf Gerichts- und Ermittlungsakten und auf Presseberichte. Herausgekommen ist eine sehr fundierte und interessant geschriebene Gesamtdarstellung des westdeutschen Terrorismus, die von den Anfängen der RAF in der Studentenbewegung bis hin zur Selbstauflösung reicht. Für alle, die sich über das Thema informieren wollen, sicher ein interessantes, weil umfassendes Buch. Für alle die hinter die Kulissen blicken wollen, ist das Werk jedoch etwas dünn. Peters bleibt sehr bei der reinen Faktendarstellung hängen und vernachlässigt die Analyse. Kritisch zu bewerten ist, dass er sich sehr gläubig auf die Gerichtsurteile stützt, obwohl bekannt ist, dass vor allem die frühen Gerichtsurteile oft falsche Tatzuweisungen oder Sachverhaltsfeststellungen enthalten. Was mir gar nicht gefallen hat ist der manchmal reißerische Schreibstil Peters. Wie will er denn z.B. wissen, ob Baader bei einer Tatplanung gegrinst hat oder was einzelne Beteiligten, mit denen er ja nicht gesprochen hat, dachten. Da verfällt der Autor dann in Spekulationen. Ärgerlich, aber bei dem politischen Hintergrund von Peters zu erwarten, die deutliche Voreingenommenheit des Autors, der die teilweise überzogene Reaktion der Staatsmacht und vor allem der Medien (die ja inzwischen sogar beteiligte Politiker bedauern) nur am Rande erwähnt. Peters geht es deutlich darum die RAF als kriminelle bande verwirrter Wohlstandskinder darzustellen. Damit mag er sogar recht haben, das Phänomen des Terrorismus erklärt er damit aber nicht. So muß man dann 30 Jahre nach dem Deutschen Herbst immer noch auf eine objektive und historische genaue Darstellung und Analyse des Phänomens "RAF" warten. Dieses Buch ist sie nicht.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Chronologie einer Ära, 15. März 2007
Vage kann ich mich noch daran erinnern, wie die Terroristen das Land in Angst und Schrecken versetzen und noch recht gut kann ich mir die Fahnungsplakate ins Gedächtnis rufen, die während meiner Kindheit in den 70er Jahren überall hingen.
Aus dem Bedürfnis heraus, sich nochmal ein Bild aus dieser Zeit zu machen, aber auch, um die Motivation der Menschen zu hinterfragen, die damals gnadenlos mordeten und versuchten, den Staat erpreßbar zu machen, habe ich mir das Buch gekauft - und bin nicht enttäuscht.
Butz Peters (der kurzzeitig als Nachfolger von Eduard Zimmermann "Aktenzeichen XY ungelöst" moderierte und diesen Job m.E. sehr gut machte) hat hier einen chronologischen Ablauf der Geschehnisse genauestens dokumentiert. Des weiteren hat er eine Art Personenprofile erstellt, indem er den Lebenslauf einzelner TerroristInnen aufzeigt und mit Bildern dokumentiert. Er zieht Bilanz über die Opfer und zeigt politische Hintnergründe auf. Zeitweise hat man das Gefühl in den damaligen Zeitgeist einzutauchen... Kurz: eine gute, detaillierte Dokumentation.
Einziger Wehrmutstropfen war für mich persönlich der Sprachstil, der mich an die stichpunktartige Kommentare erinnert. Hier ein Beispiel: "28. April 1974. Sonntag in Stuttgart-Mannheim. Kurs nach acht. Horst Bubeckblickt aus einem vergitterten Fenster. Er wartet auf den Hubschrauber." War für mich - jemand der lieber Wortspielereien liest - auf 800 Seiten nicht unbedingt ein literarisches Meisterstück, doch das sollte den Interessierten nicht davor abschrecken, sich dieses Buch zu kaufen.
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