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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Herrvorragend in Sprache und Aufbau, 31. Januar 2006
An dieser Stelle möchte ich gleich vorweg schicken, dass ich hier nicht von „Millesis meisterhafter Erzählung“ sprechen werde, denn das hat bereits ein anderer Rezensent anlässlich eines anderen Buches des Autors getan, obwohl es in diesem Fall durchaus zutreffen würde, vielleicht sogar noch mehr an Berechtigung hätte. Ich werde es auch nicht als reifes Werk bezeichnen, da mir das bei einem verhältnismäßig jungen Autor, der uns hoffentlich über die kommenden Jahre noch viele Bücher schenken wird, unangebracht erschiene. Ich will lieber beginnen, mich der Handlung zuzuwenden: Was als Mordplan eines wissenschaftlich unbedeutenden Historikers beginnt – der Erzähler weiht den Leser bald in seinen Plan, sich eines leidigen Kontrahenten zu entledigen, ein – entwickelt sich zu einer Art Seelenstriptease, bei dem der Erzähler alle Stationen seines bisherigen Leidensweges darstellt. Von der ersten Begegnung mit dem jungen Kollegen Allmeyer, über dessen Jugend und seinen strahlenden Erfolg in einem Bereich, den sich eigentlich der Erzähler zugedacht hätte, und auf den er immer noch (vergeblich) wartet, bis zu den zuletzt erlittenen Demütigungen. Auch der Wetteifer um die (Be)Achtung der rassigen Buchhandlungsangestellten verschärft den Konflikt (der allerdings ein einseitiger ist). Wir erfahren dabei auch viel über uns selbst. Bei kritischer Selbstreflexion fällt auf, dass uns dieses Neidgefühl nicht ganz fremd ist. Wie oft litten wir schon darunter, dass sich bei einem Mitstreiter Erfolg einstellt, während die Früchte unserer eigenen Arbeit regelmäßig zu verdorren scheinen. Diese Darstellung des verletzten, manchmal in Selbstmitleid vergehenden Antihelden hat teilweise viel Ironie, aber auch entsprechende Tragik zu bieten. Eine überraschende Wende nimmt die Handlung gegen Ende ein. Millesi schafft es trotz manchmal weitschweifender Ausflüge in die Seelen- und Gedankenwelt des Erzählers mit flüssigem Stil zu überzeugen. Nie hat man das Gefühl, die Handlung reibe oder komme gar zum Stillstand. Seine Sprache ist dicht, ohne dabei überladen zu sein. Jedes Wort, jede Metapher sitzt, wie die korrekt gesetzte Note einer perfekten Komposition. Dieses Buch ist aber auch unter einem anderen Aspekt lobenswert, beschäftigt sich der Autor doch mit der dunklen, bislang kaum aufgearbeiteten Epoche der Zwischenkriegszeit, dem Ständestaat. Ohne belehrend zu sein, richtet sich der Fokus auf die gesellschaftliche Entwicklung und auf die Herausbildung der beiden (politischen) Blöcke, die letztlich zum Austrofaschismus geführt haben. Dabei wird dieses Thema geschickt über eine Auseinandersetzung mit dem Arbeitsstil Allmeyers, der anlässlich eines zufällig gefundenen Briefes aus der damaligen Zeit einen viel beachteten Artikel in dem Wissenschaftsmagazin (schlechthin) publiziert hat, eingeflochten. Es wird auch die (wissenschaftstheoretische) Frage aufgestellt, was stärker zählt: Die (historische) Quelle, was Allmeyers Stil entspricht, oder die daraus gezogenen wissenschaftlichen Schlüsse. Zur Gesamteindruck will ich schlussendlich noch anmerken, dass das Buch auch von der Aufmachung her überzeugt. Es ist schön, wenn ein derart junger Verlag, der Titel abseits des (kommerziellen) Mainstream verlegt, auch Wert auf die äußere Gestaltung eines Buches legt. Millesis Erzählungen sind Edelsteine. Werden sie im Luftschacht Verlag veröffentlicht, sind sie geschliffene Diamanten.
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