Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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47 von 52 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch zum nachdenklich werden., 22. Juni 2005
Es sind jetzt fast 16 Jahre vergangen, seitdem ich (der Rezensent) als einer von Hunderttausenden Demonstranten mit dem Ruf „Demokratie, jetzt oder nie!" um den Leipziger Ring gezogen bin. Gerade stehen voraussichtlich in Deutschland erneut Bundestagswahlen an und die Parteiführungen überlegen angestrengt, mit welchen Geschenkangeboten und Umverteilungen sie im Zeichen des allgemeinen und gleichen Wahlrechts die meisten Stimmen einfangen können. „Links blinken und rechts fahren", im Zeichen der Demokratie scheint es für Volksparteien keine andere Möglichkeit zu geben, an die Macht zu gelangen und sie zu gebrauchen. Die Entwicklung langfristiger und vor allem erfolgreicher Strategien, etwa um dem drohenden demographischen Verfall zu begegnen, vermißt man seit Jahrzehnten. Davon ernüchtert, wird man nachdenklich und sucht nach Antworten, die man zum Teil bei Zakaria finden kann oder bestätigt bekommt. Man stellt z. B. fest, daß Sachsen seine Spitzenstellung in der Weltwirtschaft bereits etwa um 1880 erreicht hatte, dabei hinsichtlich mehrerer wichtiger Kennziffern die Rheinprovinz, Württemberg, Belgien und sogar England übertreffend. Diese Spitzenstellung wurde ohne dem erreicht, was wir heute unter Demokratie verstehen, mit der es und mit den verschiedenen Spielarten von Sozialismus seitdem, relativ zur Wirtschaftskraft anderer gesehen, auf längere Sicht stets bergab ging. Und das ist genau der Punkt, an dem Zakarias Buch ansetzt. Er stellt nämlich im Weltvergleich fest, daß autoritäre Staaten, die zuerst oder überhaupt eine liberale Wirtschaft aufbauen und Rechtssicherheit gewährleisten, weit besser fahren, als Staaten, die zwar tatsächlich oder formal das allgemeine und gleiche Wahlrecht haben, aber keine gefestigten Rechtsstaaten mit liberaler Wirtschaft sind. Das alles wird von Zakaria mit einem außerordentlich flott geschriebenen Ausflug in die Weltgeschichte und einer Analyse gegenwärtiger Regierungssystem belegt. Die Frage, ob es sich bei den Zusammenhängen zwischen Wirtschaftswachstum, Regierungsform und Rechts- bzw. Umverteilungsstaat um einen gesetzmäßigen Zyklus handeln könnte, der über die Bevölkerungsdichte geregelt wird, stellt sich bei Zakaria nicht, sie wird aber z. B. von Eckart Knaul in dem viel zu wenig beachteten Buch „Das biologische Massenwirkungsgesetz" gestellt und beantwortet. Auch Hoppes Buch „Demokratie. Der Gott, der keiner ist" verdient in diesem Zusammenhang Beachtung.
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5 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Freiheit ist wichtiger als Demokratie, 26. März 2007
Der Autor zeigt in seinem Buch den Unterschied zwischen Freiheit und Demokratie auf und warum zu viel Demokratie schädlich sein kann.
Demokratie bedeutet, dass gewählte Volksvertreter Gesetze beschließen. Nach und nach wurden die Verfahren der Parlamente transparenter und öffentliche Sitzungen abgehalten. Immer mehr Bürger enthielten das Wahlrecht.
Freiheit bedeutet einen Rechtsstaat, der die Menschenrechte schützt. Nur auf diese Weise kann Wirtschaftswachstum gelingen, weil es Vertragsfreiheit und Eigentumsrechte benötigt.
Wie der Autor zeigt, kann dies zu Widersprüchen führen: So hat das demokratische Musterland Athen im ersten Jahrtausend v. Chr. den Philosophen Sokrates Kraft Mehrheitsentscheidung der wahlberechtigten Bürger zum Tode verurteilt. Das war ein eindeutiger Verstoß gegen das Menschenrecht der Meinungsfreiheit.
Die verbesserte Transparenz der politischen Verfahren hat dazu geführt, dass immer mehr Interessengruppen entstanden und sich in die Gesetzgebung einmischen. Dadurch entsteht Politikverdrossenheit. Diese Tendenz wurde durch die Einführung von Volksentscheiden noch verstärkt (der Autor nennt Kalifornien als negatives Beispiel).
Als Ausweg wird eine Delegation der politischen Entscheidungen gefordert, um so Interessengruppen auszuschalten (Beispiel: die amerikanische Zentralbank "Fed"). Die Anzahl demokratischer Mehrheitsentscheidungen müsse verringert werden.
Ich bin zwar mit der Diagnose einverstanden, aber nicht mit der Therapie.
Zunächst erkennen einige Autoren in der Delegation von Gesetzgebungskompetenzen an Behörden einen Verstoß gegen die US-Verfassung, welche dieses Recht allein dem Kongress zugesteht. Darüber hinaus sprechen viele Beispiele dagegen, dass dadurch Interessengruppen zurück gedrängt werden (man denke nur daran, wie viele Leute der Europäischen Zentralbank EZB vorab Ratschläge erteilen wollen und wie viele Unternehmen Mitarbeiter in unseren Ministerien bezahlen). Besonders Regulierungsbehörden tendieren dazu, die Interessen der von ihnen regulierten Unternehmen zu vertreten.
Man sollte die Entscheidungen nicht delegieren, sondern dezentralisieren. Dann werden sie nahe an den Bürgern getroffen (siehe Schweiz).
Der Staat sollte sich nur um die Aufgaben kümmern, die er besser durchführen kann als die Privatwirtschaft bzw. die seinem Gewaltmonopol entspringen: Inneres, Justiz und Verteidigung. Der libertäre "Minimalstaat" minimiert auf diese Weise den Einfluss von Interessengruppen (siehe "Anarchie, Staat und Utopia" von Nozick). Das senkt die Politikverdrossenheit.
Die Beispiele sind nicht immer glücklich gewählt: Wie man in dem Buch "Die Kreatur von Jekyll Island" nachlesen kann, ist die "Fed" ein Bankenkartell und somit nichts anderes als eine gesetzlich getarnte Interessengruppe. Damit taugt sie nicht als Argument zur Delegation.
Wegen dieser Defizite kann ich dem Buch nur vier Punkte geben. Das Buch ist jedoch ein guter Ausgangspunkt und gibt Hinweise auf weiter führende Literatur.
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5 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Einspruch, 18. Mai 2007
Das Lob, mit dem dieses Buch überschüttet wurde, ist für mich vollkommen unverständlich, denn liest man dieses Buch genau, so stößt man schnell auf Ungereimtheiten: Im Kapitel "Eine kurze Geschichte der Freiheit" will der Autor die aus seiner (fragwürdigen) Sicht eine Zusammenfassung der Freiheit in der westlichen Welt liefern, wobei er sich schnell auf empörende und jeder Grundlage entbehrende Aussagen verlegt: etwa die Behauptung "...die Parallelen zwischen National- und Christsozialismus sind denn auch nicht von der Hand zu weisen" (S.56). Wo bitte besteht der Zusammenhang zwischen einer der schrecklichsten Diktaturen, die die Menschheit jemals erlebt hat, und einer allzu gemäßigten, niemals wirklich mit den Kernpunkten des Sozialismus übereinstimmenden Soziallehre?
Um den Leser mit Empörung nicht unterzuversorgen, visiert Fareed Zakaria eine Seite später das nächste Ziel seines blindwütigen Versuchs, durch Verleudmung aller anderen politischen Strömungen schließlich den Liberalismus als Allheilmittel darzustellen, wie folgt auf Seite 57 an: "Sozialisten und Ultranationalisten sind indessen nicht die einzigen, die populistische Ressentiments schüren." Diese Aussage lässt den Leser nur noch mit offenem Mund zurück, denn wenn man im Falle der Ultranationalisten diese Aussage wohl noch gelten lassen kann, stellt sie doch im Falle des Sozialismus eine Lüge dar, die sich gewaschen hat.
Der Autor vergisst hier offenbar, wer denn als eine der maßgeblichen Kräfte (wenn nicht sogar als die treibende Kraft) an der Herstellung der Demokratie beteiligt war? Er unterschlägt ganz klar die Verdienste der Einführung des Mindestlohnes, Abschaffung der Kinderarbeit, bezahlter Urlaub, Vertretung der Arbeiter (die freilich heute nicht zuletzt von den Liberalen eifrig wieder demontiert werden), die eine unverzichtbare Stütze der Demokratie darstellen (in diesem Kontext bliebe nur noch zu vermerken, dass noch mehrere solcher Aussage dem an historischer Wahrheit interessiertem Leser in schöner Regelmäßigkeit Wutanfälle bereiten).
Nun, mit dieser Ungeheurlichkeit an Unwahrheit ausgestatteten Grundlage fühlt sich der Autor dazu berufen, schiefe Schlussforderungen mit Statistiken zu untermauern. Es ist grundsätzlich schade, dass man selbst als normalerweise gutmütiger Konsument dem Autor nicht einmal mehr die Aussage "Die Erde ist rund" abkaufen würde, so kann ich auch nicht mehr den angeführten Statistiken nicht mehr trauen und empfehle Lesern, die den in diesem Werk (in begrenzter Form vorhandenen) interessanten Überlegungen nähergehen wollen, unbedingt ein gutes - und vor allem vertrauenswürdiges - Lexikon bereit zu haben.
Die Aussage, die Fareed Zakaria schließlich trifft und die ich für mich nur in die Kategorie "profaschistischer Aufruf" einordnen kann, möchte ich in Anbetracht der oben genannten Gründe nicht näher kommentieren und bleibe für mich selbst sehr skeptisch.
Allen dennoch interessierten Lesern kann ich aufgrund meiner Erfahrung nur raten, schon von Anfang an ein gesundes Misstrauen an den Tag und ein Geschichtsbuch zur Seite zu legen, da man schon von den Grundlagen dieses Werks von nichts anderem als von unverfrorener Geschichtsfälschung sprechen kann.
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