Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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21 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
DER Tatsachenroman, 13. Dezember 2006
Kaltblütig, wahrscheinlich besser bekannt als In Cold Blood, ist Capote selbsternannte Neuerfindung eines noch nicht existenten Genres: des Tatsachenromans. Ohne große Umschweife erklärte der New Yorker Exzentriker Kaltblütig zum gleichzeitigen Anfang und Höhepunkt des Genres, und das nicht unbegründet.
Kaltblütig, einem reportagenhaften Erzählstil verbunden, ist der erste Roman Capotes der eine nichtfiktive Begebenheit, den Mord an einer Farmerfamilie in Westkansas, als Thema hat und gleichzeitig nicht fiktional nacherzählt. Quasi ein Roman über eine wahre Begebenheit in wahrheitsgetreuem Gewand. Klingt jetzt banal, fad und eintönig. Doch Capote schafft es mit seinem Erzählstil und der Pedanterie seines Genies den Leser an das Thema zu fesseln und ihn nicht mehr loszulassen.
Zugegeben das Buch hat seine Längen, Details die abstoßen (müssen) und Dialoge die nicht viel zur eigentlichen Handlung beitragen, dennoch, es steckt soviel Liebe zum Detail in diesem Werk, dass man immer weiter in diesen schwarzen Abgrund hinabgesogen wird. Das schlimmste daran, man lebt gelebte Wirklichkeit. Jede Person die in Kaltblütig vorkommt hat tatsächlich existiert, jede Floskel wurde gesprochen und jede Tat wirklich begangen. Diese Spitzfindigkeiten heben Kaltblütig von anderen Roman ab, sie verleihen dem Werk eine merkwürdige, teils morbide, teils makabre Note, doch genau das macht diesen Roman so groß, seine Nähe zur Wirklichkeit.
Trotz allem stellt sich die Frage ob man tatsächlich Interesse an einem Mord in Kansas hat, samt der Details und anderer Kleinigkeiten. Literaturgeschichtlich war es ein Meilenstein, als Buch, als lebendiges Werk bleibt es trotz des lebensnahen Themas trocken. Dennoch Lesenwert!
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10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Erschreckende, gut erzählte True-Crime-Story!, 4. Juni 2007
Capotes "Kaltblütig" beleuchtet ein (tatsächlich geschehenes!) höchst grausames Verbrechen von allen Seiten, seine Vorgeschichte, seinen Hergang, sein Umfeld sowie seine Folgen, und schafft es, dabei nicht nur die Opfer, sondern auch die Täter als Menschen darzustellen, nicht als animalische Bestien, sondern als menschliche Wesen mit Vergangenheit, Persönlichkeit und Gefühlswelt.
Capote erzählt zunächst die Vorgeschichte des Mordes, beleuchtet in sich abwechselnden Episoden Leben und Persönlichkeit der Opfer und auch der Täter. Darauf folgen Schilderungen der Entdeckung der Tat und der Reaktionen darauf, der Flucht der Täter quer durch die Staaten und Mexiko und der polizeilichen Ermittlungen um den Mordfall. Capote läßt den Leser bis hierhin über Hergang und Motive der Tat ebenso im Dunkeln, wie es die tatsächlich ermittelnden Beamten waren - und steigert somit im Verlauf des Berichts eine unglaubliche Spannung. Schließlich folgen Festnahme und Geständnis der Täter und das Entsetzen über die völlige Sinnlosigkeit und Emotionslosigkeit der nun aufgeklärten Tat; um dann auf den letzten Seiten des Buches die Mörder und ihre menschlichen Tragödien auf ihrem Weg vor Gericht, in den Todestrakt und schließlich an den Strang zu begleiten...
Capote schafft in seinem Buch eine verstörende Mischung aus ambivalenten Gefühlen: Verständnis und Mitleid für die Opfer WIE für die Täter - und dabei unternimmt Capote nie den Versuch, die Täter zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen, nicht durch ihre schwere Kindheit und Jugend, nicht durch ihnen Widerfahrenes.
Anzuerkennen, daß auch die grausamsten Verbrecher "nur" Menschen sind, Menschen mit Fähigkeiten und Talenten, mit Freuden und Ängsten, macht ein Verbrechen noch schwerer zu begreifen und fast abscheulicher, da es einem die Möglichkeit der Abstraktion nimmt. Doch gleichzeitig, gerade WEIL es sich um Menschen handelt, steht die Frage im Raum, ob eine staatliche Hinrichtung, die staatliche Vernichtung menschlichen Lebens, der richtige Weg ist, ein Verbrechen zu sühnen.
Ein sehr spannendes, auch sehr gut und packend geschriebenes Buch, das zu lesen sich wirklich lohnt!
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hervorragend!, 5. Mai 2006
Das erste, was mir an dem Buch aufgefallen ist, war die Tatsache, dass ich, kaum hatte ich begonnen zu lesen, schon auf Seite 40 war. Und da wusste ich dann, dass dieses Buch mich gepackt hat.
Kaltblütig lebt von seinem Inhalt und den prägenden Charakteren. Dieser Inhalt ist durch eine umwerfende Intensität gekennzeichnet. Er ist ein Dokument eines Teils amerikanischer Kultur, was nicht zuletzt an der Flucht und Lebensgeschichte der Täter liegt, welche durch die USA von Alaska nach Mexiko-City zieht. Es ist zugleich die so überraschend alltägliche Kultur von Häftlingen und ihrem Umfeld. Ich konnte und wollte mich auch gar nicht dagegen wehren Perry Smith (einen der Mörder) ins Herz zu schließen (wobei die Frage ist, ob ein tatsächliches Begegnen ähnliches bewirken würde, denn das beschriebene Verbrechen würde ich, hätte ich das Buch nicht gelesen, als unbeschreiblich bezeichnen.) Ich hätte nicht gedacht, dass es so fleißige Menschen gibt wie Nancy und Herb Clutter (die ermordet werden)...jeder Charakter entsteht aus dem richtigen Verhältnis von Detail und großzügigen Strichen. Völlig unaufgeregt und unreflektiert im besten Sinne des Wortes, nämlich in der das die Realität bearbeitet wird, und zu einem nicht weiter kommentierten Bild entsteht, nutzt und schafft Capote Psychologie. Sein Stil ist immer rein und großartig. So stört auch keiner der Zeitsprünge.
Ich möchte das Buch ein Meisterwerk nennen und zum Lesen unbedingt empfehlen.
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