multimania, das Magazin für zeitgenössische multimediale Kultur – Nr. 23 (01/2009): Ein unglaublicher Titel und ein Klapptext mit Verwirrpotential. Es gab schon schlechtere Ausgangsbedingungen, aber ich persönlich bin immer etwas skeptisch, wenn es um Fantasy aus „kleinen“ Familien-Verlagen geht, dabei ist der hessische Verlag nicht ganz frei von fantastischer Literatur und sicher ein paar Minuten des Stöberns wert. So sperrig der Titel auch ist, sagt er doch wenig aus über den eigentlichen Inhalt. Eine Reise wird es geben, das stimmt, doch warum „Völkersammel-Planet“? Vielleicht eine interkulturelle große Kommune? Was macht diesen Umstand erwähnenswert? Wir erfahren es noch nicht, und es ist auch gar nicht schlimm, im Dunkeln zu wandeln, wenn man weiß, dass noch ein paar Teile der Geschichte folgen werden und der erste Teil doch überraschend gut ist. Zwei Schicksale legen sich aneinander: das von Ili, einer Bauerntochter, mit eigenen Vorstellungen von der Welt, einem verborgenen Schicksal, wie es für fantastische Literatur so üblich ist, vielen verborgenen Talenten, Mut und etwas Naivität, und das der Gruppe um Keldar. Die Menschen sind auf dem Planeten gestrandet und sofort in die kämpferische Sklavenwelt der Thun-da-Engol überführt worden. Das Schicksal führt sie zusammen, und es beginnt ein Weg zu den eigenen Wurzeln. Ute Neumann beginnt ihren Roman etwas schleppend, denn die ersten 50 bis 70 Seiten ziehen sich, doch dann kann der Roman mit vielen des Genres mithalten und entwickelt seine Stärken. Die Sprache liest sich flüssig, auch wenn es einzelne Einsprengsel gibt, die nicht so ganz passen, da sie zu modern für den Grundton der Geschichte sind, doch das ist nur eine Randnotiz und stört nicht wirklich. Vieles baut die Autorin auf, um es sicher später wieder aufgreifen zu können und spannt somit einen spannenden Bogen zu den Fortsetzungen. Ein Roman, der sich zwar auch nicht frei von klassischen Elementen der der Fantasie bewegt, so sind die Thun-da-Hanruhn elbenähnliche Geschöpfe, die Thun-da-Engol weisem parallelen zu den Orks auf, und die Menschen, die Thun-da-Araghennadhukh, stehen dazwischen, doch die Eigenständigkeiten machen Spaß beim Lesen. Ute Neumann zeichnet ein klassisches Bild zwischen dem vermeintlich Gutem und dem Bösen dieser Welt, mit scharfen Einsprengseln einer durchaus gelungenen Gesellschaftskritik, die innerhalb des Romans stimmig aufgebaut ist. Prunksucht und Herrschaft, Machtspiele und Kämpfe, unterdrückte Sklaven und rettende Protagonisten, die zuweilen mit List agieren und zum anderen nicht zurückscheuen, das Schwert gegen die Barbarei zu erheben. Doch der einzelne muss erst lernen, sich aus seiner Unmündigkeit zu befreien. „Die Reisen nach Engolahn-Rogh“ ist eine packend erzählte Rettungsgeschichte mit akribischen Detailbeschreibungen, die sicher nicht allen schmecken werden, aber der Geschichte nicht abträglich sind, offene Fragen (so erfährt man nicht wirklich, warum Aila entführt wurde), die auffordern, die nächsten Teile unbedingt zu lesen. Ein guter Beweis dafür, dass es sich immer lohnt, auch in den Sortimenten der kleineren Verlage zu stöbern, denn viel Gutes wurde sicher schon geschrieben, doch was bringt es, wenn keiner es mitbekommt? Glossar und Karten sowie eine gute Buchaufarbeitung runden den ersten Kontakt mit dem Völkersammel-Planeten Hanthun-Thar ab.