Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Liebesgeschichte um Casanova und seine Zeit, 3. Juli 2006
Arthur Japin Die Verführung Schöffling & Co.
ISBN38956414114
Arthur Japin erzählt in diesem biographischen Roman die Geschichte der Lucia von Pasiano.
Sie beginnt in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Lucia war eine einfache Frau, die als Kind von Bediensteten der Gräfin Montereale in adeligem Hause auswuchs. Die Gräfin hatte sie als ihren Liebling und quasi Ersatztochter angenommen. Das Landgut der gräflichen Familie befand sich in Pasiano, nicht weit entfernt von der großen Stadt Venedig.
Bis Lucia begriff, dass nicht sie zu den Besitzern der Ländereien in der Umgebung gehörte, verging einige Zeit. Sie genießt ihr Kinderleben in Freiheit und tiefer Naturverbundenheit.
Mit vierzehn Jahren lernte sie Casanova kennen, von dem damals noch niemand wusste, dass er der bekannt Casanova, eine Berühmtheit seiner Zeit, werden würde. Beide sind tief verstrickt in eine leidenschaftliche Liebe, die mit einer Hochzeit gekrönt werden soll.
Wie die Geschicke aber damals so spielten: Lucia erkrankt an den Blattern, die sie so entstellen, dass sie beschließt, ihrer Jugendliebe zu entsagen und aus dem gräflichen Hause zu fliehen.
Nun beginnt für Lucia ein trauriges und abenteuerliches Leben, das sie in tiefste Tiefen, in Armut und zuletzt zu bescheidenem Wohlstand führen soll,--als Edelprostituierte.
Ab einem bestimmten Zeitpunkt beschließt sie, fortan verschleiert zu leben, was ihre Anziehung auf die Männer ihrer Zeit nur erhöht. Nach Stationen in Venedig und Bologna lässt sie sich zuletzt in Amsterdam nieder.
Bei einer erneuten Begegnung mit Casanova, der sie nicht erkennt, lernt sie einiges über die Liebe und zieht ihre Schlüsse daraus.
Das Buch ist in der Ichform geschrieben, und man ist sofort fasziniert von dieser nachdenklichen und reflektiert denkenden Person, die auf ihrem Lebensweg viel erlebt hat und gute und schlechte Erfahrungen in gleichem Maße gemacht hat.
Die Vorstellung, es handelte sich hier um einen Liebesroman im gängigen Sinn, ist ganz und gar irrig. Viel mehr geht es um eine Erkenntnisgeschichte auf hohem Niveau. Abgesehen von dem Zeitkolorit dieser mittelalterlichen Erzählung, sind die Einsichten in das menschliche Handeln und die Erfahrung darüber, was die wahre Liebe ausmacht, von philosophischer Dimension. Sie machen das Buch zu einem reinen Lesevergnügen. Ich kann es nur jedem empfehlen.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hinein in die Historie, 18. Juli 2006
Casanova selbst hat in seinen Aufzeichnungen von einer 14-Jährigen geschrieben, in die er sich verliebt hatte und die ihn verließ.
Später sei er ihr wieder begegnet und er hätte sich von ihr abgewandt, nicht ohne Mitleid und Ekel.
Arthur Japin beschreibt nun in seinem hinreißenden Roman eine etwas andere Version der Begebenheiten.
Die junge Lucia, ein Ausbund an Fröhlichkeit und Wildheit, ein Naturkind also, verliebt sich in der Nähe von Venedig, in Pasiano in den jungen Giacomo Casanova.
Als der eine mehrwöchige Reise unternimmt, bekommt Lucia die Pocken, vernarbt im Gesicht und entflieht.
Später, viel später treffen sich die beiden in Amsterdam wieder, allerdings unter ganz anderen Umständen.
Arthur Japin spiegelt in seinem Roman ein ziemlich genaues und anschauliches Bild des 18. Jahrhunderts und Rousseau läßt oftmals grüßen.
Maskenball, naturhaftes Leben auf dem Lande, Großstadtleben, Oben und Unten in der Gesellschaft, Böses und Gutes, Schauspiel und Wirklichkeit, alles wird fein verwoben und zu einem Kunstwerk gebracht, das man gerne liest und vielleicht auch mal wieder liest.
Das eigenartige Jahrhundert, in dem Bildung und genußvolles Leben im Mittelpunkt standen und die Zeit der kaufmännischen Möglichkeiten sich mit denen der machtbesessenen paarten, die franz. Revolution vor der Tür stand, wird vom Autor noch einmal beschworen.
Für Liebhaber leidenschaftlicher Charaktere in Romanen ist dieses Buch ein Muß.
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