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Stanley Kubrick
 
 

Stanley Kubrick (Gebundene Ausgabe)

von Alexander Walker (Autor), Sybil Taylor (Autor), Ulrich Ruchti (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Henschel Verlag (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3894873302
  • ISBN-13: 978-3894873301
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 2.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 1.142.552 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Die Augen weit genug geöffnet?

Vier schnell produzierte Bücher über Stanley Kubrick

«Über Stanley Kubrick ist ziemlich viel Quatsch geschrieben worden» – so vielversprechend fängt eines der kürzlich auf dem deutschen Markt erschienenen Bücher über Kubrick an. Doch während man noch hofft, endlich keinen Quatsch über Kubrick zu lesen, begegnet man drei Dutzend Zeilen später dem Satz: «In Deutschland gibt es nur einen Mann, der mit Kubrick vergleichbar ist: Autor / Regisseur / Produzent Helmut Dietl.» Das Buch, in Windeseile geschrieben, stammt von Rolf Thissen und heisst im Untertitel «Der Regisseur als Architekt» – wovon sich dann in den annähernd 290 Seiten Text so gut wie nichts wiederfindet.

Anderseits hat das Werk im Taschenbuchformat den Vorteil, recht simpel geschrieben zu sein und ohne viele Umschweife zu schlichten Einschätzungen zu kommen. Ein Beispiel unter vielen: «Trotz seiner Überlänge von 153 Minuten ist ‹Lolita› ein ungeheuer rasanter Film, in dem es nicht die geringsten Längen und keinerlei Leerlauf gibt.» Immerhin: Wer sich schnell und anspruchslos informieren will, wird redlich bedient, vor allem, was den zeitgeschichtlichen Hintergrund einzelner Filme angeht, wozu auch Interviews mit den Kubrick-Mitarbeitern Jan Harlan und Andrew Birkin beitragen. Neben blass gedruckten Photos aus den Filmen gibt es blässliche Repros von Drehplänen und einen Bericht des Autors über eine persönliche Beziehungskatastrophe, recht bescheidene filmographische Angaben und kein bisschen Bibliographie.

Disparate Wahrnehmung

Dass die erhoffte kritische Auseinandersetzung mit der Kubrick-Rezeption nicht stattfindet, mag man dem Buch nachsehen, weil auch die drei anderen, substantielleren Bücher über Kubrick kaum etwas davon ahnen lassen, dass der Mann, der im März 1999 als 70jähriger starb, schon längst Gegenstand der Filmgeschichte war. Alle, ausser dem Kubrick-Biographen Alexander Walker, tun so, als hätten sie Kubrick soeben erfunden. Wobei der als Nummer 8 der Reihe «film» bei Bertz erschienene Sammelband ehrlich genug ist, zuzugeben, dass es sich bei fünf Aufsätzen um überarbeitete Reprints früherer Veröffentlichungen handelt. Es war halt nicht abzusehen, dass der Regisseur so abrupt sterben und schnelle Buchproduktionen erforderlich machen würde.

Erstaunlich unter diesen extremen Bedingungen, dass der Bertz-Band nicht nur eine vorzügliche Filmographie aufzuweisen hat, sondern auch eine absolut aktuelle Bibliographie, die, wenn auch als Augenpulver gedruckt, sich als beste Grundlage für alle empfiehlt, die mit Kubrick weitermachen wollen. In diesem Punkt kann nur das als «arte»-Edition bei Schüren erschienene Buch «Stanley Kubrick und seine Filme» von Georg Seesslen und Fernand Jung konkurrieren beziehungsweise könnte es, wenn Herausgeber oder Verlag nicht unsinnigerweise darauf verzichtet hätten, Kritiken in Zeitungen und Zeitschriften mit Nennung der Autoren zu registrieren; jetzt hat man den Eindruck, als hätten «Frankfurter Allgemeine», «Neue Zürcher Zeitung» und «New York Times» die Kritiken selbst geschrieben.

Ein geschlossenes Œuvre

Gegenüber dem 13-Autoren-Band von Bertz hat das Buch von Seesslen und Jung den Vorteil des konzentrierten, einheitlichen Blicks auf den Regisseur und sein Werk; es ist ein Buch aus einem Guss, das auch nicht darunter zu leiden hat, dass Seesslen mittlerweile zum Viel- und Langschreiber mutiert ist, der auf allen möglichen Hochzeiten und bei allen möglichen Verlagen tanzt. Er überrascht neben Genauigkeit in der Beschreibung und Interpretation der Filme mit der Kenntnis vieler bisher zum Teil wenig bekannter Einzelheiten, ohne freilich immer säuberlich seine Quellen anzuführen. Aus der Einheit des Textes ergibt sich zwingender als im Sammelband von Andreas Kilb, Rainer Rother und den elf anderen bei Bertz die Einheit und Kontinuität des Kubrickschen Werks.

Kubrick hat lieber fast alle Genres vom Gangsterfilm in der Tradition der Schwarzen Serie («The Killing») über Science-fiction («2001») und Historiengemälde («Barry Lyndon») bis zum Horrorfilm («Shining») und erotischen Drama («Eyes Wide Shut») bedient, als einen Film quasi zum zweitenmal zu machen, und er wurde von Film zu Film und Jahr zu Jahr skrupulöser. Aber mindestens ein Teil seiner Unverwechselbarkeit und Grösse ergibt sich aus der beständigen Fortentwicklung der Meisterschaft seines visuellen Erzählstils. Seesslen hat neben ausführlichen Synopsen der Filme vor allem ihre optische Präsenz im Blick, wozu sich in dem Band einzelne Bildsequenzen gesellen, deren drucktechnische Qualität allerdings zu wünschen übriglässt.

Unendlich viel reicher, mit vielen aus den Filmkopien selbst photographierten und erstaunlich scharf gedruckten Bildsequenzen ist der Band des Bertz-Verlags ausgestattet. In ihm, der auch typografisch einfallsreich und anregend gestaltet ist, ergibt sich aus den Abbildungen eine Art von zweitem Diskurs, der nicht nur buchstäblich neben dem Text einhergeht. Der besteht neben einem Vorspann genannten Vorwort von Lars-Olav Beier, einem erweiterten Feuilleton von Andreas Kilb und einem zusammenfassenden kurzen Essay von Rainer Rother aus Einzelbesprechungen der 13 bekannten Kubrick-Filme.

Die Autoren, von Beier über Annette Kilzer bis Frank Schnelle, profitieren alle davon, dass sie die Filme, von denen sie sprechen, in den meisten Fällen als historische rezipiert haben; sie sind meistens Anfang der sechziger Jahre geboren und wurden zu Kinogängern erst, als Kubrick schon seinen vorletzten Film, «Full Metal Jacket» (1987), drehte. So sind Rezensionen aus filmhistorischem Abstand entstanden, Rezensionen, die vor allem von den unterschiedlichen Temperamenten der Schreibenden geprägt sind, oft geradezu missmutig gegenüber den Filmen Kubricks und weder Verbindlichkeit untereinander aufweisen noch sich aufeinander beziehen können. Hier existiert das Œuvre Kubricks nicht mehr als Werk, sondern besteht tatsächlich nur noch aus einzelnen Filmen, die fast nichts miteinander zu tun zu haben scheinen.

Die autorisierte Darstellung

Genau das allerdings und die Frage nach dem «konzeptuellen Talent», durch das Kubrick sich als Regisseur ausgezeichnet habe, sind der Ausgangspunkt für den vielleicht intimsten Kenner Kubricks und seines filmischen Werks, für Alexander Walker. Er ist es, der mit seinem 1971, als Kubrick gerade seinen siebten grossen Spielfilm, «A Clockwork Orange», drehte, veröffentlichten Buch «Stanley Kubrick directs» sozusagen der Vater der inzwischen weltweit immensen Kubrick-Literatur war. Walkers neues Buch, «Stanley Kubrick. Leben und Werk», erschienen bei Henschel, beruht in wesentlichen Teilen auf der früheren Veröffentlichung und kann sich rühmen, die einzige von Stanley Kubrick autorisierte Monographie zu sein. Kein anderes Buch ist so dicht an seinem Gegenstand, nicht zuletzt weil Walker wie kein anderer fast unbegrenzten Zugang zu Kubricks Werkstatt hatte und praktisch über jeden Film mit ihm sprechen konnte.

Wo die andern Bücher dem, der Kubricks Filme kennt, nichts Neues mitzuteilen haben, weiss Walker auf seiner Suche nach dem gemeinsamen Aspekt, der Triebfeder des Œuvre, zum Beispiel, dass Kubrick sich zuerst von Themen faszinieren liess und dann seinen Stil aus seiner Einstellung zum jeweiligen Thema entwickelte und es deshalb zu vermeiden suchte, sich zu früh mit den Möglichkeiten der visuellen Darstellung einer Szene auseinanderzusetzen. Walker entfaltet diese These, die davon ausgeht, dass die Story stets der wichtigste Aspekt für Kubrick war, an «Paths of Glory» genauso wie an «Dr. Strangelove» und «2001: A Space Odyssey», in dem Walker, unterstützt von Kubrick selbst, zu Recht einen Film über die Intelligenz und den Gottesgedanken sieht. Und den ersten Film überhaupt innerhalb des kommerziellen Kinos, der das Medium dazu verwendet, Ideen zu vermitteln.

Gekrönt werden sollte Walkers Buch durch eine ausführliche Bildanalyse, exekutiert von dem Designer Ulrich Ruchti und der Filmwissenschafterin Sybil Taylor. Diese Absicht ist nur im Ansatz gelungen, weil weder das gelegentlich geradezu unsensible Layout noch die Qualität der Reproduktionen und des Drucks überzeugen können. Was ein Jammer ist bei einem Buch, das vielleicht nicht unbedingt zu den interpretatorischen Spitzenleistungen der Kubrick-Literatur gehört, aber das genaueste Bild von diesem verschwiegensten Arbeits-Berserker der Filmgeschichte zeichnet.

Peter W. Jansen

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.1999
Verena Lueken bespricht den Band zusammen mit zwei weiteren Büchern über Stanley Kubrick.
1) Alexander Walker: "Stanley Kubrick. Leben und Werk"
Walkers Monographie stellt Lueken als einen Klassiker dar und betont, dass sie 1972 im Original zuerst erschien und dass es sich hier um eine aktualisierte Neubearbeitung handele, die nun dankenswerterweise im Henschel Verlag herausgebracht wurde. Walkers Analysen findet Lueken zwar manchmal naiv, aber sie betont die Verdienste des Bandes. Walker habe zum Beispiel als erster die filmische Bedeutung von Korridoren bei Kubrick benannt, die schon in "Paths of Glory", aber auch noch in "Eyes Wide Shut" einen Übergang von einer Welt in die andere darstellten.
2) Lars-Olav Beier, Andreas Kilb, Rainer Rother u.a.: "Stanley Kubrick" (Dieter Berz Verlag)
An diesem Buch gefällt Lueken die zwar respektvolle, aber nicht ehrfürchtige Art des Argumentierens. Der Band sei frei vom "Salbadern auf hoher Note, das die Filme Kubricks oft produzieren". Andreas Kilb zum Beispiel spreche offen aus, dass "Eyes Wide Shut" letztlich eine Enttäuschung gewesen sei - Tom Cruise sei in seiner Rolle überfordert. Beier weise auf die Wichtigkeit der Populärkultur bei Kubrick hin. Gerhard Midding, ein weiterer Autor des Bandes, spreche gar die "Gefühllosigkeit" des Regisseurs an.
3) Georg Seeßlen, Ferdinand Jung: "Stanley Kubrick und seine Filme" (Schüren Verlag)
Bei dem Band von Seeßlen und Jung stellt Lueken einen philosophischeren Ton fest, dem sie nicht immer folgen mag. Der Band sei ganz und gar frei von Humor, nüchterne Informationen, etwa über Drehzeiten, würden über der Anstrengung des Begriffs oft vergessen. Trotzdem findet sie einige Passagen bei Seeßlen - etwa über das Doppelgängermotiv bei Kubrick - äußerst erhellend. Auch seine Erörterungen über Kubricks Dramaturgie stoßen auf ihr Interesse.
Alle drei Bände enthalten nach Angaben der Rezensentin eine kommentierte Filmografie und Bibliografie, letztere sei bei Seeßlen nicht ganz komplett.

© Perlentaucher Medien GmbH

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Schlampige Edition, 28. April 2000
Von Simon Spiegel "simifilm" (Zürich, Schweiz) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Ich kenne das englische Original nicht, aber der Herausgeber der deutschen Ausgabe hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Die zahlreichen Schwarzweissphotos sehen aus als seien sie mit einem Nadeldrucker ausgedruckt worden und sind deshalb grösstenteils unbrauchbar. Der Anhang zu "Eyes Wide Shut" wurde entweder schon von Walker mit der heissen Nadel gestrickt, oder aber der Übersetzer war besoffen. Es wimmelt nur so von haarsträubenden Fehlern. So heisst die englische Ausgabe von Schnitzlers "Traumnovelle" hier "Rapture: A Dream Novel" statt "Rhapsody: A Dream Novel". Die Zusammenfassung von Schnitzlers Geschichte lässt den Verdacht aufkommen, dass der Autor sie gar nie gelesen hat. Ein Register fehlt ebenso wie eine Bibliographie. Ich habe noch nicht das ganze Buch gelesen, aber es scheint als seien die übrigen (älteren) Teile sorgfältiger editiert. Walkers Analysen sind zwar grundsolide, insgesamt aber doch ein wenig enttäuschend konventionell. Walker ist eine der grössten Kapazitäten zum Thema Kubrick und hätte sicher mehr zu sagen. Als Einführung ist das Buch aber sicher brauchbar.
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