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Kopenhagen. Stück in zwei Akten. Mit zwei Nachworten des Autors. Anhang: zwölf wissenschaftshistorische Lesarten zu »Kopenhagen«, zusammengestellt von ... Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting
 
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Kopenhagen. Stück in zwei Akten. Mit zwei Nachworten des Autors. Anhang: zwölf wissenschaftshistorische Lesarten zu »Kopenhagen«, zusammengestellt von ... Greiffenhagen und Bettina von Leoprechting (Taschenbuch)

von Michael Frayn (Autor)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 312 Seiten
  • Verlag: Wallstein Verlag; Auflage: N.-A. (31. Januar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3892446350
  • ISBN-13: 978-3892446354
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Spektrum der Wissenschaft

Dass die Naturwissenschaft samt dem Schicksal ihrer Protagonisten den Weg ins Theater finden kann, ist durch Bertolt Brechts "Galileo Galilei", Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker" oder Heinar Kipphardts "In der Sache J. Robert Oppenheimer" hinlänglich bewiesen worden. Längst gehören die Stücke zum Kanon des Deutschunterrichts. Trotzdem überraschte der große Broadway-Erfolg von Michael Frayns Stück "Copenhagen" über das legendäre Treffen zwischen Werner Heisenberg und Niels Bohr im Jahre 1941.

Die komplexe Geschichte der Quantenmechanik und der Atombombe, die Verantwortung der Wissenschaftler in der Zeit des Nationalsozialismus und das wechselvolle Leben zweier großer Physiker bilden den geradezu enzyklopädischen Hintergrund einer winzigen Episode, von der nur wenig klar ist außer einem: Die Freundschaft von Heisenberg und Bohr war nach dem Gespräch in Kopenhagen schwer beschädigt. Wer wissen möchte, warum diese Fußnote der Weltgeschichte so faszinierend ist, der lese Frayns Stück, von dem nun die deutsche Übersetzung erschienen ist.

Bohr, seine Frau Margrethe wie auch Heisenberg spielen nach ihrem Tod verschiedene Deutungen der Situation durch. Ohne große Hintergrundkennt-nisse erschließen sich zumindest die moralischen und - teilweise sehr anrührenden - menschlichen Dimensionen des geheimnisumwitterten Treffens, bei dem es irgendwie um die Möglichkeit einer Atombombe ging. In Historikerkreisen herrscht in Bezug auf die Details keinerlei Einigkeit.

Das Schauspiel erweckt Neugier nach mehr Hintergrundinformation, und das Buch befriedigt sie durch eine gelungene Auswahl von Kommentaren namhafter Wissenschaftshistoriker, die zudem einen guten Eindruck von den Möglichkeiten und Grenzen der (Wissenschafts-)Geschichtsschreibung vermitteln. Zusammen mit dem umfangreichen Nachwort des Autors - ursprünglich für die amerikanische Buchfassung geschrieben - und einer Auswahlbibliografie ist der Kommentarteil mehr als doppelt so lang wie der Text des Stücks! Zu bemängeln ist dabei nur, dass zwar alle Kommentatoren vorgestellt werden, nicht aber der Autor, der nicht nur angesehener englischsprachiger Dramatiker, sondern auch Journalist, Dokumentarfilmer und Übersetzer ist.

Carl Djerassi und Roald Hoffmann nähern sich dem Thema "Wissenschaft im Theater" auf andere Weise. Djerassi, amerikanischer Chemiker und "Mutter der Pille" (so der Titel seiner Autobiografie), hat bereits als Romancier bewiesen, dass sich das Leben der Wissenschaftler-Community unterhaltsam darstellen lässt. Hoffmann, unter anderem Nobelpreisträger für Chemie, ist Autor mehrerer Essay- und Gedichtbände. Beide Autoren haben ein ambitioniertes Stück geschrieben, denn sie möchten - wie sie ausdrücklich im Vorwort erwähnen - mit "Oxygen" sehr grundsätzliche Fragen behandeln: Was ist eine wissenschaftliche Entdeckung? Was bedeutet es, Erster zu sein?

Der Plot: Das Nobel-Komitee für Chemie möchte anlässlich des hundertjährigen Bestehens des Nobelpreises einen "Retro-Nobelpreis" verleihen, mit dem eine bahnbrechende Entdeckung vor 1901 ausgezeichnet werden soll. Die Wahl fällt auf die Entdeckung des Sauerstoffs, für die es jedoch drei Anwärter gibt: Antoine Laurent Lavoisier, Carl Wilhelm Scheele und Joseph Priestley, alle drei Pioniere der modernen Chemie. Die Handlung springt zwischen einem fiktiven Treffen der drei Chemiker beim schwedischen König im Jahre 1777 und den Diskussionen des Komitees im Jahre 2001 hin und her. Was bei der bloßen Lektüre wie ein Lehrstück mit unübersichtlich vielen Szenen und Intermezzi wirkt, verwandelt sich bei einer gelungenen Inszenierung - wie die von Isabella Gregor bei der deutschen Uraufführung am Würzburger Mainfrankentheater - durchaus in temporeiches und witziges Theater.

Ein anregendes Begleitbuch des Deutschen Museums in München spannt das Stück - legitimerweise - vor den Karren des "Public Understanding of Science". Es liefert interessante Informationen über die Autoren, Entstehung und Inszenierung von "Oxygen", die Geschichte der Chemie und speziell die Entdeckung des Sauerstoffs sowie Einblicke in die aktuelle Forschung und Vorschläge für den Einsatz von "Oxygen" im fächerübergreifenden Schulunterricht.

Vielleicht ist das Stück zumindest für ein Laienpublikum etwas überfrachtet. Trotzdem ist es ein viel versprechender Versuch in dem Genre, das Djerassi "Science in theatre" nennt.

Rezensent: Alexander Pawlak -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

Michael Frayns Stück (nachzulesen in der soeben im Göttinger Wallstein Verlag erschienenen, hervorragend kommentierten deutschen Übersetzung) hat die seit Ende der fünfziger Jahre andauernde Debatte um Heisenbergs Rolle im Dritten Reich neu belebt. (Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung)

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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Intelligentes Theaterstück zwischen Wissenschaft und Ethik, 29. November 2001
Von Ein Kunde
"Warum ist er nach Kopenhagen gekommen?" Diese Frage steht am Anfang von Michael Frayns Zweiakter "Kopenhagen". Warum ist der deutsche Atomphysiker Werner Heisenberg 1941 ins besetzte Kopenhagen gereist, hat seinen alten Freund und Lehrmeister Niels Bohr aufgesucht. Und vor allem: was geschah zwischen den beiden in einem knapp viertelstündigen Spaziergang, welche Worte fielen, die eine langjährige Freundschaft so gründlich zu Bruch gehen ließen, daß die beiden sich auch nach dem Krieg nicht wieder unter die Augen treten konnten?

"Hat man als Physiker das moralische Recht an der praktischen Energie der Atomnutzung zu arbeiten?" Diese Frage hatte Heisenberg Bohr gestellt. Doch erst der zeitgeschichtliche Hintergrund verleiht dieser Frage ihre Pikanterie: Heisenberg forschte im Auftrage Hitlers an der Atombombe. Bohr hingegen arbeitete nach seiner Emigration am amerikanischen Atomprogramm, das sein eigentliches Ziel, eine Atombombe über Deutschland zu zünden, nur um Monate verfehlte.

Michael Frayn stellt Heisenberg, Bohr und dessen Frau Jahre nach ihrem Tod noch einmal auf die Bühne, um ihren Motiven nachzuspüren. Erhoffte sich Heisenberg ein Abkommen zur Verhinderung der Atombombe unter den Physikern? Waren seine fachlichen Fehler Unvermögen oder (un-)bewußte Sabotage? Das Stück gibt keine endgültigen Erklärungen. Wieder und wieder variieren die drei Personen die Geschehnisse beim Versuch die bis heute unaufgeklärte historische Wahrheit zu Tage zu fördern. Und Frayn läßt seine Figuren nicht nur über die Kernphysik diskutieren sondern weitgehend gemäß deren Grundlagen interagieren.

Ein hochinteressantes Theaterstück zwischen Wissenschaft und Kunst, zwischen Atomphysik und Ethik, zwischen Weltgeschichte und persönlichem Schicksal (der Tod von Bohrs Sohn wird immer wieder in die Handlung verwoben). Einen besonderen Reiz verleihen dieser Ausgabe die Kommentare von zehn Wissenschaftshistorikern und deren Streit um die Rolle des realen Heisenbergs.

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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Wichtigste Veröffentlichung zur Thematik derzeit, 24. September 2004
Von Ingo Bading (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Wer die geschichtswissenschaftliche Literatur über das deutsche "Atombomben-Projekt" während des Zweiten Weltkrieges - und dabei vor allem die Rolle Werner Heisenbergs - einigermaßen überblickt, ist erstaunt, wie genau, präzise und auf den Punkt gebracht der Nichtwissenschaftler Michael Frayn den Stand der Forschungen darstellt. Dies geschieht besser noch in seinem Nachwort als in seinem Stück selbst. Das ist nur möglich, wenn man sich wirklich tief in die Thematik eingearbeitet hat. Er geht in seinem Verständnis für Werner Heisenberg in einigen Punkten auch noch deutlich über Thomas Powers hinaus.

Dieser "Fall" wird so lange "umstritten" bleiben, so lange es Menschen gibt, die Atombomben gut finden oder es zumindest gut finden, daß während des Zweiten Weltkrieges welche gebaut wurden - oder die es doch zumindest "den Deutschen" mißgönnen, von der Schuld frei zu sein, Atombomben gebaut zu haben. (Gaskammern scheinen einigen Leuten allein nicht genug zu sein, um "Demokratien" von Diktaturen unterscheiden zu können ...)

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2 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen Nebulös, 10. September 2002
Frayns Stück ist umstritten in vielerlei Hinsicht. Doch die relevante Frage dabei ist nicht, ob sich die komplexe Verstrickung Heisenbergs im Nazideutschland an einem singulären Ereignis, dem Besuch bei Bohr in Kopenhagen, darstellen lässt oder wie treu sich eine künstlerische Darstellung historischer Ereignisse an historische Fakten zu halten hat. Die relevante Frage ist, ob und wie und mit welcher Motivation Heisenberg mit den faschistischen Machthabern in Deutschland zusammengearbeitet hat. Frayn drückt sich vor der Beantwortung der Frage, er stellt verschiedene Interpretationen schlicht nebeneinander. Erstaunlich ist dabei die Leichtgläubigkeit, mit der er Heisenbergs Nachkriegsversion, er habe im Grunde gewußt, wie die Bombe zu bauen sei, dies jedoch aus Opposition zu Hitler unterdrückt (ob bewußt oder unbewußt, bleibt im Nebel), übernimmt. Die Antwort scheint erschreckend einfach: eine nationalistisch-unpolitisch-bürgerliche Haltung wie die von Heisenberg führt in Zeiten wie dem Zweiten Weltkrieg zwangsläufig zu ausweglosen Situationen. Doch diese Schlußfolgerung zu ziehen, bleibt dem Publikum vorbehalten.
Hilfreicher sind da schon die Texte von Naturwissenschaftlern und Historikern im Anhang, der den größten Teil des Buches einnimmt. Hierin liegt auch Frayns Verdienst: Mit seinem Stück der Debatte neue Dynamik veliehen und diese einem breiteren Publikum zugänglich gemacht zu haben.
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