Aus der Amazon.de-Redaktion
Kinder Küche Kunst -- der Titel dieses Bildbandes lässt viel Raum für Spekulationen, was sich zwischen den Buchdeckeln verbergen mag. Eins jedoch ist sicher: automatisch denken wir an das Thema "Frau". Und damit liegen wir hundertprozentig richtig. Wenn die Künstlerin Elvira Bach sich auch allen Klischees mit ihren Arbeiten entzieht, so erkennt man beim näheren Hinsehen, dass das Thema "Frau" auch hier unter einem bestimmten Aspekt verarbeitet wird: Bachs Frauen sind sie selbst. Ihre Bilder sind autobiografische Lebensbilder. Und da sie seit 1984 Mutter ist und außerdem Künstlerin und Hausfrau, liegt es nahe, sich dieser Aspekte anzunehmen.
Tanja Fiedler schreibt in ihrem begleitenden Essay "Lebensfarben des Immer-Ich", dass Elvira Bach die "verschiedenen Facetten ihres Seins" herausarbeitet, "dem Leben auf der Spur" ist. Bachs Bilder lösen einen Wirbel von Emotionen bei den Betrachter/innen aus. Ihre gestische Malerei, die Farbenpracht und die immer wiederkehrenden Symbole des Stöckelschuhs, des Herzen, Ankers und Kreuzes, der Erdbeere und des Pinsels lassen ein ganz bestimmtes Frauenbild entstehen, das selbstbewusst, stark, stolz und wehrhaft ist. Bachs Frauen haben breite Schultern, große Hände und sinnliche Münder. Was immer sie wollen, sie können es (sich selbst be)schaffen.
Auch die Erotik spielt eine -- nicht untergeordnete -- Rolle in Bachs Werk. Immer wieder treten Phalli auf: Blumenstengel, Karotten. Ja, auch die Hausfrau und Mutter -- zwischen Champagner und Nuckelflasche, so der Titel eines ihrer Bilder -- ist ein erotisches Wesen, und dass ihr das ja nicht vergesst!
"Frauen müssen an sich glauben", sagt Bach. Ob das in der Küche beim Kartoffelschälen ist, beim Liebesakt oder im normalen Alltag. Bach glaubt an sich. Ihre Bilder sind voller Lebensfreude und Lebenslust. Sie sind exotisch und erotisch. Dies sind sie mit solcher Vehemenz, dass dieser Funke auf die Betrachter/innen überspringt. Lassen Sie sich stärken von den starken Bildern dieser starken Frau: Elvira Bach. --Sandra Neumayer
Kurzbeschreibung
Als Ende der siebziger Jahre die "Neuen Wilden" in Berlin-Kreuzberg zu malen beginnen, gehört Elvira Bach - geboren 1951 und Meisterschülerin von Hann Trier - als einzige Frau dazu und inszeniert "Verschiedenes in einem Metzgerladen". Mit der Ausstellung "Bildwechsel" in der Berliner Akademie der Künste 1981 und der Teilnahme an der "documenta 7" in Kassel 1982 gelingt ihr der individuelle Durchbruch.
Elvira Bach ist Malerin mit Haut und Haaren. Sie malt immer - auch - sich selbst. Dabei schlüpft sie in die Rolle der Schlangenbändigerin, der Liebhaberin exotischer Männer, der egozentrischen Küchendiva mit Zigarette oder einer kartoffelschälenden Hausfrau. Sie malt Frauen, denen Kinder wie Kletten am Körper hängen, oder solche, die auf der Waschmaschine ihre Babys stillen. Im Spannungsfeld zwischen Küche und Kindern entwickelt sie konsequent ihre Malerei, die Ausdruck ihres Lebens ist. "Ich habe keine Theorie, mein Ausgangspunkt ist das Erleben - und sonst gar nichts."
Im ungestümen wilden Gestus entstehen großformatige weibliche "Ikonen", die provozieren oder zur Identifikation einladen. Das vorliegende Buch dokumentiert die Bandbreite der neueren Arbeiten Elvira Bachs von 1990 bis heute und umfaßt neben Gemälden auch Papierarbeiten und Keramikobjekte.